Frank­reich strei­tet über Pro­sti­tu­ti­on

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON CHRISTINE LON­GIN

Er­neut wird über ein Ge­setz be­ra­ten, das Geld­stra­fen für Frei­er vor­sieht.

PA­RIS Gut 800 Ki­lo­me­ter ist Ro­sen Hi­cher im ver­gan­ge­nen Jahr durch Frank­reich ge­lau­fen. Bei Wind und Wet­ter zog die frü­he­re Pro­sti­tu­ier­te von der At­lan­tik­küs­te nach Pa­ris, wo sie im Ok­to­ber 2014 ein­traf. Die 57Jäh­ri­ge woll­te mit ih­rem Marsch den Se­nat da­zu brin­gen, ein Ge­setz zur Be­kämp­fung der Pro­sti­tu­ti­on zu ver­ab­schie­den. Ziem­lich genau ein Jahr nach ih­rer spek­ta­ku­lä­ren Ak­ti­on be­schäf­tig­te sich das Ober­haus ges­tern er­neut mit dem The­ma. Im März hat­te der Se­nat die Vor­la­ge der Na­tio­nal­ver­samm­lung be­reits ab­ge­lehnt, die ei­ne Geld­stra­fe von 1500 Eu­ro für Frei­er vor­sieht. Nun liegt der Text in zwei­ter Le­sung noch ein­mal auf dem Tisch – und das Buß­geld ist als Er­gän­zung wie­der drin.

„Pro­sti­tu­ti­on be­deu­tet in der gro­ßen Mehr­heit der Fäl­le Ge­walt­an­wen­dung ge­gen­über Mit­tel­lo­sen und ei­ne Aus­beu­tung der Schwä­che­ren durch Zu­häl­ter“, heißt es in der Be­grün­dung. Die Ar­gu­men­ta­ti­on dürf­te die Mehr­heit der Se­na­to­ren, die das Ge­setz seit zwei Jah­ren blo­ckie­ren, al­ler­dings nicht über­zeu­gen. „Aus mo­ra­li­scher Sicht bin ich für die Be­stra­fung der Frei­er, doch in der Pra­xis leh­ne ich sie ab, denn sie wür­de die Frau­en, die ih­ren Kör­per ver­kau­fen, noch mehr ins Elend und in Ge­fahr brin­gen“, sag­te der kon­ser­va­ti­ve Se­na­tor Je­anPier­re Vi­al, der Vor­sit­zen­der ei­nes Son­der­aus­schus­ses zu dem The­ma ist. Er sieht die Pro­sti­tu­ier­ten bei Geld­bu­ßen für Frei­er noch stär­ker zwie­lich­ti­gen Gestal­ten aus­ge­setzt.

Kri­ti­ker se­hen die Grün­de für die Blo­cka­de­hal­tung in der Zu­sam­men­set­zung des Ober­hau­ses, das zu drei Vier­teln aus Män­nern be­steht. „Vor al­lem äl­te­re Män­ner ver­tei­di­gen noch im­mer das Recht dar­auf, se­xu­ell und fi­nan­zi­ell über den Kör­per der Frau zu be­stim­men“, er­klär­te die Or­ga­ni­sa­ti­on Nid, die für die Ab­schaf­fung der in Frank­reich le­ga­len Pro­sti­tu­ti­on kämpft.

Un­ter­stüt­zung be­kom­men die Se­na­to­ren von 343 Men­schen, die den Ap­pell „Fin­ger weg von mei­ner Hu­re“un­ter­zeich­net ha­ben, dar­un­ter Pro­mi­nen­te wie der Schrift­stel­ler Frédé­ric Beig­be­der. Man ver­tei­di­ge nicht die Pro­sti­tu­ti­on, steht in dem Text: „Wenn das Par­la­ment Se­xu­al­nor­men er­lässt, ist un­se­re Frei­heit in Ge­fahr.“Soll­te der Se­nat das Ge­setz wei­ter blo­ckie­ren, hat die Na­tio­nal­ver­samm­lung das letz­te Wort.

FO­TO: DPA

Ei­ne Pro­sti­tu­ier­te spricht in Can­nes mit ei­nem Frei­er.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.