Deutsch­land und sei­ne Fuß­ball-Skan­da­le

Rheinische Post Goch - - WM-SKANDAL -

Vom größ­ten Be­ste­chungs­skan­dal der Bun­des­li­ga-Ge­schich­te bis zur „Schan­de von Gi­jon“.

DÜSSELDORF (gw) Der deut­sche Fuß­ball hat vie­le Stern­stun­den er­lebt, aber auch dunk­le Mo­men­te. Wir er­in­nern an ei­ni­ge Skan­da­le: Be­ste­chungs­skan­dal Der 6. Ju­ni 1971 ist ein war­mer Früh­som­merSonn­tag. Ei­nen Tag vor­her ist die ach­te Sai­son der Fuß­ball-Bun­des­li­ga mit der Ti­tel­ver­tei­di­gung Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bachs zu En­de ge­gan­gen. Ki­ckers Of­fen­bach da­ge­gen muss ab­stei­gen. Das trübt die Freu­de von Ver­ein­sprä­si­dent Horst Gre­go­rio Ca­nellas an des­sen 50. Ge­burts­tag. Der Ab­stieg der Ki­ckers ist in­des ei­ne La­pa­lie ge­gen das, was Ca­nellas aus­packt: Ton­bän­der, aus de­nen her­vor­geht, dass im Bun­des­li­ga-Ab­stiegs­kampf mas­siv Spie­le ver­scho­ben wur­den. Spie­ler, Trai­ner und Funk­tio­nä­re, un­ter an­de­rem von Schal­ke 04, Her­tha BSC Berlin, Ar­mi­na Bielefeld und dem 1. FC Köln sind ver­wi­ckelt, es wer­den le­bens­lan­ge Sper­ren und Geld­stra­fen aus­ge­spro­chen, die Li­ga liegt vor­über­ge­hend am Bo­den.

IBe­ste­chungs­skan­dal II Im Zen­trum des Wettskan­dals von 2005 ste­hen un­ter an­de­rem die aus Kroa­ti­en stam­men­den Brü­der Sa­pi­na, die ho­he Sum­men auf den Aus­gang von Spie­len set­zen, und ihr Hand­lan­ger, der Schieds­rich­ter Ro­bert Hoy­zer. Der kas­siert mehr als 60.000 Eu­ro und ei­nen Fern­se­her da­für, dass er Spie­le ver­schiebt, un­ter an­de­rem den über­ra­schen­den Po­kal-Tri­umph des Au­ßen­sei­ters SC Pa­der­born über den Bun­des­li­gis­ten Ham­bur­ger SV. Hoy­zer wird zu ei­ner Haft- und Geld­stra­fe ver­ur­teilt, kommt aber nach ei­nem Jahr aus dem Ge­fäng­nis. An­te Sa­pi­na wur­de mehr­fach zu Haft­stra­fen ver­ur­teilt, zu­letzt im ver­gan­ge­nen Jahr. Koks-Af­fä­re „Ich tue dies, weil ich ein ab­so­lut rei­nes Ge­wis­sen ha­be“– ei­ner der Sät­ze, die in die deut­sche Fuß­ball-Ge­schich­te ein­gin­gen. Er stammt von Chris­toph Daum, der sich im Ok­to­ber 2000 frei­wil­lig ei­ner Haar­pro­be un­ter­zieht, – die sei­nen Ko­ka­in-Kon­sum be­weist. Daum ist zu die­sem Zeit­punkt schon als Trai­ner der Na­tio­nal­elf aus­ge­guckt, aber jetzt für den DFB na­tür­lich un­trag­bar ge­wor­den. Daum be­kennt sich ein Jahr spä­ter und kehrt auf die Trai­ner­bank zu­rück – aber die KoksAf­fä­re bleibt hän­gen. Schan­de von Gi­jon Die as­tu­ri­sche Ha­fen­stadt wird im Ju­ni 1982 zum Schau­platz ei­nes der größ­ten Skan­dal­spie­le der deut­schen WM-Ge­schich­te. Deutsch­land führt nach elf Mi­nu­ten 1:0 ge­gen Ös­ter­reich, da­nach pas­siert schlicht­weg nichts mehr, weil bei­den das Er­geb­nis fürs Wei­ter­kom­men reicht und sie des­halb ei­nen „Nicht­an­griffs­pakt“ge­schlos­sen ha­ben. Leid­tra­gen­der ist Al­ge­ri­en, das aus­schei­det. Deutsch­land wird zwar Vi­ze­welt­meis­ter, aber Gi­jon bleibt auf ewig ein Ma­kel.

FOTO: DPA

Ca­nellas (M.), Prä­si­dent der Ki­ckers Of­fen­bach, spielt die Ton­bän­der vor.

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