Häu­ser­kampf in NRW

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON THO­MAS REISENER

Jahr­zehn­te wa­ren Ge­werk­schaf­ten und Kir­chen die größ­ten Ver­mie­ter in Deutsch­land. Jetzt ver­wan­deln in­ter­na­tio­na­le Schat­ten­ban­ken den Woh­nungs­markt in ei­nen Kampf­platz. Brenn­punkt ist Nord­rhein-West­fa­len.

DÜSSELDORF Als NRW-Bau­mi­nis­ter Michael Gro­schek (SPD) kürz­lich nach sei­nem Bei­trag ge­gen die Kri­se bei der Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen ge­fragt wur­de, platz­te es aus ihm her­aus: „Klar, wenn die Kom­mu­nen noch al­le ih­re Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten hät­ten, wä­re jetzt al­les ein­fa­cher.“Der So­zi­al­de­mo­krat hat sich wohl auch noch nie so sehr die LEG zu­rück­ge­wünscht: je­ne chro­nisch de­fi­zi­tä­re und zum Teil auch kri­mi­nel­le Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft des Lan­des mit Zig­tau­send Wohn­blö­cken in ganz NRW. Das Land hat sie 2008 un­ter schwarz-gel­ber Re­gie­rung pri­va­ti­siert.

Die für Steu­er­zah­ler teu­ren und für Woh­nungs­po­li­ti­ker himm­li­schen Zei­ten sind für im­mer vor­bei. Heu­te kann ei­ner wie Gro­schek sei­ne Ge­sprächs­part­ner nicht mehr ein­fach ein­be­stel­len. Er muss sie sich müh­sam zu­sam­men­su­chen. Im um­ständ­li­chen „Bünd­nis für Woh­nen“und an­de­ren lo­sen Ver­ab­re­dungs­run­den, wo Gro­schek seit Mo­na­ten mit den gro­ßen Woh­nungs­an­bie­tern des Lan­des um Ab­sichts­pa­pie­re ringt. Der Um­weg ist schon des­halb müh­sam, weil Gro­schek sei­ne Ein­la­dun­gen stän­dig neu schrei­ben muss. Denn die NRW-Woh­nungs­wirt­schaft gleicht in­zwi­schen ei­nem Ba­sar. Ei­nem, auf dem nicht Gro­schek, son­dern Mil­li­ar­dä­re aus Über­see den Takt vor­ge­ben.

Die Ex-Lan­des­ge­sell­schaft ist seit gut zwei Jah­ren an der Bör­se. Ihr größ­ter Ak­tio­när heißt Black­rock. Der US-Fi­nanz­in­ves­tor, der auf­grund sei­ner Un­durch­schau­bar­keit und Macht­fül­le als welt­größ­te Schat­ten­bank gilt, ist seit Ja­nu­ar auch zweit­größ­ter Ak­tio­när beim Woh­nungs­kon­zern Deut­sche Woh­nen. Eben je­nes Ber­li­ner Woh­nungs­kon­zerns, der vor drei Wo­chen die Über­nah­me der LEG an­ge­kün­digt hat.

Aber dar­aus wird wohl nichts. Denn am Mitt­woch kün­dig­te der eben­falls aus NRW stam­men­de Bran­chen­pri­mus Vo­no­via ein Ge­gen­an­ge­bot an. Nicht für die LEG – die Düs­sel­dor­fer sind den Bo- chu­mern nicht groß ge­nug. Aber Vo­no­via will jetzt die Deut­sche Woh­nen über­neh­men. Feind­lich. Al­so ge­gen den Wil­len von de­ren Ma­nage­ment. Ein­fach, in­dem Vo­no­via die Deut­scheWoh­nen-Ak­ti­en auf­kauft.

Da­mit zeich­net sich ei­ne der größ­ten feind­li­chen Über­nah­men in der deut­schen Wirt­schafts­ge­schich­te ab. Mit jetzt schon merk­wür­di­gen Zwi­schen­tö­nen: Als Vo­no­via-Chef Rolf Buch am Mitt­woch sei­nen An­griff an­kün­dig­te, war ihm er­kenn­bar un­wohl da­bei. Es klang nicht so, als ha­be er selbst die Idee da­zu ge­habt. „Wir sind von un­se­ren Ak­tio­nä­ren an­ge­spro­chen und auf­ge­for­dert wor­den“, gab Buch mit un­ge­wohn­ter Of­fen­heit zu, „wir bie­ten die­se Al­ter­na­ti­ve, wenn die Ak­tio­nä­re das denn wol­len.“Und wer ist der größ­te Vo­no­via-Ak­tio­när? Eben­falls Black­rock .

Vo­no­via, Deut­sche Woh­nen und die LEG ge­hö­ren zu den größ­ten An­bie­tern von güns­ti­gem Wohn­raum in Deutsch­land. Oh­ne sie wird die Flücht­lings­kri­se nicht zu lö­sen sein. Aber mit wem soll Gro­schek denn nun ver­han­deln? Mit den an­ge­stell­ten Ma­na­gern von Woh­nungs­kon­zer­nen, die in­zwi­schen fast im Halb­jah­res­rhyth­mus ih­re Be­stän­de und Ei­gen­tü­mer aus­wech­seln? Oder gleich an der Wall Street mit den Ma­na­gern von Black­rock?

Bis weit in die 90er Jah­re war der deut­sche Woh­nungs­markt ein lang­wei­li­ges Ge­schäft. Berg­bau-, Stahl- und Ener­gie­kon­zer­ne, Kir­chen, Kom­mu­nen und Ge­werk­schaf­ten bau­ten sich ein paar Wohn­sied­lun­gen zu­sam­men. Das Ver­mie­tungs­ge­schäft in­ter­es­sier­te sie nicht. Sie woll­ten für ih­re Mit­ar­bei­ter güns­ti­gen Wohn­raum schaf­fen. Das sag­ten sie, wenn je­mand zu­hör­te. In­tern fei­er­ten sie ih­ren Woh­nungs­bau als gi­gan­ti­sches Steu­er­spar­mo­dell.

So ent­stand der heu­ti­ge Bran­chen­pri­mus Vo­no­via aus ein paar Tau­send Ei­sen­bah­ner­woh­nun­gen. Die Deut­sche Woh­nen war erst nach der Über­nah­me von Ge­werk­schafts­be­stän­den der Neu­en Hei­mat wahr­nehm­bar. Und als Vo-

Der in­ter­na­tio­na­le Tur­bo-Ka­pi­ta­lis­mus mag deut­sche

Mie­ter

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