„Frei­heit“ist un­ver­wüst­lich: Wes­tern­ha­gen in Köln

Rheinische Post Goch - - KULTUR - VON MAX FLO­RI­AN KÜH­LEM

KÖLN Blut­ver­schmier­te Col­la­gen, Bil­der von Sol­da­ten, mensch­li­chen Lei­chen und Tier­ka­da­vern f lim­mern über die rie­si­ge Vi­deo­lein­wand. Der ame­ri­ka­ni­sche Künst­ler Pe­ter Be­ard hat sie ge­schaf­fen, Ma­ri­us Mül­ler-Wes­tern­ha­gen nutzt sie für sei­nen Auf­tritt in der Köl­ner Are­na. Spä­tes­tens der mi­nu­ten­lan­ge Zoom auf den dür­ren, ge­schun­de­nen, to­ten Kör­per ei­nes afri­ka­ni­schen Kin­des drückt die Stim­mung.

12.000 Fans sind ge­kom­men, um zu „Se­xy“zu tan­zen und zu „Mit Pfef­fer­minz bin ich dein Prinz“Spaß zu ha­ben. Letz­te­res hat Wes­tern­ha­gen früh im Set ge­spielt und da­bei or­dent­lich Stim­mung ge­macht. Um­so scho­ckie­ren­der ist die­ses Vi­deo-Bild zum Song „Lie­be (Um der Frei­heit Wil­len)“. Der neue Wes­tern­ha­gen ist scho­nungs­los, das Lied ist sein neu­es „Frei­heit“, die po­li­ti­sche Bot­schaft un­miss­ver­ständ­lich: „Jagt den Ty­ran­nen fort“, singt der 66-Jäh­ri­ge, und „Frei­heit für die Les­ben, für die Schwu­len, für die Kunst, für die Me­di­en“, skan­diert er am En­de mit lau­ter, rau­er Stim­me, wäh­rend sei­ne Band ein bro­deln­des Gos­pel-Ge­bräu an­rührt.

Wes­tern­ha­gen wirkt ex­trem agil – mit en­ger Stoff­ho­se im ame­ri­ka­ni­schen Süd­staa­ten-Look und ei­nem fran­si­gen In­dia­ner-Shirt schwebt er wie ein Vo­gel über die Büh­ne. Als er nach „Oh Herr“, dem Song mit den Tier­ka­da­vern, fragt: „Habt ihr Spaß?“, fällt die Ant­wort al­ler­dings ver­ständ­li­cher­wei­se ver­hal­ten aus. Da­für braucht es ein paar Hits – und die gibt es bald: „Ta­xi­mann“, „Wil­len­los“, „Mit 18“und spä­ter bei der Zu­ga­be auch „Wie­der hier“, das im Rhein­land gut an­kommt. Weil er in der Hei­mat ist und weil sei­ne Band es wol­le, singt er auch noch mal „Frei­heit“. Er singt die ech­te Ver­si­on, die sei­nen My­thos be­grün­de­te.

Ei­nen Wes­tern­ha­gen zwi­schen ges­tern und heu­te hat das Pu­bli­kum so er­lebt, ei­nen, der durch die Lie­be zu Back­ground-Sän­ge­rin Lin­di­we Sut­tle or­dent­lich Kraft ge­tankt hat und si­cher nicht zum letz­ten Mal in den gro­ßen Hal­len zu er­le­ben war.

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