Sau­fen mit Gran­dez­za

Rheinische Post Goch - - KINO - VON DO­RO­THEE KRINGS

Han­ne­lo­re Els­ner bril­liert als trun­ke­ne Mut­ter in Lars Krau­mes „Fa­mi­li­en­fest“.

Das will sich Max nicht neh­men las­sen: Ein­mal noch dem Va­ter be­geg­nen, dem Pa­tri­ar­chen und Ty­ran­nen, dem ge­fei­er­ten Pia­nis­ten und un­er­träg­li­chen Ego­ma­nen. Ein­mal will er ihm sa­gen, was er nie aus­zu­spre­chen wag­te, ein­mal noch in die­sem Le­ben. Zum Ge­burts­tag des Al­ten tref­fen Max und sei­ne bei­den Brü­der samt An­hang in der ge­die­ge­nen Bil­dungs­bür­ger-Vil­la ein. Al­le Söh­ne ha­ben Pro­ble­me, Fi­nanz­sor­gen der ei­ne, der an­de­re wird we­gen sei­ner Ho­mo­se­xua­li­tät vom Va­ter of­fen ver­ach­tet. Trotz­dem will die neue Frau des Va­ters es al­len schön ma­chen, da schluckt sie so­gar, dass die Mut­ter der Jungs auch kommt. Ein har­mo­ni­sches Fa­mi­li­en­fest soll der Ge­burts­tag wer­den – und na­tür­lich ist gleich klar, dass das nicht ge­lin­gen wird.

Ein be­reits be­kann­tes Mus­ter hat sich Re­gis­seur Lars Krau­me für sei­ne Zer­trüm­me­rung ei­ner bür­ger­li­chen Fa­mi­lie aus­ge­sucht. Gera­de ist noch ein Film von ihm im Ki­no: „Der Staat ge­gen Fritz Bau­er“. Da um­geht er ge­konnt Kli­schees, die in his­to­ri­schen Stof­fen lau­ern. In die­sem Kam­mer­spiel da­ge­gen ge­lingt ihm das we­ni­ger gut, ob­wohl er Schau­spie­ler der Ers­ten Li­ga zur Ver­fü­gung hat: Lars Ei­din­ger et­wa als der schwer an­ge­schla­ge­ne Sohn Max und Han­ne­lo­re Els­ner als des­sen trun­ke­ne Mut­ter. Groß­ar­tig, mit wel­cher Gran­dez­za die im all­zu trau­ten Fa­mi­li­en­kreis die Weiß­wein­glä­ser leert und die neue Glu­cke an der Sei­te ih­res Ex-Man­nes vor­führt. Ob­wohl die­ses Dra­ma al­so die be­kann­ten Mo­ti­ve des Fa­mi­li­en­dra­mas nutzt – die fei­er­li­che Zu­sam­men­kunft als Ka­ta­ly­sa­tor für ver­bor­ge­ne Kon­flik­te – be­wahrt sich der Film ei­ne schö­ne Tra­gi­ko­mik. Und als es wirk­lich dra­ma­tisch wird, gibt es Jör­dis Trie­bel, ei­ne wun­der­bar bo­den­stän­di­ge, na­tür­li­che Schau­spie­le­rin, die je­des Ge­fühl­s­pa­thos sou­ve­rän um­spielt. Die­ses „Fa­mi­li­en­tref­fen“muss man we­gen der Schau­spie­ler se­hen – na­tür­lich ist das am En­de auch ein Ver­dienst des Re­gis­seurs.

FO­TO: DPA

Han­ne­lo­re Els­ner mit Gün­ther Ma­ria Hal­mer

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.