NRW-Krei­se für Flücht­lings­stopp

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON DET­LEV HÜWEL UND EVA QUAD­BECK

„Noch mal 1,5 Mil­lio­nen Men­schen kön­nen wir nicht ver­kraf­ten“, warnt der Land­kreis­tag. Er for­dert ei­ne Ober­gren­ze für Asyl­be­wer­ber. In der Uni­ons-Bun­des­tags­frak­ti­on wächst der Un­mut über die Kanz­le­rin.

DÜSSELDORF/BERLIN Städ­te und Krei­se in Nord­rhein-West­fa­len schla­gen we­gen des Flücht­lings­zu­stroms Alarm. „In NRW sind al­le am An­schlag – es gibt kaum noch freie Ka­pa­zi­tä­ten, und auch das Per­so­nal zur Be­treu­ung der Men­schen wird knapp“, sag­te der Prä­si­dent des Land­kreis­ta­ges NRW, der Mett­man­ner Land­rat Tho­mas Hen­de­le (CDU), un­se­rer Re­dak­ti­on. Es sei be­reits von bun­des­weit 1,5 Mil­lio­nen Flücht­lin­gen die Re­de. „Noch mal 1,5 Mil­lio­nen im nächs­ten Jahr kön­nen wir nicht ver­kraf­ten“, warn­te Hen­de­le. Not­falls müs­se ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung her: „Es soll zwar beim Asyl­recht für po­li­tisch Ver­folg­te blei­ben, aber bei den Bür­ger­kriegs­flücht­lin­gen muss es ei­ne Ober­gren­ze ge­ben. An­dern­falls ma­chen die Bür­ger nicht mehr mit.“

Der Städ­te- und Ge­mein­de­bund for­der­te In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) auf, sei­nen Wi­der­stand ge­gen Tran­sit­zo­nen auf­zu­ge­ben. „Es kann nicht sein, dass die Kom­mu­nen ab­sau­fen und Ob­dach­lo­sig­keit droht, aber die Po­li­tik in Ru­he dar­über dis­ku­tiert, wel­che Far­be der Ret­tungs­ring ha­ben muss, um den un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Kol­laps zu ver­hin­dern“, kri­ti­sier­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bernd Jür­gen Schnei­der. Auch sei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on for­dert Ober­gren­zen beim Asyl­recht.

Nach Ein­schät­zung von Oli­ver Wittke, dem Chef der Ruhr-CDU, sind „die we­nigs­ten der An­kom­men­den Asyl­be­wer­ber oder ha­ben die Aus­sicht, als Asy­lan­ten an­er­kannt zu wer­den“. Des­halb müss­ten Men­schen oh­ne Blei­be­per­spek­ti­ve schnell zu­rück­ge­führt wer­den; Flücht­lin­ge, die ge­mäß der Gen­fer Kon­ven­ti­on Schutz su­chen, müss­ten auf al­le EU-Staa­ten ver­teilt wer­den.

Seit An­fang Sep­tem­ber kom­men nach An­ga­ben des baye­ri­schen In­nen­mi­nis­te­ri­ums täg­lich 6000 bis 10.000 Flücht­lin­ge nach Deutsch­land. Die Zah­len be­zie­hen sich auf Flücht­lin­ge, die von Bun­des- oder Lan­des­po­li­zei auf­ge­grif­fen wer­den. Dar­in sei­en je­doch kei­ne Schät­zun­gen über un­be­merk­te Grenz­über­trit­te ent­hal­ten.

An der CDU-Ba­sis in NRW herrscht Un­zu­frie­den­heit über die Flücht­lings­po­li­tik von Bund und Land. „Ein un­be­grenz­ter Zu­zug fin­det nach mei­nen Rück­mel­dun­gen an der Ba­sis kei­ne Zu­stim­mung“, so der Vor­sit­zen­de des CDU-Be­zirks Mit­tel­rhein, Axel Voss. Nach An­sicht von Steffen Kam­pe­ter (Be­zirk Ost­west­fa­len) rei­chen die bis­he­ri­gen Maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung nicht aus: „Ers­te Schrit­te zur Ver- bes­se­rung der Si­tua­ti­on sind be­reits ein­ge­lei­tet wor­den, die­se müs­sen je­doch kon­se­quent fort­ge­setzt wer­den.“Der Wi­der­stand der SPD ge­gen Tran­sit­zo­nen sei un­ver­ständ­lich. Der Vor­sit­zen­de der CDU Bergisches Land, Her­bert Reul, sag­te, in NRW müs­se die Flücht­lings­po­li­tik von Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) ko­or­di­niert wer­den.

In der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on kam es zu ei­nem of­fe­nen Schlag­ab­tausch zwi­schen den In­nen­po­li­ti­kern und Mer­kel, wie un­se­re Zei­tung aus Frak­ti­ons­krei­sen er­fuhr. Teil­neh­mer be­rich­te­ten, die Kanz­le­rin sei sehr di­rekt an­ge­gan­gen wor­den. Die Mehr­heit der Frak­ti­on ha­be auf­sei­ten der In­nen­po­li­ti­ker ge­stan­den. Der Streit spitz­te sich auf die Fra­ge zu, ob an der deut­schen Gren­ze Flücht­lin­ge zu­rück­ge­wie­sen wer­den könn­ten. Die Kanz­le­rin be­ton­te, dies ge­he nicht, weil die Flücht­lin­ge dann über Ös­ter­reich und Un­garn in Ser­bi­en lan­de­ten. Da­mit wür­de Deutsch­land wie­der­um den Bal­kan de­sta­bi­li­sie­ren. Leit­ar­ti­kel Nord­rhein-West­fa­len Po­li­tik

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