Ren­zi setzt Mei­len­stei­ne

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON JU­LI­US MÜL­LER-MEI­NIN­GEN

Dem ita­lie­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ist es ge­lun­gen, ent­schei­den­de Re­for­men auf den Weg zu brin­gen.

ROM Mat­teo Ren­zi ver­bringt sei­ne Frei­zeit nicht nur mit Com­pu­ter­spie­len. Er mag auch TV-Se­ri­en, ins­be­son­de­re den US-Po­li­tikthril­ler „Hou­se of Cards“mit dem skru­pel­lo­sen Prot­ago­nis­ten Fran­cis Un­der­wood ali­as Kevin Spacey. Ganz so eis­kalt wie in der Fern­seh­se­rie geht es an den Schalt­stel­len der ita­lie­ni­schen Po­li­tik ver­mut­lich nicht zu. Aber dass der Mi­nis­ter­prä­si­dent ei­ni­ge sei­ner Schach­zü­ge in dem Fern­seh­dra­ma wie­der­er­kennt, gilt in Rom als of­fe­nes Ge­heim­nis.

Den jüngs­ten Be­weis sei­ner Ge­schick­lich­keit als Staats­mann lie­fer­te der 40-Jäh­ri­ge nun mit ei­ner Ver­fas­sungs­re­form, die seit Jah­ren voll­zo­gen wer­den soll­te, aber nie zu- stan­de kam. Die po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se in Rom wa­ren zu ver­wor­ren; Ein­zel­in­ter­es­sen be­hiel­ten stets die Ober­hand über not­wen­di­ge Ve­rän­de­run­gen. Ren­zi hat es nun mit kla­ren Ide­en, viel tak­ti­schem Ge­schick und ei­ner Por­ti­on Un­ver­schämt­heit ge­schafft, dass der ita­lie­ni­sche Se­nat sich de fac­to selbst aus dem Weg räumt.

Ein kom­pli­zier­tes Zwei­kam­mernSys­tem, in dem Ent­schei­dun­gen oft erst nach Jah­ren zu gel­ten­den Ge­set­zen wur­den oder we­gen ge­stürz­ter Re­gie­run­gen ste­cken­blie­ben, wird nun be­sei­tigt. Der Se­nat, der selbst für die Re­form stimm­te, spricht nur noch bei we­ni­gen Ge­set­zen mit. Das Ab­ge­ord­ne­ten­haus wird zur ent­schei­den­den Are­na, die Re­gie­rung ge­stärkt. Die Re­form, die 2016 noch von ei­ner Volks­ab­stim­mung ge­neh­migt wer­den muss, ver­än­dert die po­li­ti­schen Pro­zes­se dras­tisch hin zu mehr Sta­bi­li­tät und schnel­le­ren Ent­schei­dun­gen.

Ren­zi, der bei sei­nem Amts­an­tritt im Fe­bru­ar 2014 voll­mun­dig „ei­ne Re­form pro Mo­nat“ver­sprach, hat nach 20 Mo­na­ten zu­min­dest drei Mei­len­stei­ne ge­setzt: Ne­ben der Ver­fas­sungs­re­form ge­lang dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten auch ei­ne Än­de­rung des Wahl­rechts. An die­ser Schlüs­sel­fra­ge für Ita­li­en wa­ren sämt­li­che Vor­gän­ger­re­gie­run­gen ge­schei­tert. Au­ßer­dem setz­te er vor al­lem ge­gen die Wi­der­stän­de aus sei­ner De­mo­kra­ti­schen Par­tei ei­ne Ar­beits­markt­re­form durch. Die po­si­ti­ven Nach­rich­ten vom Ar­beits­markt schreibt sich Ren­zi nun selbst auf die Fah­ne. Sei­ne Kri­ti­ker ma­chen da­für aber vor al­lem güns­ti­ge Rah­men­be­din­gun­gen wie nied­ri­ge Zin­sen und den schwa­chen Eu­ro ver­ant­wort­lich.

FO­TO: DPA

Mat­teo Ren­zi (40) bei ei­ner Re­de im Se­nat in Rom.

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