Im­mo­bi­li­en­markt vor Fu­si­on

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS REISENER

Auf dem Im­mo­bi­li­en­markt über­schla­gen sich die Er­eig­nis­se. Gera­de woll­te die Deut­sche Woh­nen noch die Düs­sel­dor­fer LEG über­neh­men, da legt der Bochu­mer Dax-Rie­se Vo­no­via ein feind­li­ches An­ge­bot für Deut­sche Woh­nen vor.

DÜSSELDORF So wird man vom Jä­ger zum Ge­jag­ten: Vor nicht ein­mal ei­nem Mo­nat woll­te der Ber­li­ner Im­mo­bi­li­en­kon­zern Deut­sche Woh­nen sich noch die Düs­sel­dor­fer LEG ein­ver­lei­ben und so zur Num­mer eins in Deutsch­land auf­stei­gen. Aber ges­tern er­öff­ne­te der NochPlatz­hirsch aus Bochum sein Stör­feu­er. Die eins­ti­ge An­nington, seit we­ni­gen Wo­chen un­ter dem neu­en Na­men Vo­no­via als ers­ter Im­mo­bi­li­en­kon­zern über­haupt im Dax ge­lis­tet, will ih­re Füh­rungs­po­si­ti­on be­hal­ten und be­rei­tet nun ih­rer­seits die feind­li­che Über­nah­me der Deut­schen Woh­nen vor.

Wenn der Vo­no­via-Plan klappt, steigt der Woh­nungs­be­stand der Bochu­mer von der­zeit 370.000 auf dann mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on. Je nach Be­rech­nung wä­re NRW dann so­gar Sitz des größ­ten Im­mo­bi­li­en­kon­zerns in Eu­ro­pa.

Deut­sche-Woh­nen-Chef Michael Zahn und LEG-Chef Tho­mas He­gel hat die Vo­no­via-Atta­cke ges­tern kalt er­wischt. He­gel war im au­ßer­eu­ro­päi­schen Aus­land, und Zahn brauch­te acht St­un­den, um sich zu sam­meln. „Un­at­trak­tiv und in­ad­äquat“sei die Vo­no­via-Of­fer­te, sag­te er dann. Die auch vom Düs­sel­dor­fer LEG-Ma­nage­ment un­ter­stütz­te Über­nah­me des einst lan­des­ei­ge­nen Un­ter­neh­mens in NRW sei für die In­ves­to­ren die bes­se­re Op­ti­on.

Das se­hen die Ak­tio­nä­re selbst of­fen­bar an­ders. We­der die Deut­scheWoh­nen- noch die LEG-Ak­tie ha­ben von Zahns und He­gels ur­sprüng­li­chen Fu­si­ons­plä­nen pro­fi­tiert. Um-

Zahl der Woh­nun­gen in Tau­send

Zahl der Woh­nun­gen insg. (ge­run­det)

370.000 140.000 ge­kehrt stieg der Deut­sche-Woh­nen-Kurs ges­tern an, als Vo­no­via ih­ren Über­nah­me­plan vor­stell­te. In Ban­ken- und Ana­lys­ten­krei­sen heißt es oh­ne­hin, es fal­le He­gel und Zahn schwer, die Ak­tio­nä­re zu über­zeu­gen. Auf der Haupt­ver­samm­lung am 28. Ok­to­ber müs­sen min­des­tens 75 Pro­zent der Deut­scheWoh­nen-Ak­tio­nä­re für die Über­nah­me der LEG stim­men.

Das Vo­no­via-An­ge­bot zur Über­nah­me der Deut­schen Woh­nen gilt nur für den in­zwi­schen wahr­schein­li­chen Fall, dass die Ak­tio­nä­re den Plan von Zahn und He­gel ab­leh­nen. Vo­no­via bie­tet für je elf Deut­scheWoh­nen-Ak­ti­en 83,14 Eu­ro in bar und sie­ben Vo­no­via-Ak­ti­en. Das ent­spricht rech­ne­risch nur ei­nem leich­ten Auf­schlag auf die Deut­sche-Woh­nen-Ak­tie.

Die LEG will Vo­no­via-Chef Rolf Buch nicht über­neh­men. „Zu teu­er“, tat der Kon­zern­chef die­se Op­ti­on ges­tern im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on ab. Auch nach ei­ner Über­nah­me der Deut­schen Woh­nen soll der Sitz des Dax-Kon­zerns in NRW blei­ben. „Vo­no­via bleibt auch nach der Über­nah­me der Deut­schen Woh­nen in NRW und idea­ler Wei­se auch in Bochum. Die­se Stadt hat uns im­mer gut be­han­delt und ver­dient es, Sitz ei­nes Da­xKon­zerns zu sein“, so Buch.

Für die Mie­ter soll sich nichts än­dern. Mit über 30 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter und Jahr in­ves­tiert Vo­no­via nach ei­ge­nen An­ga­ben mehr als fast al­le Wett­be­wer­ber in die Wohn­qua­li­tät des Be­stan­des. Das war nicht im­mer so. Un­ter ih­ren an­gel­säch­si­schen Vor­be­sit­zern galt gera­de An- nington un­ter Mie­tern als frag­wür­di­ge Adres­se. „Das hat sich ge­än­dert“, at­tes­tiert Silke Gott­schalk vom Deut­schen Mie­ter­bund NRW dem Un­ter­neh­men, „aber da­für sind sie auch teu­rer ge­wor­den.“

Am meis­ten freu­en sich wohl die gut 1000 LEG-Mit­ar­bei­ter über den An­griff aus Bochum, weil er die Ge­fahr für ei­ne Zwangs­hei­rat der LEG mit der Deut­schen Woh­nen noch­mals senkt. Denn die hät­te ei­nen Per­so­nal­ab­bau bei der LEG zur Fol­ge – nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung al­lein in der Düs­sel­dor­fer Zen­tra­le von 80 bis 100 Stel­len.

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