Ent­spann­tes Es­sen für El­tern mit Kind

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON CAROLIN SKIBA

In Köln hat das ers­te Fa­mi­li­en­re­stau­rant er­öff­net, in dem Kin­der 600 Qua­drat­me­ter Platz zum Spie­len ha­ben, wäh­rend die El­tern be­kocht wer­den. Es ist ei­ne Fort­set­zung der vie­len El­tern-Ca­fés, die im gan­zen Land boo­men.

KÖLN Ein sechs Me­ter ho­her Kühl­schrank zum Klet­tern, ein über­di­men­sio­nier­ter Stroh­halm, durch den man hin­durch rut­schen kann und 600 Qua­drat­me­ter Platz zum To­ben – klingt nach ei­nem gut aus­ge­stat­te­ten In­door-Spiel­platz, ist aber Teil ei­nes neu­en Re­stau­rant­kon­zep­tes, das im Ju­ni in Köln-Jun­kers­dorf um­ge­setzt wur­de. Die Idee: El­tern sit­zen ge­müt­lich mit Freun­den beim Es­sen und ih­re Kin­der kön­nen sich in der Zeit auf der Spiel­flä­che be­schäf­ti­gen. „Die El­tern müs­sen nicht gleich nach dem Es­sen nach Hau­se, weil der Nach­wuchs quen­gelt“, er­klärt der Ge­schäfts­füh­rer des „The Kid­chen“, Jo­chen Ber­ger. Ne­ben dem Spiel­an­ge­bot ist auch die Kü­che auf die Be­dürf­nis­se der klei­nen Gäs­te ein­ge­stellt. Die Prei­se sind we­ni­ger fa­mi­li­en­freund­lich, der Sonn­tags­brunch kos­tet für Er­wach­se­ne 26,80 Eu­ro, für Kin­der von eins bis drei Jah­ren sechs Eu­ro, von drei bis 14 Jah­ren zwölf Eu­ro. Da­für be­rei­tet ein ehe­ma­li­ger Ster­ne­koch die Ge­rich­te aus re­gio­na­len Zu­ta­ten zu. Die Idee kommt an: „An den Wo­che­n­en­den wer­den wir über­rannt“, sagt er.

Die Idee da­zu wur­de „aus der ei­ge­nen Not her­aus ge­bo­ren“, wie der Neu-Gas­tro­nom er­zählt, der ei­gent­lich aus der IT-Bran­che kommt. Er selbst ist Va­ter von zwei Kin­dern, kennt die Bli­cke, mit de­nen man oft be­dacht wird, be­sucht man mit dem Nach­wuchs ein „nor­ma­les“Re­stau­rant. In sei­ner Art bis­her ein­zig­ar­tig in NRW, ist das Fa­mi­li­en­re­stau­rant aber nur ei­ne lo­gi­sche Wei­ter­dre­he der zahl­rei­chen Mut­ter-Kind-Ca­fés, die zur­zeit al­ler­orts zu fin­den sind.

Die Be­weg­grün­de, ein sol­ches Ca­fé oder Re­stau­rant zu er­öff­nen, sind im­mer die glei­chen: Der Be­darf ist da. Das sagt auch Ye­ter Yil­diz (38), die in Es­sen-Rüt­ten­scheid das El­tern-Kind-Ca­fé „An­na & Ku- ckuck“führt. Zu­sätz­lich zum Ca­fé gibt es ei­nen in­te­grier­ten Shop mit Kin­der­klei­dung. Auch sonst ist bei ihr al­les auf Er­wach­se­ne mit Kind aus­ge­legt – es gibt ei­ne Spiel­land­schaft, ei­ne Mi­kro­wel­le, in der mit­ge­brach­te Ba­by­nah­rung warm ge­macht wer­den kann und am Ein­gang müs­sen die Stra­ßen­schu­he ge­gen Baum­woll-Slip­per ge­tauscht wer­den, da­mit der Bo­den für die Kr­ab­bel­kin­der so sau­ber wie mög­lich ge­hal­ten wird. Vor­mit­tags und nach­mit­tags ist es be­son­ders voll, dann kann man manch­mal sein ei­ge­nes Wort kaum ver­ste­hen. Auch im Köl­ner Fa­mi­li­en­re­stau­rant geht es schon mal lau­ter zu. „Frü­her hat man sich zu Hau­se ge­trof­fen und selbst ei­nen Ku­chen ge­ba­cken, dar­auf ha­ben die meis­ten aber kei­ne Lust, weil das mit viel Ar­beit ver­bun­den ist“, sagt sie. Und die Tref­fen mit Freun­din­nen oder die Ge­müt­lich­keit, im Ca­fé zu sit­zen, möch­te kei­ner auf­ge­ben, nur weil er ein Kind hat, meint die 38-Jäh­ri­ge, die sich so den Boom der El­tern-Kin­dCa­fés er­klärt. Gäs­te oh­ne Kin­der kä­men aber sel­ten. „Meis­tens nur als Be­glei­tung“, sagt Yil­diz. Auch Ber­ger sagt: „80 Pro­zent sind Fa­mi­li­en. Die an­de­ren Gäs­te wer­den schon ein biss­chen ab­ge­schreckt von un­se­rem Kon­zept, bei dem ja klar die Fa­mi­li­en im Fo­kus ste­hen.“

Die ste­hen auch im Düs­sel­dor­fer „Fried­rich Ca­fé“von Kat­ja Heu­ser im Mit­tel­punkt. Auch sie hat vor ei­nem Jahr ei­nen La­den er­öff­net, der auf die Be­dürf­nis­se von Kin­dern ab­ge­stimmt ist. „Die Idee ist lan­ge ge­reift, ich ha­be im­mer über­legt, was ein sol­ches Ca­fé ha­ben müss­te“, er­zählt sie. Al­ler­dings ge­be es hier auch ei­ne klei­ne Run­de von Stamm­kun­den oh­ne Kin­der, sagt die 43Jäh­ri­ge. Der Fo­kus lie­ge aber ganz klar auf den Klei­nen. Vom Ba­bytreff über Mu­sik für die Kleins­ten bis zur In­fo über Ho­möo­pa­thie für Kin­der, das An­ge­bot ist viel­fäl­tig. Wie die meis­ten, ist auch ihr La­den aus dem ei­ge­nen An­trieb ent­stan­den – ei­nen Ort zu schaf­fen, an dem El­tern in Ge­sell­schaft Gleich­ge­sinn­ter ent­span­nen kön­nen.

FOTO: MICHA­EL BAU­SE

Im Köl­ner Re­stau­rant „The Kid­chen“kön­nen Kin­der mit über­di­men­sio­na­len Le­go­stei­nen spie­len, in ei­nem sechs Me­ter ho­hen Kühl­schrank her­um­klet­tern und vie­les mehr. Al­les, da­mit El­tern auch mal ei­nen halb­wegs un­ge­stör­ten Re­stau­rant-Be­such ver­le­ben kön­nen.

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