Hil­la­ry Cl­in­ton und der Rest

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON FRANK HERR­MANN

Bei der ers­ten TV-De­bat­te der Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten der De­mo­kra­ten kann die frü­he­re First La­dy punk­ten, nach­dem sie in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ins Strau­cheln ge­ra­ten war. Nur Ber­nie San­ders for­dert sie her­aus.

WASHINGTON „Nun“, sagt Hil­la­ry Cl­in­ton, „wie die meis­ten Men­schen, ein­ge­schlos­sen je­ne, die sich für ein öf­fent­li­ches Amt be­wer­ben, neh­me ich neue In­for­ma­tio­nen auf.“Die Kan­di­da­tin dürf­te lan­ge an die­sem Satz ge­feilt ha­ben, weil sie weiß, dass der Vor­wurf, die ei­ge­ne Mei­nung al­le paar Mo­na­te an den neu­es­ten Um­fra­gen aus­zu­rich­ten, ih­re Achil­les­fer­se ist. Ob sie al­les und je­des sa­ge, nur um ge­wählt zu wer­den, hakt CNN-Mo­de­ra­tor An­der­son Co­oper bei der ers­ten TVDe­bat­te der de­mo­kra­ti­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten nach. Nun, sie schaue sich eben an, was in der Welt pas­sie­re, pa­riert Cl­in­ton.

Als Au­ßen­mi­nis­te­rin et­wa hat­te sie das transpa­zi­fi­sche Frei­han­dels­ab­kom­men TPP noch in den höchs­ten Tö­nen ge­lobt. Jetzt, da es un­ter­schrifts­reif vor­liegt, ist sie da­ge­gen. Auch den Kurs, den Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma ge­gen­über il­le­gal Ein­ge­wan­der­ten fährt, klei­ne Re­for- men und re­so­lu­tes Ab­schie­ben, fand sie einst gera­de rich­tig – heu­te kri­ti­siert sie ihn als zu hart.

So flog Hil­la­ry Cl­in­ton, noch im­mer füh­rend im Feld der de­mo­kra­ti­schen Prä­si­dent­schafts­an­wär­ter, als an­ge­schla­ge­ne Fa­vo­ri­tin zum De­bat­ten­auf­takt nach Las Ve­gas. Seit sie im April ih­re Kan­di­da­tur be­kannt­gab, ist ih­re Kam­pa­gne nicht in Schwung ge­kom­men. Was sie zu sa­gen hat­te, klang oft so ein­stu­diert, als hät­ten über­vor­sich­ti­ge Be­ra­ter je­des Wort auf die Gold­waa­ge ge­legt. Als sie in die Kri­tik ge­riet, weil sie als Chef­di­plo­ma­tin auch für dienst­li­che E-Mails ei­nen pri­va­ten Ser­ver be­nutz­te, re­agier­te sie un­be­hol­fe­ner, als man es an­ge­sichts ih­rer lan­gen Er­fah­rung er­war­tet hat­te.

Je an­ge­säu­er­ter sie wirk­te, um­so hef­ti­ger schos­sen die Spe­ku­la­tio­nen ins Kraut, nach de­nen Joe Bi­den, der am­tie­ren­de US-Vi­ze­prä­si­dent, sei­nen Hut in den Ring wer­fen wür­de. Für den Fall, dass Bi­den sich kurz­fris­tig zur Teil­nah­me an der TV-De­bat­te ent­schei­den soll­te, hat­te der Fern­seh­sen­der CNN so­gar ein zu­sätz­li­ches Po­di­um be­reit­ge­stellt. Bi­den aber ver­folg­te die De­bat­te lie­ber vor dem Fern­se­her in Washington.

In Las Ve­gas ge­lingt es Cl­in­ton, den Zweif­lern mit ei­ner sou­ve­rä­nen Vor­stel­lung den Wind aus den Se­geln zu neh­men. Re­ak­ti­ons­schnell und wort­ge­wandt hat sie ge­gen vier männ­li­che Kon­tra­hen­ten das bes­se­re En­de ein­deu­tig für sich. Da ist Ber­nie San­ders, der mit feu­ri­ger Ka- pi­ta­lis­mus­kri­tik ei­ne Are­na nach der an­de­ren füllt. San­ders sieht sich als „un­ab­hän­gi­ger So­zia­list“und emp­fiehlt den USA, sich ein Bei­spiel an der So­zi­al­po­li­tik skan­di­na­vi­scher Län­der zu neh­men. Sie mö­ge die Dä­nen, „aber wir sind nicht Dä­ne­mark“, kon­tert Cl­in­ton. Ge­wiss müs­se man ka­pi­ta­lis­ti­sche Ex­zes­se un­ter Kon­trol­le be­kom­men. Nur ste­he Ka­pi­ta­lis­mus auch für den Er­folg un­zäh­li­ger Klein­un­ter­neh­men.

Ob er das Wirt­schafts­sys­tem des Lan­des un­ter­stüt­ze, wird San­ders ge­fragt. Als Teil je­nes „Ca­si­no-Ka­pi­ta­lis­mus“, bei dem we­ni­ge so viel be­sit­zen wür­den und die Gier der Wall Street die Wirt­schaft ge­gen die Wand fah­ren las­se, se­he er sich nicht, sagt er. „Ber­nie, ich glau­be nicht, dass die Re­vo­lu­ti­on kommt“, spöt­telt Jim Webb, ein Viet­namK­riegs­ve­te­ran, der an­sons­ten blass bleibt, so wie Lin­coln Cha­fee, einst Re­pu­bli­ka­ner und Gou­ver­neur des Zwerg­staats Rho­de Is­land. Auch Mar­tin O’Mal­ley, Ma­ry­lands ExGou­ver­neur und mit 52 Jah­ren der Jüngs­te im Rei­gen, ver­passt die Chan­ce, zum ernst­haf­ten Kon­kur­ren­ten zu wer­den.

Cl­in­ton ge­setzt, San­ders her­aus­for­dernd: Die­se Kon­stel­la­ti­on dürf­te den Wett­lauf der De­mo­kra­ten auf ab­seh­ba­re Zeit prä­gen. Es ist ein Du­ell mit Kon­tras­ten. Cl­in­ton for­dert ei­ne Flug­ver­bots­zo­ne über Tei­len Sy­ri­ens, San­ders hält das für zu ris­kant, weil es die Ge­fahr von Zu­sam­men­stö­ßen mit der rus­si­schen Luft­waf­fe ver­stär­ke. Dass Ed­ward Snow­den im Fal­le ei­ner Rück­kehr vor Ge­richt ge­stellt wer­den soll, dar­in sind sich bei­de ei­nig. Snow­den müs­se die Sup­pe schon aus­löf­feln, sagt Cl­in­ton in ei­nem Ton, der kei­ne Nach­sicht er­ken­nen lässt. Snow­den ha­be ei­ne wich­ti­ge Rol­le bei der Auf­klä­rung des ame­ri­ka­ni­schen Vol­kes ge­spielt, sagt je­doch San­ders. Als dann Cl­in­tons E-Mail-Af­fä­re zur Spra­che kommt, nimmt San­ders die Ri­va­lin de­mons­tra­tiv in Schutz. Die Wäh­ler hät­ten es satt, sagt er, noch län­ger über „die­se ver­damm­ten E– Mails“zu re­den.

FO­TO: DPA

Jim Webb, Ber­nie San­ders, Hil­la­ry Cl­in­ton, Mar­tin O’Mal­ley und Lin­coln Cha­fee (v.l.) tra­ten in Las Ve­gas an. Der mög­li­che Kan­di­dat Joe Bi­den ver­folg­te die De­bat­te vor dem Fern­se­her.

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