Bahn­cha­os hält noch sechs Mo­na­te an

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON EMILY SENF

Der Be­di­en­raum der Mül­hei­mer Re­lais­sta­ti­on ist völ­lig zer­stört. Den­noch will die Bahn ihn nicht di­rekt mo­der­ni­sie­ren, son­dern erst ein­mal nur wie­der­her­stel­len. Das sei die schnells­te Lö­sung, dau­ert al­ler­dings trotz­dem bis April.

MÜL­HEIM/RUHR Die Kan­zel des Stell­werks im Mül­hei­mer Stadt­teil Styrum ist voll­stän­dig aus­ge­brannt. Die Wän­de sind schwarz vor Ruß, Ka­bel hän­gen lo­se von der De­cke her­ab und die Fens­ter­schei­ben sind zer­bro­chen. Da­zu ist die Tech­nik zer­stört. Den­noch hät­te al­les noch viel schlim­mer kom­men kön­nen, wenn das Feu­er bis in die un­te­ren Eta­gen vor­ge­drun­gen wä­re. Dort ist die Re­lais­tech­nik des Stell­werks un­ter­ge­bracht. Wä­re sie be­schä­digt wor­den, hät­te es min­des­tens zwölf

Pe­ter Schu­bert Mo­na­te ge­dau­ert, bis al­les re­pa­riert ge­we­sen wä­re, sagt Pe­ter Schu­bert, Tech­ni­scher Ver­ant­wort­li­cher bei der Deut­schen Bahn für die Re­lais­sta­tio­nen im Raum Duis­burg. „So ge­se­hen war es noch ein Glücks­fall.“

Trotz­dem wird der Bahn­ver­kehr in den kom­men­den Mo­na­ten wei­ter­hin durch die Aus­wir­kun­gen des Bran­des be­ein­träch­tigt sein. Die Bahn kün­dig­te ges­tern bei ei­ner Be­sich­ti­gung des Stell­werks an, dass ei­ne Wie­der­her­stel­lung des Be­di­en­raums wie vor dem Brand vor­aus­sicht­lich bis April 2016 dau­ern wer­de. Für Bahn­fah­rer soll die Si­tua­ti­on mit je­dem Tag bes­ser wer­den, ver­spricht Er­win Schick, Lei­ter des Pro­duk­ti­ons­or­tes Duis­burg der DB Netz AG. Für mor­gen sei ge­plant, wie­der bis zu 50 Pro­zent des Bahn­an­ge­bots ge­währ­leis­ten zu kön­nen. Zu­min­dest die S-Bahn 1 und der Re­gio­nal­ex­press 11 sol­len dann wie­der auf ih­rem Re­gel­weg und nach Fahr­plan ver­keh­ren. Der RE 1 aus Aa­chen hält wei­ter­hin vor­zei­tig in Hamm. Nur mor­gens wird je­weils ein Zug nach und von Pa­der­born durch­ge­las­sen. Für den RE 2 und den RE 6 bleibt die Um­lei­tung über Es­sen-Al­ten­es­sen be­ste­hen. Im Fern­ver­kehr wird ne­ben dem ICE von Köln nach Berlin auch der Ham­burg-Köln-Ex­press wie­der re­gu­lär fah­ren kön­nen.

Trotz der mo­na­te­lan­gen Ar­bei­ten ha­be man sich für die Va­ri­an­te des Wie­der­auf­baus und da­mit ge­gen ei­nen mo­bi­len Be­dien­con­tai­ner so­wie die Mo­der­ni­sie­rung zu ei­nem elek­tro­ni­schen Stell­werk ent­schie­den, sag­te Schick. Sie sei am schnells­ten rea­li­sier­bar. Die­se An­sicht teilt Lothar Eb­bers vom Fahr­gast­ver­band „Pro Bahn“: „Al­les an- de­re hät­te viel zu lan­ge ge­dau­ert“. Wich­tig sei jetzt vor al­lem ge­we­sen, die S 1 wie­der re­gu­lär fah­ren zu las­sen. „Mit ihr fah­ren die Stu­den­ten der Uni­ver­si­tä­ten Dort­mund, Bochum und Duis­burg-Es­sen“, sag­te Eb­bers. Die Fra­ge sei nun, ob und wie vie­le Bah­nen mehr man bis April auf der Stre­cke an­bie­ten kann.

Ver­ur­sacht hat­te den Brand am Sonn­tag vor zwei Wo­chen ein tech­ni­scher De­fekt. Die ge­naue Ur­sa­che kennt die Bahn bis­lang selbst nicht. „Da­für müs­sen wir das Ur­teil des Brand­gut­ach­ters von der Kri­po Duis­burg ab­war­ten“, sag­te Rei­ner Latsch, Kon­zern­be­voll­mäch­tig­ter der Deut­schen Bahn für NRW. Das kön­ne noch rund vier Wo­chen dau- ern. Fremd­ver­schul­den sei aus­ge­schlos­sen. Der Sach­scha­den be­lau­fe sich bis­lang auf ei­nen mitt­le­ren ein­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag. Ei­ne kon­kre­te Sum­me woll­te Latsch nicht nen­nen.

Der Stell­werks­brand hat­te fast den ge­sam­ten Zug­ver­kehr im Ruhr­ge­biet lahm­ge­legt. Die Tras­se von Köln über Düsseldorf, Duis­burg und Es­sen nach Dort­mund ge­hört zu den wich­tigs­ten Nord-Süd-Ver­bin­dun­gen der Bahn. Sie gilt als ei­ne der meist­be­fah­re­nen Bahn­stre­cken der Welt. Von der Styru­mer Re­lais­sta­ti­on aus len­ken Mit­ar­bei­ter der Deut­schen Bahn Zü­ge und S-Bah­nen zwi­schen Duis­burg-Kai­ser­berg und Es­sen-West. In ih­ren Be­reich fal­len mehr als 45 Wei­chen und über 100 Si­gna­le. Die hat­ten sich bei dem Brand au­to­ma­tisch auf Rot ge­stellt und da­mit jeg­li­chen Ver­kehr ge­stoppt.

Der­zeit sind Mit­ar­bei­ter da­bei, 27 Wei­chen ab­zu­si­chern, be­rich­te­te Schick. Dann dür­fen die Zü­ge und Bah­nen auf der Stre­cke wie­der Nor­mal­ge­schwin­dig­keit fah­ren. Bis­lang sind sie auf 50 St­un­den­ki­lo­me­ter ge­dros­selt. „Ab­bie­gen wer­den sie dann al­ler­dings wei­ter­hin nicht kön­nen“, er­klär­te Michael Häß­ler, Lei­ter Ver­trieb und Fahr­plan der DB Netz AG im Re­gio­nal­be­reich West. So ver­kehrt bei­spiels­wei­se die S 3 noch im­mer nicht auf der Stre­cke zwi­schen Es­sen und Ober­hau­sen.

Im Stell­werk ha­ben die Mit­ar­bei­ter der­weil mit Rei­ni­gungs- und Auf­räum­ar­bei­ten be­gon­nen. Ge­rä­te zum Trock­nen der Re­lais­tech­nik, die bei dem Brand Lösch­was­ser ab­be­kom­men hat­te, lau­fen auf Hoch­tou­ren. Das Dach muss er­neu­ert und der Be­di­en­raum kom­plett ent­kernt wer­den. Um zu ver­hin­dern, dass die Si­tua­ti­on sich ir­gend­wann wie­der­holt, müss­te die Tech­nik di­gi­ta­li­siert wer­den, sag­te Schick. Wann das pas­siert? „Nicht heu­te.“

„Das Aus­maß des Brands war für uns noch

ein Glücks­fall“

DB-Mit­ar­bei­ter

FO­TO: DPA

Ar­bei­ter ent­ker­nen im Auf­trag der Bahn den zer­stör­ten Be­di­en­raum des Stell­werks in Mül­heim an der Ruhr. Die­ser war nach ei­nem Feu­er fast völ­lig aus­ge­brannt.

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