Die Frau, die Frau­en zum Wei­nen bringt

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON LES­LIE BROOK

Jo­jo Moyes hat es ge­schafft: Mit ih­rem neu­en Buch „Ein ganz neu­es Le­ben“steht die Bri­tin welt­weit an der Spit­ze der Best­sel­ler­lis­ten. Da­bei hat­te die 46-Jäh­ri­ge gar nicht mehr recht an ei­nen Durch­bruch als Au­to­rin ge­glaubt.

KÖLN Ih­re Hel­din­nen sind al­les an­de­re als per­fekt. Sie sind nicht die tol­len Ge­schäfts­frau­en oder die Mo­del­ty­pen, es sind Kell­ne­rin­nen oder Barf­rau­en, die aus der Ar­bei­ter­schicht stam­men. Für sie selbst sei­en ih­re Fi­gu­ren wie Freun­de, die sie nie ver­las­sen hät­ten, sagt Au­to­rin Jo­jo Moyes (aus­ge­spro­chen Dschod­scho Mois), die sich vor dem Schrei­ben ei­nes neu­en Ro­mans für je­de von ih­nen ei­ne kom­plet­te Bio­gra­fie aus­denkt. Das ist ein Teil ih­res Er­folgs­re­zepts, der an­de­re: Moyes be­geg­net schwie­ri­gen The­men wie Tod, Trau­er und Ver­lust mit Hu­mor. nicht. Ih­re gro­ßen The­men sei­en Ver­lust, Schmerz und Trau­er und die Fra­ge, wie ein Mensch da­mit zu­recht­kommt. Mit ih­ren Bü­chern, die man in ei­nem Rutsch ver­schlingt, schafft sie es, zu Trä­nen zu rüh­ren.

Als man sie an­fangs ge­fragt ha­be, wo­von ih­re Ge­schich­te han­de­le, und sie wahr­heits­ge­mäß ant­wor­te­te mit: „Ein Te­tra­ple­gi­ker (Qu­er­schnitts­ge­lähm­ter), der sich ent­schei­det, sei­nem Le­ben ein En­de zu set­zen“, wa­ren die Re­ak­tio­nen, nun ja, sa­gen wir mal, ver­hal­ten. Nie­mand hät­te da­mit ge­rech­net, dass die drei­fa­che Mut­ter, die schon meh­re­re, weit­ge­hend un­be­ach­te­te Bü­cher ge­schrie­ben hat­te, aus­ge­rech­net da­mit ei­nen gro­ßen Wurf lan­den wür­de. Doch genau das pas­sier­te. Nun wird die Ge­schich­te so­gar mit Emi­lia Clar­ke und Sam Claf­lin ver­filmt. Der Film soll im Ju­ni 2016 in die Ki­nos kom­men.

Jo­jo Moyes meint, ihr schwar­zer Hu­mor sei „wohl ty­pisch Englisch“. Als ihr jüngs­ter Sohn, der heu­te zehn Jah­re alt ist, taub ge­bo­ren wur­de, ha­be ih­re Fa­mi­lie dar­über auch Wit­ze ge­macht, so­gar im Su­per­markt, wo es al­le hö­ren konn­ten: „Wir rie­fen laut, dass er sein Ohr ver­lo­ren ha­be, so nann­ten wir sein Hör­ge­rät, das ihm im­mer wie­der ab­han­den kam.“In ih­ren Au­gen kom­me man mit sol­chen Si­tua­tio­nen am bes­ten klar, wenn man ih­nen mit Hu­mor be­geg­net. Und so le­sen sich auch die Pas­sa­gen in ih­rem neu­en Buch un­heim­lich wit­zig, in de­nen sich Frem­de, die ei­nen ge­lieb­ten Men­schen ver­lo­ren ha­ben, in ei­ner Wei­ter­le­ben-Grup­pe be­geg­nen.

Moyes, die aus­sieht wie ei­ne Schwes­ter der Schau­spie­le­rin Nao­mi Watts, gibt of­fen zu, dass bei ihr selbst lan­ge auch nicht al­les rund lief, dass sie kämpf­te, um sich über Was­ser zu hal­ten, dass sie in ih­ren 30ern in The­ra­pie war. Ei­ni­ges in ih­ren Bü­chern sei au­to­bio­gra­fisch. Et­wa die Flug­angst der Men­schen, de­nen Loui­sa in der Flug­ha­fen­bar be­geg­net. Sie selbst sei zehn Jah­re lang gar nicht ge­flo­gen, und jetzt, wo sie es muss, um zu Le­sun­gen nach Nor­we­gen, Deutsch­land oder in die USA zu flie­gen, neh­me sie „Va­li­um, Al­ko­hol und Hyp­no­se­pflas­ter“, sagt Moyes und lacht. Bei ihr weiß man nie genau, was sie ernst meint.

Vor ih­rem Durch­bruch als Au­to­rin hat Moyes für die „Sun­day Morning Post“und den „In­de­pen­dent“ge­ar­bei­tet. „Ich kann kei­ne Schlag­zei­le le­sen, oh­ne dass ich mit den Per­so­nen, um die es geht, mit­füh­le.“Als Jour­na­lis­tin ha­be sie ge­lernt, Men­schen zu be­ob­ach­ten und ih­nen zu­zu­hö­ren. „Mir ver­trau­en Leu­te ih­re Ge­heim­nis­se an.“Die­se wür­de sie nie aus­plau­dern. Aber: „Wenn je­mand glaubt, die Ge­schich­te des Te­tra­ple­gi­kers sei rea­li­täts­fern, der soll­te sich ein­mal an­hö­ren, was Men­schen wirk­lich al­les durch­ma­chen.“

FO­TO: DPA

Die gro­ßen The­men von Jo­jo Moyes sind Ver­lust, Schmerz und Trau­er und die Fra­ge, wie ein Mensch da­mit zu­recht­kommt. Da­mit er­reicht sie welt­weit ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum. Ihr ers­tes Buch wird jetzt in Hol­ly­wood ver­filmt – ein si­che­res In­diz da­für, dass die Au­to­rin ei­nen Nerv ge­trof­fen hat.

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