Muss man sich vor Black­rock fürch­ten?

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON STE­FAN WOLFF

Die US-Grup­pe ver­wal­tet ein Ver­mö­gen von um­ge­rech­net 4,1 Bil­lio­nen Eu­ro – mehr als das deut­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt.

FRANKFURT Die Tur­bu­len­zen an den Fi­nanz­märk­ten ha­ben auch den welt­größ­ten Ver­mö­gens­ver­wal­ter Black­rock durch­ge­schüt­telt. Im drit­ten Quar­tal 2015 fuhr das Un­ter­neh­men 843 Mil­lio­nen Dol­lar (rund 737 Mil­lio­nen Eu­ro) Net­to­ge­winn ein, acht Pro­zent we­ni­ger als im Vor­jahr. Ana­lys­ten hat­ten in­des mit ei­nem kräf­ti­ge­ren Rück­gang ge­rech­net. Auch bei Black­rock selbst zeig­te man sich zu­frie­den. An­ge­sichts des Bör­sen­crashs in Chi­na und der vie­len wei­te­ren Un­si­cher­hei­ten wur­de die Bi­lanz von Black­rock sehr auf­merk­sam ge­le­sen.

Be­ob­ach­ter hat­ten be­fürch­tet, dass der an hun­der­ten Un­ter­neh­men be­tei­lig­te Rie­se ins Wan­ken kom­men könn­te. Das ist nicht pas­siert. An der Bör­se wird Black­rock mit um­ge­rech­net 45 Mil­li­ar­den Eu­ro be­wer­tet. Das ver­wal­te­te Ver­mö­gen ist mit 4,7 Bil­lio­nen Dol­lar (4,1 Bil­lio­nen Eu­ro) et­wa 100 Mal so hoch, ei­ne Bil­li­on grö­ßer als das deut­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt. Und noch ein Ver­gleich: Al­le Deut- schen ge­mein­sam ha­ben 1,3 Bil­lio­nen Eu­ro in Fonds an­ge­legt.

Die Re­chen­spie­le zei­gen: Es könn­te ge­fähr­lich wer­den, wür­de sich Black­rock ver­spe­ku­lie­ren. Ein Bör­sen­be­ben wä­re pro­gram­miert. Black­rock, so heißt es, sei sys­tem­re­le­vant. Des­halb for­dern vie­le Kri­ti­ker schär­fe­re Kon­trol­len für den Fi­nanz­rie­sen. Die Au­to­rin Hei­ke Buch­ter be­zeich­ne­te Black­rock jüngst in ei­nem Buch als „ge­hei­me Welt­macht”. US-Mil­li­ar­där Carl Icahn nennt das Un­ter­neh­men „ex­trem ge­fähr­lich”.

„Ban­ken wer­den ex­trem streng re­gu­liert, was grund­sätz­lich nach der Fi­nanz­kri­se erst ein­mal in Ord­nung ist”, ur­teilt Oli­ver Roth, Chef­händ­ler beim Bank­haus Od­do Seydler. Aber gro­ße Un­ter­neh­men wür­den lan­ge nicht so an die Kan­da­re ge­nom­men. Sie hät­ten Platz, sich zu ent­fal­ten. Als be­son­ders pro­ble­ma­tisch gel­ten die­se „Frei­hei­ten” bei den Schat­ten­ban­ken, al­so bei Un­ter­neh­men, die wie Ban­ken agie­ren und ei­gent­lich kei­ne sind.

Black­rock ist der größ­te Ver­mö­gens­ver­wal­ter der Welt. Das Un­ter- neh­men wur­de erst 1988 als Toch­ter der Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Blacks­to­ne ge­grün­det. Der Auf­stieg – ko­me­ten­haft. Die Ame­ri­ka­ner sind an al­len 30 im Deut­schen Ak­ti­en­in­dex (Dax) ge­führ­ten Kon­zer­nen be­tei­ligt und da­mit an der Crè­me de la Crè­me der deut­schen Wirt­schaft. Grö­ße­re An­tei­le hält Black­rock an Daim­ler, der Deut­schen Bank und am Phar­ma­un­ter­neh­men Merck. Als Ver­mö­gens­ver­wal­ter ist das Un­ter­neh­men ers­te Wahl. Staats­fonds, Pen­si­ons­kas­sen und Ver­mö­gens­ver­wal­ter al­ler Her­ren Län­der ge­hö­ren zu den Kun­den. Über sei­ne Fond­s­toch­ter iSha­res ver­wal­tet Black­rock zu­dem In­dex­fonds im Wert von ei­ner Bil­li­on Dol­lar.

Schnell ist da der Ver­gleich zu Leh­man Bro­thers ge­zo­gen. Die Groß­bank war vor ih­rem Kol­laps 2008 an der Bör­se ähn­lich hoch be­wer­tet wie Black­rock. Die Leh­manP­lei­te hat­te ei­nen Bör­sen­crash aus­ge­löst und die Fi­nanz­kri­se dra­ma­tisch ver­schärft. Doch ei­ne sol­che Ge­fahr sieht der Fi­nanz­ex­per­te Dirk Mül­ler im Fall Black­rock nicht: „Black­rock ar­bei­tet mit an­ge­leg­tem Geld, das vor­han­den ist, nicht auf Kre­dit, wie die meis­ten Ban­ken.”

Bei Black­rock ge­he es we­ni­ger um Geld und fi­nan­zi­el­le Ri­si­ken als viel­mehr um Macht und Ein­fluss. Dirk Mül­ler sieht Ein­flüs­se auf Wirt­schaft und Po­li­tik, die Black­rock we­gen sei­ner schie­ren Grö­ße aus­üben kann. „Man ist an al­len wich­ti­gen Un­ter­neh­men der Welt be­tei­ligt, hat sämt­li­che In­for­ma­tio­nen zu­sam­men und nutzt die auch”, sagt der Fi­nanz­ex­per­te, „da er­gibt sich ei­ne Macht­fül­le, die von au­ßen schwer ein­zu­schät­zen ist.“

Black­rock hat­te schon wäh­rend der Fi­nanz­kri­se Re­gie­run­gen und No­ten­ban­ken be­ra­ten und Ein­blick in die Bi­lan­zen gro­ßer Ban­ken er­hal­ten – um die­se zu prü­fen. Für ei­nen Kon­zern, der sich an an­de­ren be­tei­ligt, kann das ein (un­lau­te­rer?) Wett­be­werbs­vor­teil sein. Und: Black­rock ist auch nicht ganz un­schul­dig an der Fi­nanz­kri­se. Auch der Kon­zern hat aus Kre­di­ten Wert­pa­pie­re ge­bas­telt und die­se wei­ter ver­kauft. Ein glän­zendes Ge­schäft – bis die Im­mo­bi­li­en­bla­se in den USA platz­te.

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