PAUL ZIEMIAK „Ich ver­mis­se ei­nen Plan, wie es wei­ter­ge­hen soll“

Rheinische Post Goch - - POLITIK - EVA QUAD­BECK FÜHR­TE DAS IN­TER­VIEW.

Der Vor­sit­zen­de der Jun­gen Uni­on er­war­tet von Par­tei­che­fin An­ge­la Mer­kel ei­ne deut­li­che Dis­tan­zie­rung von un­be­grenz­ter Zu­wan­de­rung.

Wünscht sich die Jun­ge Uni­on in der Flücht­lings­po­li­tik mehr See­ho­fer oder mehr Mer­kel? ZIEMIAK Was im Bun­des­tag in die­ser Wo­che be­schlos­sen wird, sind die rich­ti­gen Punk­te. Die Kanz­le­rin hat völ­lig recht mit ih­rem Weg, wo­nach wir schnel­le­re Asyl­ver­fah­ren, ei­ne Be­kämp­fung der Flücht­lings­ur­sa­chen, mehr si­che­re Her­kunftstaa­ten und mehr Sach­leis­tun­gen statt Geld­leis­tun­gen brau­chen. See­ho­fer lei­det in Bay­ern be­son­ders un­ter die­ser Kri­se, da­her wür­de ich das nicht auf Per­so­nen fo­kus­sie­ren. Da­hin­ter ste­cken ja un­ter­schied­li­che Po­li­tik-An­sät­ze . . . ZIEMIAK Das stimmt, da­her sa­ge ich: Die von der Bun­des­re­gie­rung er­grif­fe­nen Maß­nah­men sind rich­tig, aber sie be­dür­fen ei­ner Er­gän­zung. Ich ver­mis­se ei­nen Plan, wie es im nächs­ten und im über­nächs­ten Jahr wei­ter­ge­hen soll in der Flücht­lings­fra­ge. Wir müs­sen dar­über spre­chen, was wir nächs­tes Jahr schaf­fen kön­nen. Was for­dern Sie kon­kret von der Bun­des­re­gie­rung? ZIEMIAK Wir brau­chen jetzt ei­nen run­den Tisch der Bun­des­re­gie­rung mit den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den und den Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die die Las­ten zu tra­gen ha­ben. Auch die eh­ren­amt­li­chen Hel­fer und die Po­li­zei müs­sen mit an die­sem Tisch sit­zen. Ge­mein­sam müs­sen wir dann ei­nen Plan ma­chen, was im nächs­ten Jahr mög­lich ist. Brau­chen wir denn ei­ne na­tio­na­le Lö­sung für die Au­ßen­gren­zen, bis ein Kom­pro­miss in Eu­ro­pa ge­schmie­det ist? ZIEMIAK So­lan­ge wir kei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung ha­ben, müs­sen wir not­falls den Zustrom an den deut­schen Au­ßen­gren­zen ein­schrän­ken. Wir kön­nen nicht un­be­grenzt Flücht­lin­ge auf­neh­men. Wie wol­len Sie die Gren­ze zie­hen? ZIEMIAK Wir müs­sen ein Kon­tin­gent be­stim­men, wie vie­len Men­schen wir Schutz ge­wäh­ren kön­nen. Die­ses Kon­tin­gent muss auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne fest­ge­legt wer­den. Das ist auch das, was die eu­ro­päi­schen Part­ner von Deutsch­land er­war­ten. Wir kön­nen nicht for­dern, dass nach ei­ner fest­ge­leg­ten Quo­te un­be­grenzt vie­le Flücht­lin­ge in Eu­ro­pa ver­teilt wer­den. Bei der Fest­le­gung von Kon­tin­gen­ten kann ei­ne Quo­ten­re­ge­lung funk­tio­nie­ren. Dann weiß je­des Land, wor­auf es sich ein­lässt. Steht die CDU hin­ter der Kanz­le­rin? ZIEMIAK Sie steht selbst­ver­ständ­lich hin­ter der Kanz­le­rin. Vie­len in der Par­tei fehlt aber ei­ne kla­re Äu­ße­rung der Bun­des­kanz­le­rin, dass es kei­nen un­be­grenz­ten Zu­zug nach Deutsch­land ge­ben kann. Das er­war­ten wir beim Deutsch­land­tag der Jun­gen Uni­on, der mor­gen in Ham­burg be­ginnt.

FO­TO: ACTION PRESS

Paul Ziemiak (30), ge­bo­ren in Stet­tin, ist seit 2014 Bun­des­chef der Jun­gen Uni­on.

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