Dop­pelt so vie­le Ro­cker wie 2010

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

Wäh­rend die Ban­di­dos das Ruhr­ge­biet kon­trol­lie­ren, ha­ben sich die Hells An­gels im Rhein­land aus­ge­brei­tet.

DÜSSELDORF Was sich am ver­gan­ge­nen Sams­tag­abend rund um die Dis­ko­thek Ka­bel­werk in Mön­chen­glad­bach ab­spiel­te, war nach Ein­schät­zung er­fah­re­ner Er­mitt­ler ei­ne ge­ziel­te Macht­de­mons­tra­ti­on der Hells An­gels. Die rund 500 Mit­glie­der und Sym­pa­thi­san­ten der Ro­cker­grup­pie­rung, die aus ganz Deutsch­land zu der öf­fent­lich­keits­wirk­sa­men „Ken­nen­lern-Par­ty“ge­kom­men wa­ren, ver­fehl­ten den Zweck ih­res Tref­fens nicht. „Mit der mas­si­ven Prä­senz soll­te der Kon­kur­renz und der Po­li­zei ge­zeigt wer­den: Die Hells An­gels sind groß und

Die Po­li­zei fasst die Ro­cker­ban­den un­ter dem Be­griff „Out­law Motor­cy­cle Gangs“(OMCGs)

zu­sam­men

mäch­tig. Legt euch bes­ser nicht mit uns an“, er­klärt ein Po­li­zist.

In­ner­halb von fünf Jah­ren stieg in Nord­rhein-West­fa­len die Mit­glie­der­zahl bei den Hells An­gels von 132 auf 272. Auch die Zahl ih­rer Char­ter (Club­häu­ser) wuchs von sechs auf 14. Trotz­dem sind die „Höl­le­nen­gel“nur die dritt­größ­te Ro­cker­grup­pie­rung des Lan­des. Die größ­te Ro­cker­ban­de in NRW sind die Ban­di­dos, bei de­nen sich die Mit­glie­der­zahl seit 2010 von 296 auf 636 mehr als ver­dop­pel­te. Die Ban­di­dos ver­fü­gen zu­dem ak­tu­ell über 21 Stand­or­te in NRW, vor fünf Jah­ren sind es noch zwei we­ni­ger ge­we­sen. Das geht aus ei­ner Ant­wort der Lan­des­re­gie­rung auf ei­ne klei­ne An­fra­ge des CDULand­tags­ab­ge­ord­ne­ten Theo Kru­se her­vor. Die zweit­größ­te Ro­cker­grup­pie­rung nach den Ban­di­dos ist dem Be­richt zu­fol­ge Gre­mi­um MC mit 388 Mit­glie­dern und elf Stand­or­ten in NRW. Die Satu­dar­ahs, die lan­ge in Duis­burg an­säs­sig wa­ren und die seit dem 24. Fe­bru­ar 2015 bun­des­weit ver­bo­ten sind, spie­len hin­ge­gen kei­ne Rol­le mehr in der Sze­ne. Neu hin­zu ge­kom­men sind die Ban­den Free­way Rai­ders MC mit 127 Mit­glie­dern und die Bro­thers MC mit 30 fes­ten An­hän­gern. Die Po­li­zei fasst die Ro­cker­ban­den un­ter dem Be­griff „Out­law Motor­cy­cle Gangs“(OMCGs) zu­sam­men, was so viel wie „ge­äch­te­te Mo­tor­rad­gangs“be­deu­tet.

Ins­ge­samt gibt es lan­des­weit mehr als 3000 Ro­cker, die Hälf­te da- von so­ge­nann­te Sup­por­ter (Un­ter­stüt­zer), die kei­ne di­rek­ten Mit­glie­der ei­nes Ro­cker­ver­eins sind. Die Sup­por­ter spie­len nach Ein­schät­zung des In­nen­mi­nis­te­ri­ums al­ler­dings ei­ne nicht un­be­deu­ten­de Rol­le, da die­se die gro­ßen Clubs per­so­nell und stra­te­gisch un­ter­stütz­ten. So er­hal­ten sie Auf­trä­ge und wer­den für be­stimm­te Auf­ga­ben von den OMCG her­an­ge­zo­gen wie et­wa für Wach- und Ser­vice­diens­te bei Ver­an­stal­tun­gen. Zu­dem wir­ken sie bei Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit ri­va­li­sie­ren­den Clubs oder „Macht- und Stär­ke­de­mons­tra­tio­nen“wie am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de in Mön­chen­glad­bach mit. Ein ho­her An­teil der Mit­glie­der der Sup­por­ter-Clubs hat laut In­nen­mi­nis­te­ri­um zu­dem ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Teil­wei­se stei­gen die­se Un­ter­stüt­zer nach ei­ner ge­wis­sen Zeit auch zu Voll­mit­glie­dern be­reits be­ste­hen­der OMCGs auf. So wur­den bei­spiels­wei­se die „Tur­key No­mads“kürz­lich zu Voll­mit­glie­dern der Hells An­gels auf­ge­wer­tet.

Wäh­rend die Ban­di­dos das Ruhr­ge­biet kon­trol­lie­ren, ha­ben sich ih­re Erz­fein­de, die Hells An­gels, vor al­lem im Rhein­land aus­ge­brei­tet. Als Hoch­burg der Hells An­gels gilt in NRW Köln. Doch nach wie vor über­schnei­den sich die In­ter­es­sen der ver­fein­de­ten Ro­cker­clubs im Ruhr­ge­biet, vor al­lem aber in Duis­burg. Grund für die Re­vier­kämp­fe ist ei­nes der größ­ten Rot­licht­vier­tel Deutsch­lands. In fast 500 Zim­mern bie­ten Pro­sti­tu­ier­te dort ih­re Di­ens­te an. Mo­nat­lich ver­die­nen die Be­trei­ber laut Po­li­zei rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro. Die Ban­di­dos und Hells An­gels ha­ben das Vier­tel im „Mag­de­bur­ger Ab­kom­men“un­ter sich auf­ge­teilt. Das ist ei­ne Art Ver­trag, den die Ro­cker in Mag­de­burg ab­ge­schlos­sen ha­ben. Dar­in sei­en laut Po­li­zei Spiel­re­geln fest­ge­hal­ten, an die sich die Grup­pen hal­ten müs­sen. So dür­fen et­wa die Hells An­gels im Duis­bur­ger Rot­licht­vier­tel nor­ma­ler­wei­se kei­ne Kut­ten tra­gen, weil die Ban­di­dos dort ei­nen Ver­eins­sitz ha­ben – die Ver­ein­ba­rung gilt aber als sehr brü­chig.

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