Ich woll­te ein­fach mal „Dan­ke“sa­gen

Rheinische Post Goch - - GOTT UND DIE WELT - PFAR­RER MAR­TIN SCHELL, EVAN­GE­LI­SCHE KIR­CHEN­GE­MEIN­DE KLE­VE

Im­mer öf­ter, wenn ich se­he, was in an­de­ren Or­ten Schlim­mes ge­schieht, dann freue ich mich, in Kle­ve zu woh­nen und bin dank­bar da­für. Wie auch im­mer wir da­zu ste­hen, dass Flücht­lin­ge nach Kle­ve kom­men, die Men­schen in Kle­ve se­hen: Da sind Män­ner, Frau­en und Kin­der, die Hil­fe brau­chen – und Hil­fe ist da.

Ganz gleich, ob „Kle­ve hilft“über Face­book auf­zählt, was drin­gend ge­braucht wird – Men­schen tei­len ih­re Sa­chen. Ob die AWO zu Sprach­pa­ten­schaf­ten auf­ruft – Men­schen tei­len ih­re Zeit und ih­re Fä­hig­kei­ten. Ob un­se­re Ge­mein­de mehr Un­ter­richts­bü­cher braucht für Sprach­kur­se – Men­schen tei­len ihr Geld.

Na­tür­lich, die Not ist da­mit nicht be­en­det. Was die Men­schen er­lebt ha­ben in den Län­dern, aus de­nen sie flie­hen muss­ten we­gen Krieg und Hun­ger und Un­ter­drü­ckung – das kön­nen hier am ehes­ten die er­mes­sen, die das am En­de des Welt­krie­ges sel­ber ge­se­hen ha­ben in un­se­rem Land.

Was Flücht­lin­ge auf dem Weg nach hier er­lebt ha­ben – das hört sich an wie das, was mir al­te Men­schen von ih­rer Flucht in den Wes­ten am En­de der 40er er­zähl­ten. Das zu ver­ar­bei­ten, das braucht nicht nur Geld, son­dern auch Zeit und Lie­be.

Die selt­sam lan­ge Zeit, die un­se­re Ver­wal­tun­gen brau­chen zur Ent­schei­dung über Asyl, die be­fremd­li­chen Schrei­ben, die den Auf­ent­halt für mög­lichst kur­ze Zeit­span­nen ge­stat­ten und den Be­ginn ei­nes Brot­er­werbs ver­zö­gern: Das ist schlimm.

Und die Flücht­lin­ge? Ei­ni­ge kau­fen von ih­ren we­ni­gen Mit­teln Blu­men, die sie am letz­ten Sams­tag in der In­nen­stadt ver­teil­ten. Um Dan­ke zu sa­gen.

Am glei­chen Sams­tag: Ei­ni­ge aus Kle­ve sind nach Berlin ge­fah­ren, um dort in ei­ner der größ­ten De­mons­tra­tio­nen der letz­ten Jah­re deut­lich zu ma­chen: Ver­trä­ge wie TTIP rui­nie­ren nicht nur die Mit­be­stim­mung der Bür­ge­rIn­nen und he­beln die De­mo­kra­tie hier aus, son­dern zer­stö­ren die Wirt­schaft in är­me­ren Län­dern der Welt und schaf­fen da­mit wei­te­ren Grund zur Flucht aus Ar­mut, Elend und Hun­ger.

Auch de­nen, die nach Berlin ge­fah­ren sind, hier ein paar Blu­men: Dan­ke!

FO­TO: PRI­VAT

Pfar­rer Mar­tin Schell aus Kle­ve.

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