Kun­den dro­hen hö­he­re Strom­prei­se

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON BIRGIT MAR­SCHALL

Die Um­la­ge zur För­de­rung des Ökostroms steigt 2016 mo­de­rat an. Die star­ke Wind- und So­lar­strom­pro­duk­ti­on und der nied­ri­ge Bör­sen­strom­preis stei­gern die Kos­ten. Die Wirt­schaft setzt sich für ein kom­plett neu­es För­der­sys­tem ein.

BERLIN Die von pri­va­ten Strom­kun­den und Un­ter­neh­men zu ent­rich­ten­de Ökostrom-Um­la­ge wird im kom­men­den Jahr auf ein neu­es Re­kord­ni­veau stei­gen. Pro Ki­lo­watt­stun­de ent­fal­len ab Ja­nu­ar 6,354 Cent auf die Um­la­ge nach dem Er­neu­er­ba­re-Ener­gi­en-Ge­setz (EEG), wie ges­tern be­kannt wur­de. Im lau­fen­den Jahr liegt die Um­la­ge bei 6,17 Cent. Für ei­nen durch­schnitt­li­chen Drei-Per­so­nen-Haus­halt mit ei­nem Jah­res­ver­brauch von 3500 Ki­lo­watt­stun­den Strom be­deu­tet dies 2016 ei­nen An­stieg der jähr­li­chen Strom­kos­ten um 7,70 Eu­ro. An­ge­sichts der hö­he­ren Kos­ten drängt die deut­sche Wirt­schaft auf ein kom­plett neu­es För­der­sys­tem für den Ökostrom.

Be­trei­ber von Wind- und So­lar­an­la­gen er­hal­ten ei­ne auf 20 Jah­re fest­ge­leg­te ga­ran­tier­te Ver­gü­tung. Ihr Strom wird an der Bör­se ge­han­delt und ver­kauft. Die Dif­fe­renz zwi­schen Bör­sen­strom­preis und ga­ran­tier­ter Ver­gü­tung wird durch die EEG-Um­la­ge aus­ge­gli­chen. Durch die star­ke Wind- und So­lar­strom­pro­duk­ti­on ist der Bör­sen­strom­preis wei­ter ge­sun­ken – und vor al­lem des­halb steigt pa­ra­do­xer­wei­se die EEG-Um­la­ge. Ver­brau­cher­ver­bän­de kri­ti­sie­ren seit Lan­gem, dass die Strom­kon­zer­ne die Vor­tei­le, die sie durch den güns­ti­ge­ren Strom­ein­kauf an der Bör­se ge­win­nen, kaum an ih­re Kun­den wei­ter­ge­ben.

Der Deut­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) drängt an­ge­sichts der hö­he­ren EEG-Um­la­ge, die auch die Un­ter­neh­men be­las­tet, auf ein neu­es För­der­sys­tem: Statt wie bis­her nur auf der An­ge­bots­sei­te soll es auch auf der Nach­fra­ge­sei­te des Mark­tes an­set­zen. „Trotz al­ler po­li­ti­schen An­kün­di­gun­gen steigt die EEG-Um­la­ge wie­der an und bringt neue Mil­li­ar­den­las­ten für Un­ter­neh­men und Bür­ger“, sag­te Achim Dercks, Vi­zeHaupt­ge­schäfts­füh­rer des DIHK. Ein Grund da­für sei­en feh­len­de Ver­mark­tungs­al­ter­na­ti­ven von Ökostrom. „Der EEG-Strom kann heu­te nicht di­rekt als Grün­strom an un­se­re Un­ter­neh­men ver­kauft wer­den, son­dern wird an der Strom­bör­se ge­han­delt oder bes­ser ge­sagt: ver­ramscht.“Der DIHK schlägt da­her ei­nen „zwei­ten Weg“vor. „An­la­gen er­hal­ten kei­ne EEG-För­de­rung mehr, be­kom­men da­für aber Grün­strom­zer­ti­fi­ka­te“, so Dercks. „Für die­sen Strom ent­fällt zu­dem für den Ab­neh­mer die EEG-Um­la­ge.“

Nach­fra­ge in der Wirt­schaft nach Ökostrom sei ge­nü­gend vor­han­den. Der DIHK stützt sich auf ei­ne ak­tu­el­le Ver­bands­um­fra­ge, wo­nach mehr als ein Drit­tel oder 37 Pro­zent der be­frag­ten Un­ter­neh­men be­reit wä­ren, mehr Geld für den Be­zug von Ökostrom aus Deutsch­land aus­zu­ge­ben, wenn die­ser als sol­cher ge­kenn­zeich­net, zer­ti­fi­ziert und da­mit als Wer­be­bot­schaft auch ver­wend­bar wä­re. Neun Pro­zent der Un­ter­neh­men wür­den ei­nen Preis­auf­schlag von bis zu fünf Pro­zent ge­gen­über dem Stan­dard­ta­rif ak­zep-

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6,35 tie­ren, drei Pro­zent von bis zu zehn Pro­zent und vier Pro­zent so­gar noch hö­he­re Auf­schlä­ge. Bis­her wird deut­scher Ökostrom aber nicht zer­ti­fi­ziert. Des­halb be­zie­hen vie­le Un­ter­neh­men ih­ren Ökostrom lie­ber aus dem Aus­land, et­wa von skan­di­na­vi­schen Was­ser­kraft­an­la­gen.

„Rund je­des drit­te Un­ter­neh­men ist be­reit, mehr für ein deut­sches Grün­strom­pro­dukt zu be­zah­len, wie un­se­re Um­fra­ge zeigt“, sag­te Dercks. „Die Bun­des­re­gie­rung soll­te die im EEG an­ge­leg­te Mög­lich­keit für ei­ne al­ter­na­ti­ve Grün­strom­ver­mark­tung rasch nut­zen und da­durch den wei­te­ren An­stieg der EEG-Um­la­ge in den kom­men­den Jah­ren dämp­fen.“

Der Um­fra­ge zu­fol­ge ist der Ökostrom-Ver­brauch in der Wirt­schaft auf dem Vor­marsch. 22 Pro­zent der Un­ter­neh­men ga­ben an, 2015 Ökostrom zu be­zie­hen. 2014 wa­ren es erst 19 Pro­zent. Die Nach­fra­ge in der Wirt­schaft stockt je­doch: Der Um­fra­ge zu­fol­ge pla­nen ak­tu­ell nur wei­te­re sie­ben Pro­zent der Un­ter­neh­men, mehr Ökostrom zu kau­fen. 2014 wa­ren es noch neun Pro­zent.

Kos­ten­stei­ge­run­gen für Strom­kun­den und Un­ter­neh­men ste­hen künf­tig auch an, weil die Bun­des­re­gie­rung ent­schie­den hat, die um­strit­te­nen Strom­au­to­bah­nen nach Bay­ern in die Er­de zu ver­le­gen. Durch die Erd­ka­bel stei­gen für die Ver­brau­cher die Netz­ent­gel­te.

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