Trit­tin, Platz­eck und Beust lei­ten Atom-Kom­mis­si­on

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON BIRGIT MAR­SCHALL

Das 19-köp­fi­ge Ex­per­ten­gre­mi­um soll bis Fe­bru­ar ei­ne Emp­feh­lung über die Fi­nan­zie­rung der Atom­müll-La­ger ab­ge­ben.

BERLIN Die Bun­des­re­gie­rung hat ges­tern ei­ne neue Ex­per­ten-AtomKom­mis­si­on be­ru­fen. Sie soll bis En­de Ja­nu­ar nach Lö­sun­gen zur dau­er­haf­ten Fi­nan­zie­rung der auf min­des­tens 47,5 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­schätz­ten Kos­ten für den Ab­riss der Kern­kraft­wer­ke und die End­la­ge­rung des Atom­mülls su­chen. Dis­ku­tiert wur­de be­reits im Vor­feld über die Ein­rich­tung ei­nes öf­fent­lich­recht­li­chen Fonds oder ei­ner Stif- tung, in die Mil­li­ar­den-Rück­stel­lun­gen der Ener­gie­kon­zer­ne für den Atom­aus­stieg über­ge­hen könn­ten.

Ge­lei­tet wird die 19-köp­fi­ge Ex­per­ten­grup­pe von ei­nem Ter­zett – dem frü­he­ren Ham­bur­ger Bür­ger­meis­ter Ole von Beust (CDU), ExBun­des­um­welt­mi­nis­ter Jür­gen Trit­tin (Grü­ne) und dem ehe­ma­li­gen Bran­den­bur­ger Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Mat­thi­as Platz­eck (SPD). In der Kom­mis­si­on sit­zen ne­ben Rechts-, Wirt­schafts- und Um­welt­ex­per­ten für die So­zi­al­part­ner In­dus­trie-Prä- si­dent Ul­rich Gril­lo und DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann. Die ka­tho­li­sche Kir­che wird vom frü­he­ren säch­si­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ge­org Milb­radt (CDU) ver­tre­ten, die evan­ge­li­sche Kir­che von Bi­schof Ralf Meis­ter. Auch die Po­li­ti­ker Michael Fuchs (CDU), Ge­org Nüß­lein (CSU), Ute Vogt (SPD) und Mo­ni­ka Grie­fahn (Grü­ne) ha­ben es in das po­li­tisch fein aus­ta­rier­te Gre­mi­um ge­schafft. Die Lin­ke als im­mer­hin größ­te Op­po­si­ti­ons­par­tei im Bun­des­tag ist al­ler­dings nicht ver­tre­ten.

Zu­gleich be­schloss das Ka­bi­nett ges­tern ei­nen Ge­setz­ent­wurf von Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) zur Nach­haf­tung der Kon­zer­ne Eon, RWE, Vat­ten­fall und EnBW für den Atom­aus­stieg. Da­mit soll ein Schlupf­loch ge­schlos­sen wer­den: Bis­her wä­re es mög­lich, dass die Haf­tung des Mut­ter­kon­zerns nach fünf Jah­ren er­lischt, wenn die AtomSpar­te in ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft aus­ge­la­gert wird. Mit dem Ge­setz wird ge­ne­rell das Prin­zip „El­tern haf­ten für ih­re Kin­der“ein­ge­führt.

In der Re­gie­rung gibt es al­ler­dings un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen dar­über, ob mit dem Ge­setz be­reits sämt­li­che Schlupf­lö­cher ge­schlos­sen wer­den. Denn die Kon­zer­ne könn­ten – wie et­wa Eon – an­de­re Ak­ti­vi­tä­ten auf Töch­ter aus­la­gern und auch da­mit das Aus­maß ih­rer Haf­tungs­fä­hig­keit ver­rin­gern. Die­ser Mei­nung ist das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Da­ge­gen be­ton­te das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, man re­ge­le mit dem Ge­setz auch das Prin­zip „Kin­der haf­ten für ih­re El­tern“.

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