Der „Meis­ter­bür­ger“: Traum­be­ruf in Bil­dern

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST – SCHWERPUNKT - VON JÜR­GEN LOO­SEN

Wenn Theo Brau­er am Di­ens­tag mit Tri­umph­zug, Zap­fen­streich und Fest­akt nach elf Jah­ren aus sei­nem Traum­be­ruf als Kle­ver Bür­ger­meis­ter ver­ab­schie­det wird, geht ei­ne Ära zu En­de. Der „Meis­ter­bür­ger“hält es ab Mitt­woch mit dem Hit von Udo Jür­gens: „Mit 66 Jah­ren, da fängt das Le­ben an“.

KLE­VE „Ich le­be Kle­ve“: Der sonst so wort­ge­wal­ti­ge ge­lern­te Päd­ago­ge braucht nur die­se drei Wor­te, um sei­ne Ar­beit als Kle­ver „Meis­ter­bür­ger“zu cha­rak­te­ri­sie­ren. „Ich ar­bei­te 36 St­un­den am Tag für die­se Stadt“, heißt ein wei­te­rer ger­ne zi­tier­ter Satz des Nach­fol­gers von Jo­sef Jo­e­ken, der im Jahr 2004 mit dem Slo­gan „Nah am Men­schen“in der Stich­wahl zum Ers­ten Bür­ger ge­wählt wur­de und 2009 mit 54,2 Pro­zent ei­ne un­an­ge­foch­te­ne Ti­tel­ver­tei­di­gung hin­leg­te. Es gibt vie­le Bei­na­men für den Mann, der im­mer mit Herz­blut bei der Sa­che war, wie selbst po­li­ti­sche Geg­ner frank und frei zu­ge­ben: Brau­er ist ein Volks­tri­bun, ein Men­schen­fän­ger, ein be­gna­de­ter Red­ner, ein Ma­cher, ein po­li­ti­scher Fuchs.

Eng ver­knüpft mit sei­nen mehr als 4000 Ta­gen an der Spit­ze der Stadt­ver­wal­tung ist näm­lich die his­to­ri­sche Tat­sa­che, dass der ei­gent­lich wasch­ech­te CDU-Mann nach der Kom­mu­nal­wahl 2004 mit sei­nem bünd­nis­grü­nen Ge­gen­spie­ler und Freund Dr. Ar­tur Le­en­ders zu den „Ar­chi­tek­ten“der bis heu­te sta­bi­len schwarz-grü­nen „Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on“wur­de. Die­se sei­ner­zeit in Deutsch­land bei­na­he ein­zig­ar­ti­ge po­li­ti­sche Far­ben­kom­bi­na­ti­on funk­tio­nier­te fünf Jah­re lang so gut, dass 2009 bei­de Part­ner oh­ne je­de Not schon vor der Wahl er­klär­ten, die Ko­ali­ti­on fort­set­zen zu wol­len, un­ab­hän­gig vom Re­sul­tat. Wie es oh­ne die bei­den „Ur­vä­ter“wei­ter geht, wird die Zu­kunft zei­gen.

Un­be­streit­bar ist auch, dass sich Kle­ve in den bei­den Le­gis­la­tur­pe­ri­oden des ge­bür­ti­gen Kel­le­ners, der eben­da am 12. April 1949 das Licht der Welt er­blick­te, ge­ra­de­zu dra­ma­tisch ver­än­dert hat. Der Um­bruch des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts voll­zog sich in ei­ner Dy­na­mik, die zum Na­tu­rell des Voll­blut­po­li­ti­kers passt – auch wenn sei­ne di­rek­te Be­tei­li­gung an den ein­zel­nen Groß­pro­jek­ten un­ter­schied­lich in­ten­siv aus­fällt. Für den Be­trach­ter, der von au­ßen auf die Sze­ne­rie schaut, bleibt es Fakt, dass in sei­ner Amts­zeit die Hoch­schu­le Rhein-Waal ent­wor­fen und ge­baut wur­de, das neue Rat­haus ent­stand, In­dus­trie­stra­ße und Ko­ek­ko­ek­platz eben­so Wirk­lich­keit wur­den wie der Kur­haus-An­bau, die Schul­land­schaft sich stark ver­än­der­te (Mil­lio­nen-Sa­nie­run­gen in­klu­si­ve), der Um­bau der Ver­wal­tung zum „Kon­zern Stadt“in die Tat um­ge­setzt wur­de. Un­voll­endet al­lei­ne ist und bleibt der Un­ter­stadt-Um­bau mit dem ge­schei­ter­ten Groß­pro­jekt- Vor­ha­ben auf dem Mi­no­ri­ten­platz – aber das war, ist und bleibt ei­ne Ge­ne­ra­tio­nen-Auf­ga­be.

Der Blick nach vor­ne auf sei­ne Zeit als Pen­sio­när an der Sei­te von Gat­tin Jut­ta ist zu­gleich ein Blick zu­rück, denn zwei der Hob­bys des frü­he­ren Leh­rers, der ab 1975 an der Schu­le für Lern­be­hin­der­te in Kle­ve un­ter­rich­te­te, stam­men aus sei­nen jun­gen Jah­ren – üb­ri­gens mit lan­gem Haar wie Bart. Zum ei­nen sitzt Brau­er für sein Le­ben ger­ne auf ei­nem Mo­tor­rad, zum an­de­ren auf dem Dreh­stuhl des Schlag­zeu­gers, der er bei der le­gen­dä­ren Beat­band „The Star­figh­ters“auch lan­ge Zeit war. Das Come­back der Alt-Ro­cker um den trom­meln­den Brau­er bei der Ver­an­stal­tung „Ma­de in Kle­ve“ist noch bes­tens in Er­in­ne­rung. Und noch ei­nen hu­mo­ri­gen Kampf will der Mann, der in der Kar­ne­vals-Ses­si­on 1978/79 als „Theo der Feu­ri­ge“Kle­ves Prinz war, aus­fech­ten: Kle­ve braucht ei­ne Prin­zes­sin, heißt das Cre­do des Ka­va­liers von Kle­ve.

Ein gro­ßer Tag für Kle­ve: Theo Brau­er strahlt, Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hält ihm den Schirm, der nie­der­län­di­sche Pre­mie­re Mark Rut­te auch – am 23. Mai 2013.

Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck mit „Bo­dy­guard“Theo Brau­er.

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