Pro­zess um den Base­ball­schlä­ger-Mord

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON DIE­TER DOR­MANN

Ei­ne 37-jäh­ri­ge Frau so­wie zwei Män­ner (37 und 47 Jah­re) sind vor dem Kle­ver Land­ge­richt an­ge­klagt, ei­nen 31-Jäh­ri­gen ge­mein­schaft­lich er­schla­gen zu ha­ben. Der ers­te Ver­hand­lungs­tag be­ginnt am kom­men­den Mon­tag um 9 Uhr.

KLE­VE/KALKAR Nor­ma­ler­wei­se geht es in Wis­sel­ward – das sind ei­ni­ge Hekt­ar Grün- und Acker­land am Rhein zwi­schen den Kal­ka­rer Ort­schaf­ten Wis­sel, Hön­ne­pel und Grieth, auf de­nen in we­ni­gen Häu­sern und Hö­fen we­ni­ge Men­schen le­ben – länd­lich-ru­hig zu. Um so mehr Ent­set­zen lös­te ein Ver­bre­chen der bru­tals­ten Art aus, das sich dort in ei­nem Back­stein­haus an der Grie­ther Stra­ße 137 im Sep­tem­ber 2014 er­eig­net hat­te.

Ers­te De­tails der Tat ka­men am Sams­tag, 11. Ja­nu­ar, die­ses Jah­res ans Licht der Öf­fent­lich­keit: Da­mals fah­ren Po­li­zei­wa­gen an der Grie­ther Stra­ße 137 vor. Die Be­am­ten neh­men die zu die­sem Zeit­punkt 36 Jah­re al­te Mie­te­rin des Hau­ses, de­ren da­mals 48-jäh­ri­gen Ehe­mann, ei­nen Bedburg-Hauer ( da­mals 36) und ei­nen Kle­ver (da­mals 46) fest – we­gen des Ver­dach­tes Marc M. (31) ge­mein­schaft­lich er­mor­det zu ha­ben. Mit ei­nem Bag­ger su­chen die Fahn­der im Gar­ten des Hau­ses nach der Lei­che des 31-Jäh­ri­gen – und fin­den sie.

Kom­men­den Mon­tag um 9 Uhr be­ginnt im Saal A 105 der Pro­zess we­gen ge­mein­schaft­li­chen Mor­des ge­gen die in­zwi­schen 37-Jäh­ri­ge da­ma­li­ge Mie­te­rin, den nun 37 Jah­re al­ten Bedburg-Hauer und den 47Jäh­ri­gen aus Kle­ve. Ver­han­delt wird der Fall vor der 4. Straf­kam­mer des Schwur­ge­rich­tes am Land­ge­richt Kle­ve. Vor­sit­zen­der Rich­ter ist Nor­bert Sche­y­da. Die Er­mitt­lun­gen der An­kla­ge­ver­tre­tung hat­te Staats­an­walt Ni­co Kalb als De­zer­nent für Ka- pi­tal­ver­bre­chen ge­lei­tet. Er ver­fass­te auch die An­kla­ge­schrift. Doch da der ge­bür­ti­ge Hes­se, der seit 2010 schwers­te Ver­bre­chen in Kle­ve und Em­me­rich zur An­kla­ge ge­bracht hat, aus pri­va­ten Grün­den im kom­men­den Mo­nat zu­rück in sei­ne Hei­mat nach Darm­stadt ver­setzt wird, über­nimmt in dem Mon­tag be­gin­nen­den Pro­zess am Land­ge­richt Kle­ve Staats­an­walt Hen­drik Tim­mer die Rol­le des An­klä­gers.

Hen­drik Tim­mer ist kein un­be­schrie­be­nes Blatt in ju­ris­ti­schen Krei­sen – und dar­über hin­aus. Der Staats­an­walt, des­sen Spe­zi­al­ge­biet die Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät ist, hat be­reits mit ei­ni­gen Fäl­len Schlag­zei­len ge­macht. Die wohl größ­te Be- kannt­heit er­reich­te der Kle­ver mit dem „Fun-Gar­den“-Pro­zess. In dem Ver­fah­ren ge­gen Bor­dell­be­trei­ber aus Em­me­rich rich­te­te er das Au­gen­merk sei­ner Er­mitt­lun­gen nicht nur auf Zwangs­pro­sti­tu­ti­on und Men­schen­han­del, son­dern auch auf die Hin­ter­zie­hung von Steu­er­gel­dern und So­zi­al­ab­ga­ben. Des­halb war schon der Chi­ca­go­er Gangs­ter­Boss Al Ca­po­ne in den 1920er hin­ter Git­ter ge­bracht wor­den. Fast ein Jahr­hun­dert spä­ter war auch Hen­drik Tim­mer mit dem „Trick“er­folg­reich. Das Ge­richt ver­ur­teil­te den Haupt­an­ge­klag­ten we­gen Hin­ter­zie­hung von 4,1 Mil­lio­nen Eu­ro zu fünf Jah­ren und neun Mo­na­ten Haft. Über die Tim­mer-Tak­tik be­rich­te­ten über­re­gio­na­le Zei­tun­gen. Der Ju­rist hält in­zwi­schen Vor­trä­ge über sei­nen Er­mitt­lungs­an­satz im Rot­licht-Mi­lieu – un­ter an­de­rem beim Bun­des­kri­mi­nal­amt.

Ein­deu­ti­ger als im Em­me­ri­cher Rot­licht-Fall scheint die Be­weis­la­ge im Fall des ge­mein­schaft­li­chen Mor­des in Wis­sel­ward zu sein. Den Er­mitt­lun­gen der Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft zu­fol­ge sol­len die 37-jäh­ri­ge An­ge­klag­te und ihr Ehe­mann in ih­rem Haus an der Grie­ther Stra­ße 137 über län­ge­re Zeit das spä­te­re, zu­vor ob­dach­lo­se, Ta­top­fer als Un­ter­mie­ter be­her­bergt ha­ben. Zu die­sem soll die An­ge­klag­te im Lau­fe der Zeit ein in­ti­mes Ver­hält­nis, das auch von Ge­walt ge­prägt ge­we­sen sein soll, un­ter­hal­ten ha­ben. Als die Ver­mie­te­rin im Au­gust 2014 die bei­den an­de­ren An­ge­klag­ten ken­nen lern­te, hat sie laut den Er­mitt­lun­gen mit dem 37-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten ein neu­es in­ti­mes Ver­hält­nis be­gon­nen. Da das spä­te­re Ta­top­fer der neu­en Be­zie­hung im We­ge ge­stan­den ha­be, soll die Frau spä­tes­tens Mit­te Sep­tem­ber 2014 be­schlos­sen ha­ben, dass die­ser „weg müss­te“.

Um die bei­den an­de­ren An­ge­klag­ten da­zu zu be­we­gen, die Tö­tung mit ihr durch­zu­füh­ren, soll die 37Jäh­ri­ge den bei­den Be­kann­ten Mit­te Sep­tem­ber 2014 be­rich­tet ha­ben, sie sei seit Jah­ren von dem spä­te­ren Ta­top­fer miss­han­delt und ver­ge­wal­tigt wor­den. Am Abend des 14. Sep­tem­bers 2014 wa­ren laut der An­kla­ge­schrift die drei An­ge­klag­ten in dem Haus Grie­ther Stra­ße 137. Als das Ta­top­fer aus sei­nem Zim­mer ge-

Staats­an­walt Tim­mer hat be­reits mit ei­nem

„Rot­licht“-Pro­zess Schlag­zei­len ge­macht

tre­ten sei, ha­be der 37-jäh­ri­ge An­ge­klag­te der ge­mein­sa­men Ab­spra­che ent­spre­chend, un­mit­tel­bar mit ei­nem Base­ball­schlä­ger ge­zielt und un­ver­se­hens so­wie mit er­heb­li­cher Wucht un­ter an­de­rem in des­sen Ge­sicht – auch noch als die­ser be­reits am Bo­den lag – ge­schla­gen ha­ben, um ihn zu tö­ten.

An­schlie­ßend soll der aus dem Nach­bar­zim­mer hin­zu­ge­kom­me­ne 47-jäh­ri­gen An­ge­klag­te dem am Bo­den lie­gen­den Ta­top­fer ei­nen mit der­art gro­ßer Wucht ge­führ­ten Schlag ge­gen den Kopf ver­setzt ha­ben, dass der Base­ball­schlä­ger ab­brach. Im An­schluss – so heißt es in der An­kla­ge – hät­ten die Män­ner das be­wusst­lo­se und aus Oh­ren, Na­se und Mund blu­ten­de Ta­top­fer mit ei- nem Staub­sau­ger­ka­bel die Ar­me und Fü­ße auf den Rü­cken ge­fes­selt und es lie­gen las­sen. Marc C. sei dann kur­ze Zeit dar­auf ge­stor­ben.

Die An­ge­klag­te, die das Ge­sche­hen von ei­nem Trep­pen­ab­satz be­ob­ach­tet ha­ben soll, ha­be – nach­dem sie die bei­den an­de­ren An­ge­klag­ten nach Hau­se ge­bracht hat­te und nach Rück­kehr noch rö­cheln­de Ge­räu­sche des Ge­tö­te­ten ver­nahm – noch mehr­fach auf den Kopf des Ta­top­fers ein­ge­tre­ten, um den Ster­be­vor­gang zu be­schleu­ni­gen.

In ih­ren Ver­neh­mun­gen bei der Po­li­zei ha­ben sich die An­ge­klag­ten teil­wei­se be­reits ge­stän­dig ein­ge­las­sen. Zu der Haupt­ver­hand­lung sind zahl­rei­che Zeu­gen so­wie zwei Sach­ver­stän­di­ge ge­la­den.

Mit ei­nem Schau­fel­bag­ger lie­ßen Kri­mi­nal­be­am­te am 11. Ja­nu­ar 2015 im Gar­ten des Hau­ses Grie­ther Stra­ße 137 nach der Lei­che von Marc M. su­chen – er­folg­reich.

RP-ARCHIVFOTOS (2): AST

In die­sem Haus in Kalkar-Wis­sel­ward sol­len laut Staats­an­walt­schaft im Sep­tem­ber 2014 die drei nun An­ge­klag­ten ei­nen bru­ta­len Mord ver­übt ha­ben.

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