Com­merz­bank soll 17 Mil­lio­nen Eu­ro zah­len

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

Da­für wer­den an­geb­lich Er­mitt­lun­gen we­gen des Ver­dachts auf Bei­hil­fe durch die Lu­xem­bur­ger Toch­ter ge­stoppt. Das In­sti­tut ist ei­nes von meh­re­ren, bei de­nen die Staats­an­walt­schaft er­mit­telt hat.

FRANKFURT Lu­xem­bur­gi­sche Toch­ter­ge­sell­schaf­ten deut­scher Ban­ken sind den Steu­er­fahn­dern hier­zu­lan­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr als ein­mal spa­nisch vor­ge­kom­men. Das gilt für pri­va­te Geld­häu­ser wie die Com­merz­bank und die Hy­po­Ver­eins­bank so­wie für Staats­ban­ken wie die Lan­des­bank Ba­den-Würt­tem­berg (Stutt­gart) und die HSH Nord­bank, die Lan­des­bank für Ham­burg, Schles­wig-Hol­stein und Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

Jetzt steht zur Ab­wechs­lung mal wie­der die Com­merz­bank im Fo­kus. Die hat sich laut „Süd­deut­scher Zei­tung“mit der Staats­an­walt­schaft Köln auf ei­ne Zah­lung von 17 Mil­lio­nen Eu­ro ge­ei­nigt; im Ge­gen­zug soll­ten die Er­mitt­lun­gen we­gen des Ver­dachts auf Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung ein­ge­stellt wer­den, heißt es. Die Stra­fe fal­le ver­hält­nis­mä­ßig ge­ring aus, da das In­sti­tut Ge­schäf­te die­ser Art be­reits seit 2008 nicht mehr un­ter­nom­men und mit den Er­mitt­lern ko­ope­riert ha­be.

Die Com­merz­bank äu­ßert sich da­zu nicht, und der­ar­ti­ge Wort­karg­heit ist in der Re­gel ein In­diz da­für, dass ei­ne Nach­richt stimmt. Die Staats­an­walt­schaft Köln gibt auch kei­ne Aus­künf­te zu der An­ge­le­gen­heit, und zwar mit Ver­weis auf das Steu­er­ge­heim­nis. Ein for­ma­ler Ge­richts­be­scheid an die Bank steht of­fen­bar oh­ne­hin noch aus, erst da­nach müss­te sie dann den ent­spre­chen­den Be­trag zah­len.

Die gro­ße Schweig­sam­keit hat es auch schon in den Fäl­len HVB und HSH Nord­bank ge­ge­ben. Die Bay­ern ha­ben sich dem Ver­neh­men nach be­reit er­klärt, knapp 20 Mil­lio­nen Eu­ro zu zah­len, die Lan­des­bank aus Kiel so­gar 22 Mil­lio­nen. Bei den Ban­ken sind die Er­mitt­ler of­fen­sicht­lich in meh­re­ren Fäl­len Kun­den auf der Spur ge­we­sen, die mit Hil­fe von Lu­xem­bur­ger Töch­tern der Ban­ken Brief­kas­ten­fir­men kauf­ten, um über die­se Schein­un­ter­neh­men Geld vor dem deut­schen Fis­kus zu ver­ste­cken. Im Fal­le Com­merz­bank soll de­ren Ab­le­ger im Groß­her­zog­tum Kun­den an die Off­s­horeGe­sell­schaft Moss­ack Fon­se­ca Group ver­mit­telt ha­ben, die den Kun­den die Brief­kas­ten­fir­men ver- kauf­ten. Die tra­ten dann den Er­mitt­lungs­er­geb­nis­sen zu­fol­ge als In­ha­ber der Kon­ten in Eu­ro­pa auf, wäh­rend die wah­ren In­ha­ber nie in Er­schei­nung tre­ten muss­ten.

Dies, so heißt es in deut­schen Bank­krei­sen, ha­be auch nach Ein­füh­rung der eu­ro­päi­schen Zins­richt­li­nie vor zehn Jah­ren gut funk­tio­niert, die den Steu­er­da­ten­aus­tausch in Eu­ro­pa er­mög­lich­te. Un­ter an­de­rem Luxemburg hat sich über Jah­re die­ser Richt­li­nie ver­wei­gert, statt­des­sen ei­ne an­ony­me Qu­el­len­steu­er von 35 Pro­zent auf die Er­trä­ge er­ho­ben. Erst im ver­gan­ge­nen Jahr lenk­te das Groß­her­zog­tum ein. Bis da­hin wa­ren die Da­ten nicht greif­bar. En­de 2014 sol­len die Lu­xem­bur­ger Be­hör­den noch ein Rechts­hil­fe-Er­su­chen aus Deutsch­land ab­ge­lehnt ha­ben.

Raus­ge­kom­men ist das Gan­ze of­fen­bar durch ei­ne Steu­er-CD, die Fahn­der der Schwer­punkt-Staats­an­walt­schaft in Wup­per­tal er­war­ben. Im Fe­bru­ar gab es Raz­zi­en in Ge­schäfts- und Pri­vat­räu­men in meh­re­ren deut­schen Bun­des­län­dern. Die CD ent­hielt an­geb­lich Tau­sen­de Kun­den­na­men, Fir­men und Be­ra­ter und soll aus ei­nem Moss­ack-Fon­se­ca-Da­ten­satz stam­men. Die Com­merz­bank hat sei­ner­zeit schnell re­agiert, ih­re Zu­sam­men­ar­beit mit den Be­hör­den an­ge­kün­digt und 400 Kun­den raus­ge­wor­fen, die der Auf­for­de­rung der Bank, die „steu­er­li­che Si­tua­ti­on zu klä­ren“, mehr­fach nicht nach­ge­kom­men wa­ren.

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