Tho­mas Tu­chel kehrt zu­rück

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

Noch im­mer herr­schen at­mo­sphä­ri­sche Stö­run­gen zwi­schen dem Trai­ner und sei­nem Ex-Ar­beit­ge­ber Mainz.

DORT­MUND/MAINZ Den ro­ten Tep­pich rol­len sie ihm wahr­schein­lich nicht aus. Das hat der Main­zer Prä­si­dent Harald Stutz vor­sichts­hal­ber be­reits ziem­lich deut­lich ge­macht. Heu­te kommt Tho­mas Tu­chel als Dort­mun­der Trai­ner an sei­ne al­te Wir­kungs­stät­te in Mainz zu­rück, und Stutz er­in­nert an sei­nen Ab­gang. „Das war schon grenz­wer­tig“, sagt der Prä­si­dent, „wir ha­ben un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen von Re­spekt.“Tu­chel war vor Ablauf sei­nes Ver­trags in ei­ner ei­gen­mäch­ti­gen Aus­le­gung sei­ner be­ruf­li­chen Pflicht vom Hof ge­huscht und hat­te ein Sab­bat­jahr ein­ge­legt.

An Tu­chels Ver­diens­te in Mainz hät­te Stutz auch er­in­nern kön­nen. Es lässt tief bli­cken, dass er sich das aus­drück­lich ver­kneift. Im­mer­hin war der dün­ne Mann aus Krum­bach in Schwa­ben der er­folg­reichs­te Coach der Main­zer Bun­des­li­ga-Ge­schich­te. In 170 Spie­len ge­wann er 239 Punk­te. Er mach­te aus der grau­en Maus ei­nen eta­blier­ten Erst­li­gis­ten, der im­mer wie­der auf die Eu­ro­pa-Rän­ge schie­len und sie ge­le­gent­lich so­gar am En­de ein­neh­men konn­te. Und er brach­te in den tem­pe­ra­ment­vol­len Spiel-Ent­wurf sei­nes Vor-Vor­gän­gers Jür­gen Klopp fuß­bal­le­ri­sche De­tails ein, die Mainz ein­fach bes­ser mach­ten. Ein Denk­mal set­zen sie ihm da­für nicht. Das wür­den die Main­zer für Klopp im­mer tun, denn er wird in der Stadt und im Ver­ein ver­ehrt, weil er den Men­schen nä­her kam.

Tu­chel, der in Dort­mund wie­der auf Klopp folgt, dies­mal un­mit­tel­bar, ist kei­ner für die Fans auf dem Steh­platz, ob­wohl er sich in sei­nen ers­ten Mo­na­ten beim BVB al­le Mü­he gab, die­se Tat­sa­che zu wi­der­le­gen. Pünkt­lich zum Trai­nings­la­ger hat­te er ein freund­li­ches Lä­cheln auf­ge­setzt, er be­geg­ne­te der sprich­wört­li­chen Dort­mun­der Fan­kul­tur mit Ta­lent, aber auch mit Of­fen­heit und Auf­rich­tig­keit. Das kam rich­tig gut an. Und vie­le sei­ner neu­en Weg­be­glei­ter rät­sel­ten, ob sich nicht ein Dop­pel­gän­ger des stets ein we­nig ge­nerv­ten und bes­ser­wis­se­ri­schen Fuß­ball-Pro­fes­sors aus Main­zer Ta­gen bei der Bo­rus­sia ein­ge­schli­chen ha­be.

Zur Be­ru­hi­gung der Skep­ti­ker hat Tu­chel in den zu­rück­lie­gen­den Wo­chen auch mal das an­de­re Ge­sicht her­vor­ge­kehrt, das die meis­ten von sei­nen öf­fent­li­chen Auf­trit­ten zu ken­nen glaub­ten. Sei­ne Mann­schaft ge­riet näm­lich nach ei­nem Bil­der­buch­start in al­len Wett­be­wer­ben ein we­nig von der Rol­le. Sie gab Punk­te ge­gen ei­nen ganz Klei­nen (Darm­stadt) und ei­nen ganz Gro­ßen (Bay­ern) ab. Vor al­lem die Art und Wei­se, wie die Münch­ner ih­ren viel­leicht ein­zi­gen ernst­haf­ten Ri­va­len beim 5:1 fi­le­tier­ten, mach­te aus Tu­chel den aus Funk und Fern­se­hen hin­läng­lich be­kann­ten Grant­ler. Auf un­an­ge­neh­me, viel­leicht pat­zi­ge Fra­gen gab er pat­zi­ge Ant­wor­ten. Und er hat­te er­kenn­bar gro­ße Mü­he, die schlech­te Lau­ne ei­ni­ger­ma­ßen zu ver­ber­gen.

Nach der Län­der­spiel­pau­se be­müht er sich, zur Form der ers­ten so er­folg­rei­chen Spiel­ta­ge zu­rück­zu­fin­den. Die Atta­cken aus Mainz re­gis­triert er mit ei­nem wei­sen Lä­cheln. Und er sagt der „Bild­zei­tung“: „Es ist kein un­gu­tes Ge­fühl für mich, zu­rück­zu­keh­ren. Es wird schon et­was Be­son­de­res wer­den.“Sei­ne Mann­schaft be­müht sich eben­falls, zu­rück in die Spur zu ge­lan­gen. Die Spie­ler ha­ben aus­gie­big die Wun­den nach dem Spit­zen­spiel in München ge­leckt. Und auch die Dis­kus­sio­nen um die Wort­bei­trä­ge von Ka­pi­tän Mats Hum­mels schei­nen be­en­det. Der Na­tio­nal­ver­tei­di­ger hat­te Män­gel im Ab­wehr­ver­hal­ten der ge­sam­ten Mann­schaft be­klagt. Das leg­ten ihm vie­le als un­an­ge­mes­se­ne öf­fent­li­che Kol­le­gen­schel­te aus. Hum­mels aber be­tont: „Ich ha­be nie­man­den per­sön­lich an­ge­grif­fen und mich ein­be­zo­gen in die Kri­tik.“

Das ge­lingt ihm al­ler­dings nicht im­mer zur all­sei­ti­gen Zuf­rie­den­heit. Zwei Tat­sa­chen be­wei­sen das. Zum ei­nen wur­de er von Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joa­chim Watz­ke zu ei­ner Aus­spra­che zi­tiert. Zum an­de­ren ist ihm auch die Au­f­ar­bei­tung des Ge­gen­tref­fers in der Län­der­spiel-Be­geg­nung von Du­blin mit den Iren nicht so rich­tig rund ge­ra­ten. Er tra­ge da schon ei­ne Schuld, „aber nicht al­lein“, be­teu­ert der In­nen­ver­tei­di­ger. Den Zu­satz hät­te es nicht ge­braucht.

Die mun­te­ren Ge­sprä­che über sei­ne Mei­nungs­freu­de ha­ben un­ter­des­sen so­gar den schein­bar so selbst­si­che­ren Spie­ler ein biss­chen ver­un­si­chert. Sei­ne Vor­stel­lun­gen in der Na­tio­nal­mann­schaft wa­ren je­den­falls nicht so sou­ve­rän, wie er sich selbst das wünscht. Es kann al­so nur bes­ser wer­den. Viel­leicht schon heu­te Abend.

FO­TO: IMAGO

Einst Traum­team, heu­te zer­strit­ten: Der Main­zer Prä­si­dent Harald Stutz (l.) und Trai­ner Tho­mas Tu­chel.

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