Jä­ger dür­fen Kat­zen im Fund­bü­ro ab­ge­ben

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON THORS­TEN BREITKOPF

ASCHE­BERG/MÜNS­TER Die Fund­bü­ros der Städ­te und Ge­mein­den in Nord­rhein-West­fa­len müs­sen von Jä­gern auf­ge­nom­me­ne streu­nen­de Kat­zen an­neh­men. Das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter jetzt in ei­nem Mus­ter­pro­zess ent­schie­den (Az. 1 L 1290/15). Ein Jagd­auf­se­her hat­te mit Un­ter­stüt­zung des Lan­des­jagd­ver­ban­des (LJV) den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung ge­gen die Ge­mein­de Asche­berg im Kreis Coes­feld erstrit­ten. Das Fund­bü­ro der Kom­mu­ne hat­te sich ge­wei­gert, zwei von dem Jä­ger ge­fan­ge­ne Kat­zen an­zu­neh­men. Nach Fest­stel­lung des Ge­richts muss die Ge­mein­de die ge­fan­ge­ne Haus­kat­ze jetzt vor­läu­fig als „Fund­kat­ze“in Ver­wah­rung neh­men und die Ver­fah­rens­kos­ten tra­gen.

Der Jagd­auf­se­her hat­te die Kat­zen in ei­ner so ge­nann­ten Le­bend­fal­le, die zum Fang von Füch­sen und Wasch­bä­ren in sei­nem Re­vier auf­ge­stellt war, ge­fun­den und dann ver­sucht, das Tier beim Asche­ber­ger Fund­bü­ro ab­zu­ge­ben. Nach der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­rich­tes Müns­ter sei die Ver­wah­rungs­pflicht für Fund­sa­chen ei­ne öf­fent­lich-recht­li­che Auf­ga­be der Ge­mein­de des je­wei­li­gen Fund­or­tes. Ges­tern soll­ten die Kat­zen dem ört­li­chen Tier­schutz­ver­ein über­ge­ben wer­den. Doch die bei­den Tie­re ent­wisch­ten wie­der bei der Über­ga­be.

Hin­ter­grund die­ses Rechts­streits ist ein Kon­flikt zwi­schen Jä­gern und dem Um­welt­mi­nis­te­ri­um über den Um­gang mit streu­nen­den Haus­tie­ren. Seit Ein­füh­rung des neu­en Jagd­ge­set­zes in NRW ist es Jä­gern ver­bo­ten, Kat­zen, auch wenn die­se wil­dern, zu schie­ßen. Zu­vor war der Ab­schuss er­laubt, wenn sich die wil­dern­de Kat­ze 500 Me­ter vom nächs­ten be­wohn­ten Haus ent­fernt hat­te.

Die Jä­ger se­hen in streu­nen­den und wil­dern­den Kat­zen ei­ne Be­dro­hung des Wil­des, ins­be­son­de­re Sor­gen sie sich um sel­te­ne auf dem Bo­den brü­ten­de Vo­gel­ar­ten, de­ren Nester von den Kat­zen ge­plün­dert wür­den. „Von Jä­gern, Tier- und Na­tur­schüt­zern ge­for­der­te lan­des­wei­te Chip-, Re­gis­trie­rungs- und Kastra­ti­ons­pro­gram­me zur Ab­mil­de­rung des Kat­zen­pro­blems wur­den vom zu­stän­di­gen NRW-Um­welt­mi­nis­te­ri­um im­mer noch nicht an­ge­gan­gen“, sag­te LJV-Jus­ti­zi­ar Han­sJür­gen Thies.

Die Ge­mein­de Asche­berg hat nun zwei Wo­chen Zeit, ge­gen das Ur­teil in Be­ru­fung zu ge­hen. Ge­ge­be­nen­falls wird der Städ­te- und Ge­mein­de­bund um Hil­fe ge­be­ten.

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