„The Tri­be“gro­ße Film­kunst aus der Ukrai­ne

Rheinische Post Goch - - KINO -

Dass die Men­schen ein­an­der auch oh­ne Not das Le­ben schwer ma­chen, dass auch in den Ge­mein­schaf­ten der Un­der­dogs kei­ne So­li­da­ri­tät herrscht, son­dern die Bru­ta­len und Kalt­schnäu­zi­gen ver­su­chen, die an­de­ren aus­zu­beu­ten und zu un­ter­drü­cken, ist Dau­er­the­ma im Ki­no. Dass der ukrai­ni­sche Film „The Tri­be“Kri­ti­ker rund um den Glo­bus zu Lo­bes­hym­nen hin­reißt, liegt al­so nicht am The­ma. Son­dern dar­an, wie frisch, ehr­lich, rück­sichts­los der Re­gis­seur Mi­rods­lav Sla­bosh­pits­ky die alt­ver­trau­ten Sze­nen und Mo­ti­ve zu gestal­ten und zu va­ri­ie­ren weiß. Der eher zu­rück­hal­ten­de Jun­ge Ser­gei (Gri­go­riy Fe­sen­ko) kommt hier in ein In­ter­nat für Taub­stum­me. Dort wird er so­fort von ei­ner Gang rau­er Ty­pen ge­mobbt, die Rü­cken­de­ckung im Lehr­kör­per ha­ben. Aber aus dem Ge­tre­te­nen wird ein Tre­ter. „The Tri­be“er­zählt von An­pas­sung und Ver­ro­hung. Ser­gei macht auch mit, wenn die Jungs als Zu­häl­ter zwei Mit­schü­le­rin­nen auf den Fern­fah­rer­park­platz brin­gen. Ob­wohl er ei­ne von ih­nen liebt. Das al­les hat we­der Un­ter­ti­tel noch ge­spro­che­ne Dia­lo­ge, wir se­hen nur die Ge­bär­den­spra­che, ver­ste­hen aber doch al­les. Je ru­hi­ger die Ka­me­ra hin­schaut, des­to grö­ßer die Wucht der Bil­der: die­ser Film nimmt ei­nen mit.

Tho­mas Klin­gen­mai­er

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