Kraft­fahrt­bun­des­amt hilft bei Rück­ruf

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON JAN DREBES, THO­MAS REISENER UND REIN­HARD KOWALEWSKY

Nach­dem ver­kün­det wur­de, dass 2,4 Mil­lio­nen VW-Die­sel um­ge­rüs­tet wer­den müs­sen, war­nen Ex­per­ten vor lan­gen War­te­zei­ten. Au­tos, die nicht um­ge­rüs­tet wer­den, droht die Still­le­gung. Der Staat gibt Hal­ter-Adres­sen an VW.

BERLIN/DÜSSELDORF 2,4 Mil­lio­nen in Deutsch­land fah­ren­de VW-Die­sel müs­sen be­kann­ter­ma­ßen we­gen ma­ni­pu­lier­ter Die­sel-Mo­to­ren nächs­tes Jahr um­ge­rüs­tet wer­den – die größ­te Re­pa­ra­turak­ti­on in der deut­schen Autogeschichte. Wir be­ant­wor­ten Fra­gen zu der Ak­ti­on. Was droht Au­to­hal­tern, die ih­ren Wa­gen nicht um­rüs­ten las­sen? Der Hal­ter ist per Ge­setz ver­pflich­tet, sei­nen Wa­gen in die Werk­statt zu brin­gen. Sucht er kein Au­to­haus auf und lässt die il­le­ga­le Soft­ware oder not­wen­di­ge Tei­le nicht aus­tau­schen, ver­liert das Fahr­zeug auf Dau­er die Be­triebs­ge­neh­mi­gung. Wann und wie das ge­nau ge­schieht, ließ das Kraft­fahrt­bun­des­amt aber ges­tern noch of­fen. Was ge­schieht mit ge­braucht ge­kauf­ten Wa­gen? Das Ver­fah­ren bei den Erst­be­sit­zern der vom „Die­sel- ga­te“be­trof­fe­nen Fah­zeu­ge ist ge­klärt: Sie wer­den von VW an­ge­schrie­ben und müs­sen ih­re Fahr­zeu­ge um­rüs­ten las­sen. Hal­ter, die ein be­trof­fe­nes Fahr­zeug von ei­ner an­de­ren Pri­vat­per­son ge­braucht ge­kauft ha­ben, wird das Kraft­fahrt­bun­des­amt er­mit­teln und de­ren Adres­sen dann an VW über­ge­ben. „Auch wer ein be­trof­fe­nes Fahr­zeug ge­braucht von pri­va­ter Hand ge­kauft hat, kann ab­war­ten, bis er an­ge­schrie­ben wird“, so ei­ne ADACSpre­che­rin. Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che an den Pri­vat­ver­käu­fer hat der Zweit­be­sit­zer aber nicht. „Denk­bar sind al­len­falls An­sprü­che an den Her­stel­ler, et­wa in Be­zug auf die Über­nah­me der Kos­ten der Um­rüs­tung. Aber die wer­den ja oh­ne­hin über­nom­men“, so die Ex­per­tin. Wor­auf müs­sen Wei­ter­ver­käu­fer ach­ten? Wer jetzt ein be­trof­fe­nes Fahr­zeug wei­ter­ver­kau­fen will, soll­te zur Si­cher­heit im Kauf­ver­trag auf die Be­son­der­heit hin­wei­sen. „Es ist zwar un­wahr­schein­lich, dass es wirk­lich ei­ne ju­ris­ti­sche Hin­weis­pflicht gibt, weil das The­ma in­zwi­schen als all­ge­mein be­kannt an­ge­nom­men wer­den kann. Aber si­cher ist si­cher“, so der ADAC.

Zu lan­ge soll­ten aber auch Kun­den, die ei­nen Ge­braucht­wa­gen mit der Schum­mel­soft­ware von ei­nem Händ­ler ge­kauft ha­ben, nicht war­ten. Da­zu der Au­to­mo­bil­club von Deutsch­land (AvD): „Da ein sol­cher An­spruch dem Kauf­ver­trags­recht zu­zu­ord­nen ist, sind auch Fris­ten zu be­ach­ten: Gel­tend­ma­chung in­ner­halb von zwei Jah­ren bei neu­en und ein Jahr bei ge­brauch­ten Kfz.“ Wird es Eng­päs­se bei den Werk­stät­ten ge­ben? Das ist zu be­fürch­ten. Nach VW-An­ga­ben gibt es bun­des­weit 2173 Volks­wa­gen-Part­ner, die für den Rück­ruf au­to­ri­siert sind. Da­mit er­ge­ben sich mit den rund 2,4 Mil­lio­nen zu­rück­ge­ru­fe­nen Die­seln 1100 Fahr­zeu­ge pro Werk­statt. Bran­chen-In­si­der ge­hen von durch­schnitt­lich min­des­tens 90 Mi­nu­ten Ar­beits­zeit pro be­trof­fe­nem Wa­gen aus. Da­mit er­ge­ben sich gut 200 Ar­beits­ta­ge nur für den Rück­ruf in ei­ner Werk­statt. Je nach Per­so­nal­schlüs­sel und Ka­pa­zi­tä­ten bräuch­te al­so je­der Ser­vice­part­ner von Volks­wa­gen et­li­che Wo­chen für die Ak­ti­on. „Das muss aber ne­ben dem nor­ma­len Ta­ges­ge­schäft ge­wuppt wer­den“, gibt ein Ex­per­te zu be­den­ken. Da­mit sei­en lan­ge War­te­zei­ten ab­seh­bar. Sind Grup­pen­kla­gen ge­gen den Kon­zern zu er­war­ten? Die Grü­nen ver­lan­gen sol­che Kla­gen schon jetzt. „Wir for­dern die Ein­füh­rung ei­nes Grup­pen­ver­fah­rens, bei dem sich Ge­schä­dig­te vor Ge­richt zu­sam­men­schlie­ßen kön­nen, um ih­re Scha­den­er­satz­an­sprü­che ge­mein­sam durch­zu­set­zen“, er­klärt Ni­co­le Ma­isch, Spre­che­rin für Ver­brau­cher­po­li­tik der Par­tei im Bun­des­tag. Sie fährt fort: „Das spart Gut­ach­ter­und An­walts­kos­ten und er­mu­tigt die Ver­brau­cher, ihr gu­tes Recht auch ge­gen ein Groß­un­ter­neh­men zu er­kämp­fen.“

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