El­tern: Zu vie­le Flücht­lin­ge in Klas­sen

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Die NRW-Lan­des­re­gie­rung rech­net 2015 und 2016 mit je 40.000 zu­sätz­li­chen Flücht­lings­kin­dern. Der El­tern­ver­ein und der Chef des Phi­lo­lo­gen­ver­bands for­dern Höchst­quo­ten, die Mi­nis­te­rin lehnt ab.

DÜSSELDORF/BERLIN (csh/fvo/hüw/ mar) Die Flücht­lings­kri­se lässt in NRW die Sor­ge wach­sen, ob die Schu­len mit den vie­len Neu­an­kömm­lin­gen zu­recht­kom­men. „Das wird zu viel. Es kön­nen nicht un­be­grenzt Flücht­lings­kin­der in die Klas­sen ge­steckt wer­den“, sag­te die Vor­sit­zen­de des El­tern­ver­eins, Re­gi­ne Schwarz­hoff, un­se­rer Re­dak­ti­on. Un­zu­rei­chen­de Sprach­kennt­nis­se lös­ten nur Frust auf al­len Sei­ten aus. Schwarz­hoff for­der­te mehr An­stren­gun­gen des Lan­des: „Es müs­sen vie­le neue Leh­rer ein­ge­stellt wer­den, die nur da­für da sind, den Flücht­lings­kin­dern Deutsch bei­zu­brin­gen. Man könn­te pen­sio­nier­te Leh­rer zu­rück­ho­len.“Auch Lehr­amts­stu­den­ten sei­en da­für denk­bar, sag­te Schwarz­hoff.

Der Phi­lo­lo­gen­ver­band for­dert ei­ne Flücht­lings­quo­te für Schul­klas­sen. „Wenn der An­teil von Kin­dern nicht-deut­scher Mut­ter­spra­che bei 30 Pro­zent liegt, setzt ein Leis­tungs­ab­fall ein“, er­klär­te der Bun­des­vor­sit­zen­de Heinz-Pe­ter Mei­din­ger der „Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung“: „Die­ser wird ab 50 Pro­zent dra­ma­tisch.“Pe­ter Sil­ber­na­gel, Chef des NRW-Phi­lo­lo­gen­ver­bands, wi­der­sprach: „Ei­ne Gym­na­si­al­klas­se mit 90 Pro­zent Mi­gran­ten kann ge­nau­so leis­tungs­stark sein wie ei­ne mit 100 Pro­zent Mut­ter­sprach­lern.“Die Ver­tei­lung müs­se nach Qua­li­tät statt nach Quan­ti­tät er­fol­gen.

Auch die Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft lehnt ei­ne Quo­te ab. „Das ist dis­kri­mi­nie­rend und päd­ago­gisch un­sin­nig“, sag­te Lan­des­che­fin Do­ro­thea Schä­fer. Nicht die Zahl der Kin­der mit frem­der Mut­ter­spra­che sei ent­schei­dend, son­dern ob sie Deutsch könn­ten. FDPSchul­ex­per­tin Yvon­ne Ge­bau­er hält da­ge­gen: „Ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen Flücht­lings- und an­de­ren Kin­dern muss si­cher­ge­stellt sein.“

NRW rech­net für die­ses und nächs­tes Jahr mit je­weils 40.000 zu­sätz­li­chen Flücht­lings­kin­dern in der Schu­le. Ei­ne Mi­gran­ten-Quo­te für ein­zel­ne Klas­sen lehnt das Schul­mi­nis­te­ri­um ab: „Stu­di­en zei­gen, dass für die Lern­leis­tung nicht die Mut­ter­spra­che der Schü­ler ent­schei­dend ist, son­dern das so­zia­le Ge­fü­ge in der Klas­se“, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Wer we­nig Deutsch kann, lernt in NRW in „Vor­be­rei­tungs­klas­sen“in­ten­siv die Spra­che. Nach An­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums be­su­chen Flücht­lings­kin­der 14 bis 18 St­un­den pro Wo­che für bis zu zwei Jah­re die­se För­der­grup­pen und neh­men an­sons­ten am nor­ma­len Un­ter­richt ei­ner Klas­se teil. Wenn sie ge­nü­gend Deutsch kön­nen, wer­den sie end­gül­tig auf Schul­for­men und ein­zel­ne Re­gel­klas­sen ver­teilt; die Ent­schei­dung dar­über fal­le vor Ort. Das Mi­nis­te­ri­um wies zu­dem dar­auf hin, NRW ha­be 300 Leh­rer­stel­len für Sprach­un­ter­richt ge­schaf­fen.

Die CDU kri­ti­sier­te, Schul­mi­nis­te­rin Sylvia Löhr­mann (Grü­ne) las­se die Kom­mu­nen al­lein. Zwin­gend nö­tig sei ein Ge­samt­kon­zept, for­der­te die schul­po­li­ti­sche Spre­che­rin Pe­tra Vogt: „Die Städ­te wis­sen nicht, wer was wie un­ter­rich­ten soll.“

Der Bun­des­tag ver­ab­schie­de­te ges­tern mit den Stim­men von Uni­on und SPD ein Maß­nah­men­pa­ket für schär­fe­re Asyl­re­geln. 475 Ab­ge­ord­ne­te stimm­ten mit Ja. Mit Nein vo­tier­ten 68 Ab­ge­ord­ne­te, 56 ent­hiel­ten sich. Die Ent­hal­tun­gen ka­men weit über­wie­gend von den Grü­nen, die Nein-Stim­men von der Lin­ken. Die Neu­re­ge­lun­gen sol­len am 1. No­vem­ber in Kraft tre­ten.

Das Pa­ket sieht vor, Bar­geld­zah­lun­gen an Asyl­su­chen­de in den Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen weit­ge­hend durch Sach­leis­tun­gen zu er­set­zen. Wer aus wirt­schaft­li­chen Grün­den, aber nicht we­gen po­li­ti­scher Ver­fol­gung oder Krieg ein­reist, muss sich bis zu sechs Mo­na­te lang in der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung auf­hal­ten und kann schnel­ler ab­ge­scho­ben wer­den. Für ab­ge­lehn­te Per­so­nen, die ei­nen Ter­min zur frei­wil­li­gen Aus­rei­se ver­strei­chen las­sen, sind Leis­tungs­kür­zun­gen ge­plant. Mit dem Ge­setz wer­den die West­bal­kan-Staa­ten Al­ba­ni­en, Ko­so­vo und Mon­te­ne­gro als si­che­re Her­kunfts­staa­ten ein­ge­stuft, um die Asyl­ver­fah­ren zu be­schleu­ni­gen. Heu­te muss noch der Bun­des­rat dem Ge­setz zu­stim­men. Die Län­der­mehr­heit gilt als si­cher.

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