Was Hal­ter von VW-Die­sel wis­sen müs­sen

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

Al­le Be­sit­zer von Fahr­zeu­gen mit ma­ni­pu­lier­ter Soft­ware müs­sen ih­re Wa­gen um­rüs­ten las­sen. Das er­zwingt das Kraft­fahrt­bun­des­amt. Da­bei zei­gen Tests aus den USA, dass der Sprit­ver­brauch nach der Um­rüs­tung stei­gen kann.

WOLFSBURG/FLENS­BURG Seit ges­tern steht fest, dass Volk­wa­gen mit sei­nem Plan ei­ner frei­wil­li­gen Rück­ruf­ak­ti­on für die ma­ni­pu­lier­ten VWDie­sel in Deutsch­land ge­schei­tert ist. Aus­nahms­los müs­sen al­le be­trof­fe­nen Au­tos um­ge­rüs­tet wer­den, ord­ne­te das Kraft­fahrt­bun­des­amt ges­tern an. Wir be­ant­wor­ten die wich­tigs­ten Fra­gen zu der Ak­ti­on. Darf ich mei­nen Wa­gen wei­ter fah­ren? Ja. Al­le Fah­rer von be­trof­fe­nen Au­tos dür­fen ih­re Wa­gen wei­ter­hin un­ein­ge­schränkt nut­zen. „Die Fahr­zeu­ge sind ver­kehrs­si­cher und kön­nen des­halb ganz nor­mal ge­fah­ren wer­den“, sagt Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU). War­um dann der Zwangs­rück­ruf? Der vom Staat vor­ge­ge­be­ne Rück­ruf sei not­wen­dig, weil es sich mit 2,4 Mil­lio­nen Au­tos um ei­ne be­son­ders um­fang­rei­che Re­pa­ra­turak­ti­on han­de­le, er­klärt Do­brindt. Eben­so wich­tig sind zwei wei­te­re Grün­de: Bei der Soft­ware han­delt es sich nach Auf­fas­sung des Kraft­fahrt­bun­des­am­tes um ei­ne il­le­ga­le Ma­ni­pu­la­ti­on am Wa­gen, die ja im rea­len Be­trieb ei­nen Teil der Ab­gas­rei­ni­gung aus dem Test­be­trieb aus­schal­tet – der Staat hat al­so kei­ne Al­ter­na­ti­ve, als den Aus­bau der Soft­ware vor­zu­schrei­ben. Und der Staat kann dar­um auch nicht ris­kie­ren, dass zehn­tau­sen­de Au­to­fah­rer bei ei­nem frei­wil­li­gen Rück­ruf erst verspätet oder gar nicht re­agie­ren. Wie sieht der Zeit­plan aus? Star­ten sol­len die ers­ten Um­rüs­tun­gen An­fang 2016. Bei man­chen Wa­gen dau­ert es aber noch län­ger. Für Mo­del­le mit 1,6-Li­ter-Mo­tor dürf­te die tech­ni­sche Lö­sung erst in rund ei­nem Jahr ein­bau­reif sein. Da­bei geht es um ei­ne zu­sätz­li­che Ab­gas­rei­ni­gung. Bei wei­te­ren Die­seln in Eu­ro5-Norm mit 2,0 Li­tern Hu­b­raum soll ein Tausch der ma­ni­pu­lier­ten Soft­ware rei­chen. Die Wa­gen müs­sen al­so nur an den Rech­ner in der Werk­statt. Un­klar blieb zu­nächst die ge­naue Lö­sung für die drit­te Grup­pe der Die­sel mit 1,2 Li­tern Hu­b­raum. Wo­mög­lich reicht auch dort ein Soft­ware-Up­date. Wie er­fah­re ich, ob mein Au­to be­trof­fen ist? Auf der Web­site www.volks­wa­gen.de/in­fo kann je­der Volks­wa­gen-Kun­de sei­ne Fahr­ge­stell­num­mer ein­ge­ben und sich in­for­mie­ren, ob sein Fahr­zeug be­trof­fen ist. Für die Mar­ken Au­di, Seat und Sko­da und in den üb­ri­gen EU-Staa­ten sind ver­gleich­ba­re Kun­den-Web­sites ak­tiv. Wer zahlt die Um­rüs­tung? VW. Falls Wa­gen län­ger in die Werk­statt müs­sen, könn­te not­wen­dig sein, den Fah­rern Miet­wa­gen an­zu­bie­ten. Könn­te der Wa­gen nach der Um­rüs­tung schlech­te­re Wer­te ha­ben? Si­cher ist zwar, dass die Au­tos nach der Re­pa­ra­tur bes­se­re Ab­gas­wer­te ha­ben wer­den als bis­her – denn be­stimm­te Fil­ter­me­cha­nis­men wer­den ja nicht mehr heim­lich ab­ge­schal­tet. Aber der bes­se­re Um­welt­schutz könn­te dann zu schlech­te­ren Mo­to­ren­leis­tun­gen füh­ren: Bei neu­en Tests des US-Ver­brau­cher­ma­ga­zins „Con­su­mer Re­ports“stieg der Sprit­ver­brauch ei­nes VW-Jet­ta von 4,7 auf 5,1 Li­ter je 100 Ki­lo­me­ter Fahr­leis­tung, nach­dem die il­le­ga­le Soft­ware ab­ge­schal­tet wor­den war. Und der Wa­gen brauch­te mehr als ei­ne hal­be Se­kun­de län­ger, um auf knapp 100 St­un­den­ki­lo­me­ter zu be­schleu­ni­gen. Er­hal­ten Au­to­fah­rer ei­ne Ent­schä­di­gung, falls der Wa­gen nach der Um­rüs­tung we­ni­ger flott oder mit hö­he­rem Sprit­ver­brauch fährt? VW will sich zu die­sem The­ma nicht äu­ßern. Ein Spre­cher hält schlech­te­re Leis­tungs­wer­te aber für sehr un­wahr­schein­lich, ob­wohl das Un­ter­neh­men dem Kraft­fahrt­bun­des­amt noch nicht ein­mal mit­ge­teilt hat, wie die Nach­rüs­tun­gen lau­fen sol­len.

Die Au­to­ex­per­tin Marion Jung­bluth vom Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len for­dert da­ge­gen von VW schon jetzt ei­ne Fest­le­gung auf ei­ne Ent­schä­di­gung: „Wenn sich nach der Re­pa­ra­tur, wie zu er­war­ten ist, her­aus­stellt, dass die Wa­gen bei­spiels­wei­se ei­nen hö­he­ren Sprit­ver­brauch ha­ben oder we­ni­ger gut be­schleu­ni­gen, soll­te Volks­wa­gen ma­xi­ma­le Ku­lanz ge­wäh­ren, al­so ei­ne Ent­schä­di­gung zah­len.“Als Al­ter­na­ti­ve sol­le VW „die Au­tos zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Preis zu­rück­neh­men“.

FO­TO: DPA

Blick in den Mo­tor­raum des Tou­ran TDI, eins der be­trof­fe­nen Mo­del­le.

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