Al­les nur ge­kauft?

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE -

halb noch mal aus­drück­lich fest, dass we­der der DFB-Prä­si­dent noch die an­de­ren Mit­glie­der des Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees in der­ar­ti­ge Vor­gän­ge in­vol­viert sein oder da­von Kennt­nis ha­ben konn­ten.“Prä­si­dent des WM-Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees war da­mals Franz Be­cken­bau­er, Wolf­gang Niers­bach war ei­ner der Stell­ver­tre­ter.

Laut „Spie­gel“lieh der da­ma­li­ge Adi­das-Chef Ro­bert Lou­is-Drey­fus im Jahr 2000 dem Be­wer­bungs­ko­mi­tee 13 Mil­lio­nen Mark als Pri­vat­mann. Das Geld sei ein­ge­setzt wor­den, um die vier Stim­men der asia­ti­schen Ver­tre­ter im Fi­fa-Exe­ku­tiv­ko­mi­tee zu ge­win­nen. Zu­sam­men mit den eu­ro­päi­schen Ver­tre­tern war Deutsch­land bei der ent­schei­den­den Ab­stim­mung auf zwölf Stim­men ge­kom­men. Auf Mit­kon­kur­rent Süd­afri­ka ent­fie­len elf Stim­men. Der Neu­see­län­der Charles Demp­sey hat­te sich ent­hal­ten.

Lou­is-Drey­fus for­der­te laut „Spie­gel“das Geld ein­ein­halb Jah­re vor der WM zu­rück. Im April 2005 sei­en dar­auf­hin 6,7 Mil­lio­nen Eu­ro vom Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee an die Fi­fa ge­zahlt wor­den – an­geb­lich für ein Kul­tur­pro­gramm. Von dort sei es wei­ter an Lou­is-Drey­fus ge­gan­gen. Der starb 2009. Der DFB räum­te ein, die Zah­lung sei „mög­li­cher­wei­se nicht dem an­ge­ge­be­nen Zweck ent­spre­chend“ver­wen­det wor­den. Be­cken­bau­er ver­wei­ger­te ei­ne Stel- lung­nah­me. Die Fi­fa kün­dig­te ei­ne Un­ter­su­chung an: „Dies sind sehr schwe­re Be­schul­di­gun­gen.“

Wo­hin die Mil­lio­nen ge­flos­sen sind, ist laut DFB noch un­klar. Der Ver­band will prü­fen las­sen, ob er ge­ge­be­nen­falls An­sprü­che auf ei­ne Rück­for­de­rung hat. Von den drei noch le­ben­den asia­ti­schen Funk­tio­nä­ren ver­wei­ger­ten zwei Ver­tre­ter ei­ne Stel­lung­nah­me. Der Süd­ko­rea­ner Chung Mong Joon sag­te, die Fra­gen sei­en es nicht wert, be­ant­wor­tet zu wer­den. Chung wer­den auch Ver­stö­ße im Zu­sam­men­hang mit Süd­ko­reas Be­wer­bung um die Welt­meis­ter­schaft 2022 vor­ge­wor­fen.

Be­cken­bau­ers lang­jäh­ri­ger Ver­trau­ter Niers­bach war jüngst als Prä­si­dent des eu­ro­päi­schen Fuß­ball­ver­bands Ue­fa und so­gar als Chef des Welt­ver­bands ins Ge­spräch ge­bracht wor­den. Der ehe­ma­li­ge DFB-Prä­si­dent Theo Zwan­zi­ger hat den kom­plet­ten Rück­zug des Fi­fa-Exe­ku­tiv­ko­mi­tees ge­for­dert: „Die ver­blie­be­nen, nicht sus­pen­dier­ten Mit­glie­der müs­sen ge­schlos­sen zu­rück­tre­ten.“Da­zu zählt auch Niers­bach.

Oli­ver Key­mis, WDR-Rund­funk­rat und kul­tur­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen im Land­tag, for­dert als Re­ak­ti­on ei­ne so­for­ti­ge Über­prü­fung al­ler Ver­trä­ge von öf­fent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten in Deutsch­land mit den Fuß­ball­ver­bän­den. „Mit den ho­hen Mil­lio­nen­sum­men, die wir für die Über­tra­gungs­rech­te be­zah­len, ha­ben wir die Or­ga­ni­sa­tio­nen of­fen­bar zu stark auf­ge­bläht“, sag­te Key­mis. Er plä­diert da­für, die Rund­funk­aus­ga­ben für die Über­tra­gung von Fuß­ball­tur­nie­ren zu kap­pen. „Die öf­fent­lich­recht­li­chen Sen­der zah­len für die Über­tra­gungs­rech­te von Fuß­ball­welt­meis­ter­schaf­ten re­gel­mä­ßig drei­stel­li­ge Mil­lio­nen­sum­men. Das ist zu viel. Wir müs­sen ver­hin­dern, dass wir ne­ben dem Fuß­ball auch noch schwar­ze Kas­sen von Fuß­ball­funk­tio­nä­ren fi­nan­zie­ren.“

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