„Ame­ri­can Ul­tra“: wit­zi­ges Action-Spek­ta­kel im Ta­ran­ti­no-Stil

Rheinische Post Goch - - KINO - VON BAR­BA­RA MUNKER

Ge­wöhn­lich pas­siert we­nig in Mi­kes Le­ben. Er hängt am liebs­ten zu Hau­se mit sei­ner Freun­din Pho­ebe ab, rollt Jo­ints, zeich­net Co­mics und denkt dar­über nach, wie er sei­ner Ge­lieb­ten ei­nen Hei­rats­an­trag ma­chen kann. Zwi­schen­durch jobbt er in dem ver­schla­fe­nen Nest Li­man im länd­li­chen West Vir­gi­nia in ei­nem Su­per­markt. Li­man – wie in Doug Li­man, dem Re­gis­seur des Agen­ten­thril­lers „Die Bourne Iden­ti­tät“. Dar­in hat ein Mann die Erin- ne­rung an sein frü­he­res Le­ben ver­lo­ren, doch als Ja­son Bourne ent­deckt er sei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­chen Kampf­fä­hig­kei­ten wie­der. Auch der stän­dig be­kiff­te, an­triebs­lo­se Mi­ke, ge­spielt von ei­nem lang­haa­ri­gen Jes­se Ei­sen­berg („The So­ci­al Net­work“), kann sich an we­nig er­in­nern. Eher un­ge­wollt wird er zur Kil­ler­ma­schi­ne. Als er nachts vor dem Su­per­markt von zwei düs­te­ren Gestal­ten über­fal­len wird, streckt er die An­grei­fer mit hei­ßer Nu­del­sup­pe und ei­nem Plas­tik­löf­fel nie­der. „Ich ha­be gera­de zwei Ty­pen ge- killt“, ge­steht er sei­ner Freun­din am Te­le­fon. „Ich ha­be Angst­zu­stän­de des­we­gen, Ba­by.“

Da­mit ex­plo­diert „Ame­ri­can Ul­tra“in ein äu­ßerst schrä­ges Ac­tionSpek­ta­kel. Nach Qu­en­tin-Ta­ran­ti­no-Ma­nier spritzt li­ter­wei­se Blut und es rol­len Köp­fe. Mi­ke pafft sei­ne Jo­ints, wäh­rend ihm bis zum Hals be­waff­ne­te CIA-Trup­pen nach dem Le­ben trach­ten. Als „Freun­din, Mut­ter, Putz­frau und Ver­mie­te­rin“, wie der She­riff in dem Kaff zy­nisch be­merkt, ist Pho­ebe – ge­spielt von „Twi­light“-Star Kris­ten Ste­wart – die trei­ben­de Kraft in Mi­kes Le­ben. Bei­de ver­bin­det ei­ne mys­te­riö­se CIAVer­gan­gen­heit. „Ame­ri­can Ul­tra“ist 96 Mi­nu­ten fet­zi­ge, aber auch recht bru­ta­le Un­ter­hal­tung. Der bri­ti­sche Re­gis­seur Ni­ma Nou­riz­a­deh, der 2012 mit der Par­ty-Ko­mö­die „Pro­ject X“sein Spiel­film­de­büt gab, zeigt skur­ri­le Rand­fi­gu­ren. John Le­guiz­a­mo mimt ei­nen pa­ra­no­iden Dro­gen­dea­ler, der Mi­ke mit Stoff ver­sorgt. To­pher Gra­ce spielt ei­nen durch­trie­be­nen CIA-Boss. Walton Gogg­ins, der schon in Ta­ran­ti­nos „Djan­go Un­chai­ned“als Fies­ling zu- schlug, wird zum psy­cho­pa­thi­schen Kil­ler. Doch ge­gen Sto­ner-Mi­ke kommt kei­ner an. „Das war der alt­be­währ­te Brat­pfan­nentrick“, staunt er mit ver­quol­len Au­gen im Ku­gel­ha­gel mit er­ho­be­ner Pfan­ne als Schutz­schild. Die Mu­ni­ti­on prallt ab, der An­grei­fer tö­tet sich selbst. Erst im blu­ti­gen Fi­na­le wird’s dann so­gar ro­man­tisch. Al­ler­dings sa­hen Lie­ben­de sel­ten so schön fer­tig aus.

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