Die ku­sche­ligs­ten Se­mi­na­re

Rheinische Post Goch - - HOCHSCHULE - VON KRIS­TIN KRUTHAUP

Wer es ge­müt­lich mag, schreibt sich an ei­ner von Deutsch­lands kleins­ten Unis ein.

ES­SEN (dpa) In der Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tung auf den Stu­fen sit­zen, weil kein Stuhl mehr frei ist? Wer an Deutsch­lands kleins­ten Hoch­schu­len stu­diert, kennt sol­che Pro­ble­me nur vom Hö­ren­sa­gen. Man­cher Winz­ling zählt nicht mehr als ein paar Dut­zend Stu­den­ten – zum Ver­gleich: An der Uni­ver­si­tät Köln wol­len mehr als 50.000 ei­nen Ab­schluss ma­chen. Wer sich ein sehr in­ti­mes Stu­di­um wünscht, schreibt sich am bes­ten an die­sen Unis ein: Hoch­schu­le für Kir­chen­mu­sik Her­ford Mit vor­aus­sicht­lich we­ni­ger als zehn Neu­an­fän­gern im Win­ter­se­mes­ter 2015/2016 ist die Hoch­schu­le für Kir­chen­mu­sik Her­ford über­schau­bar. Was nach Zwerg klingt, sei aber ein Bran­chen­rie­se, scherzt Pro­fes­sor Hel­mut Flein­ghaus. Er ist Rek­tor der Hoch­schu­le für Kir­chen­mu­sik der Evan­ge­li­schen Kir­che. Von den fast 30 deut­schen Aus­bil­dungs­stät­ten für Kir­chen­mu­sik ist Her­ford ei­ne der größ­ten. Herz­stück der Hoch­schu­le: der Ba­che­lor und Mas­ter in Kir­chen­mu­sik. Er be­rei­tet dar­auf vor, haupt­be­ruf­lich in Kir­chen­ge­mein­den den Chor zu lei­ten und die Or­gel zu spie­len. Rund 1600 haupt­amt­li­che Kir­chen­mu­si­ker gibt es der­zeit – und das Fach hat Nach­wuchs­sor­gen, sagt Flein­ghaus. Wer sich an der Hoch­schu­le ein­schrei­ben will, muss zu­nächst die Auf­nah­me­prü­fung schaf­fen. Und die ist nicht oh­ne: Be­wer­ber spie­len auf der Or­gel und dem Kla­vier und sin­gen an­schlie­ßend noch vor. Spä­ter brü­ten sie über bis zu 20 ver­schie­de­nen Fä­chern und müs­sen über­all Prü­fun­gen ab­le­gen. Da­zu ge­hört et­wa Ton­satz, Hör-Er­zie­hung oder Ge­ne­ral­bass spie­len. Der Vor­teil: Wer das Stu­di­um be­en­det hat, ist an­ders als vie­le Orches­ter-Mu­si­ker mit An­stel­lungs­sor­gen ge­sucht. Hoch­schu­le der bil­den­den Küns­te (HBK) Es­sen Eben­falls um die Schö­nen Küns­te dreht sich al­les an der HBK Es­sen. Dort sind es vor­aus­sicht­lich 30 Neu­an­fän­ger im Win­ter­se­mes­ter 2015/2016, sagt Sa­b­ri­na Günt­ner, Pres­se­re­fe­ren­tin an der HBK. Die ver­tei­len sich auf drei Ba­che­lor­stu­di­en­gän­ge: Bild­haue­rei/Plas­tik, Fo­to­gra­fie/Me­di­en und Ma­le­rei/Gra­fik. Die Stu­di­en­ge­büh­ren lie­gen bei 365 Eu­ro pro Mo­nat. An der HBK hät­ten sie durch­aus ger­ne mehr Stu­den­ten. Ob die Hoch­schu­le in Zu­kunft ein Zwerg blei­ben wird, ist of­fen. Schließ­lich hat sie erst zum Win­ter­se­mes­ter 2013/2014 den Be­trieb auf­ge­nom­men. Wil­helm Lö­he Hoch­schu­le (WLH) Fürth „Wir sind hier gut be­hü­tet“, sagt Stu­den­tin Lau­ra Höf­ler (22) über die pri­va­te WLH Fürth. Ihr Stu­di­en­gang heißt Ma­nage­ment im Ge­sund­heits- und So­zi­al­markt. Spä­ter soll sie in Kran­ken­häu­sern oder -kas­sen oder bei Me­di­zin­tech­nik­un­ter­neh­men ar­bei­ten kön­nen. Wäh­rend der letz­ten WM, als die Kur­se nicht so gut be­sucht wa­ren, sa­ßen sie in der Vor­le­sung manch­mal zu fünft. „Es ist wie ei­ne Schul­klas­se, man kann mit­ar­bei­ten und Fra­gen stel­len. Nur ver­ste­cken kann man sich halt we­nig.“Im Win­ter­se­mes­ter 2015/2016 gibt es an der WLH vor­aus­sicht­lich 30 Neu­an­fän­ger, schätzt Kanz­le­rin Sa­bi­ne Kö­nig. Stu­den­ten be­we­gen sich in den Be­rei­chen Wirt­schaft, Ge­sund­heits­wis­sen­schaf­ten und Ethik. Der­zeit sind drei Ba­che­lor- und zwei Mas­ter-Stu­di­en­gän­ge im An­ge­bot. Das Stu­di­um kos­tet pro Mo­nat 400 Eu­ro. Lu­the­ri­sche Theo­lo­gi­sche Hoch­schu­le (LTHW) Ober­ur­sel Sich zu ver­ste­cken, ist an der LTHW eben­falls un­mög­lich. „Spä­tes­tens nach dem ers­ten Se­mes­ter ken­ne ich je­den Stu­den­ten mit Na­men“, sagt Rek­tor Pro­fes­sor Gil­ber­to da Sil­va. Die Hoch­schu­le bie­tet mit Evan­ge­li­scher Theo­lo­gie ei­nen ein­zi­gen Stu­di­en­gang an. Zu den klas­si­schen Fä­chern zäh­len Al­tes Tes­ta­ment, Neu­es Tes­ta­ment, Kir­chen­ge­schich­te und Mis­si­ons­kun­de. Zum Win­ter­se­mes­ter 2015/2016 sind es vor­aus­sicht­lich 25 neue Stu­die­ren­de, sagt da Sil­va. Für das ei­gent­li­che Theo­lo­gie­stu­di­um brau­chen Stu­den­ten das La­ti­num, das Gra­e­cum und das He­brai­cum. Zu Be­ginn des Stu­di­ums heißt es des­halb erst ein­mal Spra­chen pau­ken. „Da sit­zen dann manch­mal im Kurs nur zwei“, er­zählt der Rek­tor. Bei den Ab­schlüs­sen kön­nen Stu­den­ten wäh­len. Das Ers­te Theo­lo­gi­sche Ex­amen ist Vor­aus­set­zung für ei­ne Di­enst­stel­le in der Kir­che, et­wa als Pfar­rer. Die an­de­re Op­ti­on ist, mit dem Ma­gis­ter ab­zu­schlie­ßen. „Die Ab­sol­ven­ten sind zum Bei­spiel in der Wirt­schaft im Per­so­nal­be­reich ge­sucht.“

FO­TO: IMO/THO­MAS KÖH­LER

In den kleins­ten Unis fin­det je­der ei­nen Platz.

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