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Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - RP-KA­RI­KA­TUR: NIK EBERT

fürch­ten ver­mut­lich Aus­wir­kun­gen auf ih­re Ge­schäfts­be­zie­hun­gen.

Der Sport selbst ist mit der Au­f­ar­bei­tung der Vor­komm­nis­se kom­plett über­for­dert. Es gibt schlicht­weg der­zeit kein Kor­rek­tiv. Der Welt­fuß­ball­ver­band Fi­fa schei­det selbst­re­dend als hö­he­re In­stanz aus, weil man in Zü­rich viel zu sehr mit sich und zahl­rei­chen il­le­ga­len Ma­chen­schaf­ten be­schäf­tigt ist. Und auch die Ue­fa, der eu­ro­päi­sche Ab­le­ger, ist ver­strickt in al­ler­lei Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe. Die Glaub­wür­dig­keit ist längst da­hin.

Denn dass es bei der Ver­ga­be von in­ter­na­tio­na­len Tur­nie­ren nicht im­mer mit rech­ten Din­gen zu­geht, wird schon län­ger ver­mu­tet. Auch bei den Tur­nie­ren in Frank­reich (1998) und in Süd­afri­ka (2010) soll Schmier­geld ge­flos­sen sein. Eben­so ste­hen die kom­men­den Welt­meis­ter­schaf­ten in Russ­land (2018) und in Ka­tar (2022) un­ter Ver­dacht. Zu­letzt droh­te der obers­te An­stands­wäch­ter der Fi­fa, Do­me­ni­co Sca­la, noch im Ju­ni mit ei­ner Neu­ver­ga­be der Tur­nie­re 2018 und 2022: „Soll­ten Be­wei­se da­für vor­lie­gen, dass die Ver­ga­be nach Ka­tar und Russ­land nur dank ge­kauf­ter Stim­men zu­stan­de kam, dann könn­te die Ver­ga­be nich­tig sein“, so der Chef der Fi­fa-Com­p­li­an­ce-Kom­mis­si­on. Al­ler­dings füg­te ge­fal­len, weil er die Ver­gü­tungs­re­ge­lung des DFB für Niers­bach durch die Ethik­kom­mis­si­on der Fi­fa (er­folg­los) prü­fen ließ. Und weil er im­mer wie­der man­geln­de Trans­pa­renz in der Fi­fa und Kor­rup­ti­on an­ge­pran­gert hat. Wie­der­holt hat Zwan­zi­ger ge­for­dert, die Tur­nie­re 2018 und 2022 neu zu ver­ge­ben.

Am En­de war Zwan­zi­ger vor al­lem ei­nes – iso­liert. Ein­zig Fi­fa-Chef Blat­ter setz­te zu­letzt noch auf die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ju­ris­ten als Son­der­be­auf­trag­ten für den nur mä­ßig er­folg­rei­chen De­mo­kra­ti­sie­rungs­pro­zess und als mo­ra­lisch in­te­gre Stim­me zu den Men­schen­rechts­fra­gen im WMGast­ge­ber­land Ka­tar. „Vie­len Dank für ei­ne er­folg­rei­che, her­aus­ra­gen­de Ar­beit“, sag­te Blat­ter zu Zwan­zi­ger, als die­ser letzt­mals im März nach ei­ner Sit­zung des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees mit dem Schwei­zer vor die Pres­se trat. Der DFB hat­te Zwan­zi­ger längst fal­len­ge­las­sen nach ei­ner öf­fent­lich er­bit­tert aus­ge­tra­ge­nen Schlamm­schlacht. Zwan­zi­ger hat­te sei­nem Nach­fol­ger Wolf­gang Niers­bach die Vor­bild­rol­le ab­ge­spro­chen, weil der eh­ren­amt­li­che Funk­tio­när ei­ne DFB-Be­triebs­ren­te in an­geb­lich sechs­stel­li­ger Hö­he kas­siert. Die un­ter­schied­li­chen An­sich­ten führ­ten zum Bruch der lan­ge ge­pfleg­ten Män- Eu­ro um. Die WM in Süd­afri­ka vier Jah­re zu­vor brach­te drei Mil­li­ar­den ein. Nach Ab­zug al­ler Kos­ten blieb der Fi­fa aus der Bra­si­li­en-WM ein Ge­winn von statt­li­chen 1,6 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Nur ein klei­ner Teil der gi­gan­ti­schen WM-Um­sät­ze wan­dert von der Fi­fa an die na­tio­na­len Ver­bän­de. 425 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den als Prä­mi­en an die Teil­neh­mer­mann­schaf­ten aus­ge­schüt­tet – rund 25 Mil­lio­nen da­von an den Ti­tel­ge­win­ner. Rund 150 Mil­lio­nen Eu­ro er­hal­ten die Mit­glieds­ver­bän­de und ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag die Ver­ei­ne für die Ab­stel­lung von Na­tio­nal­spie­lern. Den Rest be­hält die Fi­fa. In wel­cher Hö­he ein Aus­tra­gungs­land von der Ver­ga­be der WM pro­fi­tiert, ist schwer zu be­rech­nen. Den teu­ren In­ves­ti­tio­nen in Sta­di­en, Stra­ßen und sons­ti­ge In­fra­struk­tur ste­hen die kaum be­re­chen­ba­ren Geld­ber­ge ge­gen­über, die das Heer der Fans im Land lässt. Und die In­fra­struk­tur hat ja auch nach dem Tur­nier noch ei­nen Wert. Wie auch im­mer man rech­net: Un­ter dem Strich gilt die Aus­tra­gung ei­nes Fuß­ball­tur­niers für je­den aus­tra­gen­den Staat als ge­wal­ti­ges Kon­junk­tur­pro­gramm.

Für Deutsch­land soll sich die WM aus­ge­zahlt ha­ben. Den volks­wirt­schaft­li­chen Wert der WM für die Jah­re 2000 bis 2015 hat die Uni­ver­si­tät Pa­der­born auf 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro hoch­ge­rech­net.

Im­mer­hin.

Der Sport ist mit der

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