Raus aus der Ein­sam­keit

Rheinische Post Goch - - FERNSEHEN -

Em­ma fühlt sich al­lein. Be­kannt­schaf­ten sucht die Wit­we mit ei­nem kri­mi­nel­len Trick.

FRANKFURT (kna) Ein un­acht­sa­mer Blick ge­nügt, und schon ver­deckt Kas­sie­re­rin Em­ma (Dag­mar Man­zel) mit ei­ner Wer­be­bro­schü­re das Porte­mon­naie der Kun­den. Die räu­men ge­dan­ken­ver­lo­ren wei­ter ih­ren Ein­kauf ein und ge­hen nach Hau­se. We­nig spä­ter er­hal­ten sie ei­nen An­ruf von Em­ma, die vor­gibt, die Geld­bör­se ge­fun­den zu ha­ben. Sie hat die­sen un­ge­wöhn­li­chen Weg ge­wählt, um bei der Über­ga­be für ein paar Mi­nu­ten oder St­un­den der Ein­sam­keit ih­rer Wo­che­n­en­den zu entf lie­hen.

Selbst an ih­rem 51. Ge­burts­tag ist Em­ma al­lei­ne. Zur Toch­ter und de­ren Freund fin­det sie kei­nen Draht mehr, Freun­din­nen hat sie kei­ne, und die Kol­le­gen, für die sie je­der­zeit bei Ur­laub und Krank­heit ein­springt, ha­ben an die­sem Tag an­de­re Ter­mi­ne. In ih­rem Wunsch, Ge­sell­schaft, Freun­de und ei­nen neu­en Le­bens­part­ner zu fin­den, kam Em­ma auf die Idee mit den Porte­mon­naies. Als sie die Geld­bör­se ei­nes Ge­schäfts­manns un­ter­schlägt, wird sie vom Ob­dach­lo­sen Au­gust (Hen­ry Hüb­chen) be­ob­ach­tet. Der ver­rät sie nicht – auch nicht, als er selbst un­ter Ver­dacht ge­rät, in den Knast wan­dert und Haus­ver­bot im Su­per­markt er­hält. Denn auch er sucht Nä­he und steht über­ra­schend vor der Tür von Em­mas be­schei­de­ner Neu­bau­woh­nung im Ber­li­ner Kreuz­berg.

Bis da­hin funk­tio­niert der Film groß­ar­tig als Ge­schich­te über das Al­lein­sein und die Schwie­rig­kei­ten, sich ab ei­nem Al­ter von 50 Jah­ren auf ei­nen an­de­ren Men­schen ein­zu­las­sen. Und es funk­tio­niert, weil Dag­mar Man­zel gera­de die klei­nen Ve­rän­de­run­gen im Ge­müts­zu­stand Em­mas trans­pa­rent macht, die lang­sam wie­der auf­blüht. Auch Hüb­chen glänzt in sei­ner Rol­le – er gibt Au­gust ei­ne ty­pisch männ­li­che Be­zie­hungs­scheu.

Lei­der malt der Film ein we­nig zu dick das Bild des idea­lis­ti­schen Land­strei­chers, der frei­wil­lig auf ein Dach über den Kopf ver­zich­tet und mit sei­ner Gi­tar­re durch die Lan­de zieht – und ver­zerrt so die rea­len Pro­ble­me Ob­dach­lo­ser in der kal­ten Jah­res­zeit.

Zum Glück rückt der Film Em­ma wie­der in den Fo­kus, die lang­sam be­greift, dass sie ihr Glück in die ei­ge­nen Hän­de neh­men muss und es nicht nur von Be­zie­hun­gen ab­hängt.

„Be­such für Em­ma“, ARD, 20.15 Uhr

FO­TO: ARD

Zwei Stur­köp­fe: Kas­sie­re­rin Em­ma Bees­kow (Dag­mar Man­zel) und der Ob­dach­lo­se Au­gust von Zin­ner­berg (Hen­ry Hüb­chen) freun­den sich nach an­fäng­li­chen Schwie­rig­kei­ten an.

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