Ein­fach Bü­cher um­schub­sen

Rheinische Post Goch - - KULTUR -

Jetzt wis­sen wir, wie die Deut­schen le­sen und wel­che Deut­schen le­sen. Das Er­geb­nis ei­ner ges­tern prä­sen­tier­ten Stu­die kommt zum Schluss: Ei­gent­lich so wie im­mer. Das ist nicht we­nig in Zei­ten per­ma­nen­ter Wand­lun­gen und di­gi­ta­ler Re­vo­lu­tio­nen. Oh­ne­hin ist es schwer ver­ständ­lich, dass es über­haupt noch Bü­cher gibt. Schier un­be­greif­lich ist dar­um die nach wie vor fröh­li­che Exis­tenz ei­ner Mes­se mit über 7000 Buch-Aus­stel­lern und 300.000 Buch-Be­su­chern. Ir­gend­was läuft al­so ge­hö­rig schief mit un­se­rer Zu­kunft – wie das auch die Stu­die mit 10.000 Be­frag­ten zeigt. Da­nach zäh­len sich 59 Pro­zent der Deut­schen zu Buch­käu­fern; 83 Pro­zent zu Le­sern. Wo­bei es die Frau­en mit ih­rem Bil­dungs­ei­fer mal wie­der über­trei­ben und jähr­lich 1,7 Bü­cher mehr kau­fen als die Män­ner. 1,7 Bü­cher! – das kann nur Frau­en ein­fal­len. Da­bei sind die Mög­lich­kei­ten für den Um­gang mit Bü­chern noch gar nicht aus­ge­reizt. Denn ne­ben kau­fen, sam­meln, ver­ges­sen, ver­schen­ken, ver­le­gen oder le­sen kann man Bü­cher ein­fach nur um­schub- sen. Und wenn dann kurz da­hin­ter noch ein Buch steht, fällt die­ses auch um. Do­mi­no­ef­fekt nennt man das. Auf der Buch­mes­se hat man das be­son­ders ef­fekt­voll ge­stal­tet und hin­ter dem um­ge­schubs­ten Buch 9999 wei­te­re ge­stellt. Die sind al­le um­ge­fal­len. Das ist nicht nur Welt­re­kord, son­dern Guin­ness-BuchWelt­re­kord. Ge­schick­ter­wei­se hat man für die­se Per­for­mance 10.000 neue Guin­ness-Welt­re­kord-Bü­cher auf­ge­stellt, da­mit al­le die Wer­be­ak­ti­on fürs jüngs­te Jahr­buch der ab­stru­sen Su­per­la­ti­ve auch ver­ste­hen. Viel­leicht ist die Per­for­mance aber nicht ganz so cle­ver ge­we­sen. Denn mit dem neu­en Re­kord von ges­tern ist das neue Buch ei­gent­lich schon wie­der ver­al­tet.

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