Was die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung für die Bür­ger be­deu­tet

Rheinische Post Goch - - POLITIK -

Nach­dem Uni­on und Tei­le der SPD das Ge­setz durchs Par­la­ment ge­bracht ha­ben, wer­den künf­tig wie­der al­le Te­le­fon­da­ten er­fasst.

BERLIN (jd) Der Bun­des­tag hat den Weg für ei­ne Rück­kehr zur Vor­rats­da­ten­spei­che­rung mit 404 Ja-Stim­men frei­ge­macht, es gab 148 Nein­Stim­men. Das bei Da­ten­schüt­zern, Op­po­si­ti­on und Tei­len der SPD um­strit­te­ne Ge­setz ver­langt von Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­tern, Ver­bin­dungs­da­ten zwi­schen­zu­spei­chern. Re­gie­rung und Er­mitt­lungs­be­hör­den er­hof­fen sich mehr Mög­lich­kei­ten im Kampf ge­gen Ver­bre­chen und Ter­ro­ris­mus. Hier die Ant­wor­ten auf die wich­tigs­ten Fra­gen. Ab wann gilt das Ge­setz? Der Bun­des­rat muss dem Ge­setz nicht zu­stim­men. Die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung tritt al­so in Kür­ze, am Tag nach der Ver­öf­fent­li­chung im Bun­des­ge­setz­blatt, in Kraft. Was wird ge­spei­chert, was nicht? Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter wie Te­le­kom, Vo­da­fo­ne oder Te­le­fó­ni­ca müs­sen so­ge­nann­te Ver­kehrs­da­ten von Te­le­fon­ge­sprä­chen zehn Wo­chen lang spei­chern. Da­zu zählt, wer wann mit wem wie lan­ge te­le­fo- niert hat. Auch der SMS-Ver­kehr wird ge­spei­chert, laut ei­nem Be­richt der „Süd­deut­schen Zei­tung“so­gar der In­halt der Kurznachrichten. Bei Mo­bil­funk­ge­sprä­chen wer­den die Stand­ort­da­ten der Han­dys er­fasst und vier Wo­chen lang ge­spei­chert. Hin­zu kom­men die IP-Adres­sen beim Sur­fen im In­ter­net. Nicht er­fasst wer­den die In­hal­te der In­ter­net­sei­ten, auch E-Mails sind ta­bu. Was ge­schieht mit den Da­ten, wie wer­den sie ge­nutzt? Auf Ser­vern in Deutsch­land wer­den die Da­ten ge­spei­chert und nach Ablauf der je­wei­li­gen Frist au­to­ma­tisch ge­löscht. Zu­griff auf die Da­ten er­hal­ten Er­mitt­ler nur dann, wenn ein Rich­ter dem zu­stimmt. Das darf er nach ei­ner sorg­fäl­ti­gen Ab­wä­gung und nur bei schwers­ten Ver­bre­chen wie ter­ro­ris­ti­schen Straf­ta­ten, Atta­cken ge­gen Leib, Le­ben und Frei­heit so­wie Se­xu­al­de­lik­ten. Zu­dem müs­sen die Be­trof­fe­nen vor­ab über den Zu­griff in­for­miert wer­den, nur in Aus­nah­men hin­ter­her. Wel­chen Nut­zen ver­spre­chen sich die Be­für­wor­ter? Die Uni­on so­wie Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­b­ri­el und Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) er­hof­fen sich ge­mein­sam mit den Strafer­mitt­lungs­be­hör­den bei der Ver­bre­chens­be­kämp­fung schnel­le­ren und ge­ziel­te­ren Zu­griff auf die Tä­ter. Nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Pa­ris war die Dis­kus­si­on wie­der auf­ge­flammt. Das Kernar­gu­ment: Man will nichts un­ver­sucht las­sen, da­mit so et­was in Deutsch­land nicht pas­siert. Was sa­gen die Geg­ner? Da­ten­schüt­zer, Ver­bän­de, Grü­ne, Lin­ke und vie­le in der SPD hal­ten die Mas­sen­über­wa­chung für un­ver­hält­nis­mä­ßig. Zu­dem sei ihr Nut­zen nicht be­wie­sen; sie hel­fe auch nicht bei der Ver­bre­chens­vor­beu­gung. Wird es Kla­gen ge­ben? Ja, das ist si­cher. Meh­re­re Grup­pen ha­ben Be­schwer­de beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an­ge­kün­digt. Erst 2010 hat­ten die Rich­ter ein al­tes Da­ten­spei­cher­ge­setz ge­kippt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.