Pro­jekt­raum mit jun­ger Kunst der Aka­de­mie En­sche­de

Rheinische Post Goch - - LOKALE KULTUR - VON MAT­THI­AS GRASS

KLE­VE Dick ist der Ka­jal-Strich auf­ge­tra­gen, un­ter­stützt schwarz die tief­dunk­len Au­gen dort auf der Wand. Das schö­ne Au­gen­paar schaut in­ter­es­siert, schlägt nur hin wie­der die Li­der nie­der, zieht den Blick der Be­su­cher ma­gisch an. Joy­ce Boi­j­mans hat die Au­gen ge­filmt. Schwarz-weiß im grob­kör­ni­gen Film ist der Aus­schnitt des Au­gen­paa­res auf die Wand ge­wor­fen. Vom „Zu­hö­ren“er­zählt die Ar­beit. Das an­de­re Au­gen­paar der nie­der­län­di­schen Vi­deo­künst­le­rin schaut eher trau­rig, zu­rück­hal­tend. Es klim­pert im hin­te­ren Raum des Pro­jekt­raums-Bahn­hofs25 in Kle­ve mit den Au­gen.

Dort bil­det es ei­nen Raum­klang mit ei­ner zwei­ten Vi­deo-In­stal­la­ti­on: Hil­de Onis hat ei­nen knall­ro­ten Pull­over mit zehn Me­ter lan­gen Är­meln ge­strickt. Nur mit dem Pull­over be­klei­det klet­tert die Künst­le­rin mit nack­ten Fü­ßen Stahl­trep­pen in aus­ge­dien­ten In­dus­trie­hal­len em­por, die lan­gen Är­mel, eben­so nutz­los wie hin­der­lich hin­ter sich her­zie­hend. Im glei­chen Pull­over hetzt Onis un­ter grau­em wol­ken­ver­han­ge­nen Him­mel durch die graue Nord­see und über hel­le Sand­dü­nen. Der Pull­over ist Teil der In­stal­la­ti­on im Pro­jekt­raum, streckt sei­nen Är­mel aus und nimmt den Be­trach­ter des Vi­de­os re­gel­recht in den Arm.

Acht Künst­ler des Ab­schluss­jahr­gangs der Aka­de­mie für Kunst und De­sign (AKI) in En­sche­de zeigt der Kunst­ver­ein ab heu­te in sei­nen Räu­men. Es soll der Be­ginn ei­ner en­ge­ren Zu­sam­men­ar­beit mit der Aka­de­mie wer­den, die der Kunst­ver­ein dann re­gel­mä­ßig in ei­nem Pro­jekt prä­sen­tie­ren will, pla­nen Dirk Knick­hoff und Eli­sa­beth Schink vom Pro­jekt­raum. Heu­te um 16 Uhr wird die Aus­stel­lung von Ru­di Bas­tia­ans vom AKI er­öff­net. Die acht Künst­ler wur­den aus der Prä­sen­ta­ti­on des Ab­schluss­jahr­gangs aus­ge­wählt, zu der auch ein Ka­ta­log er­schie­nen ist (gibt’s beim Pro­jekt­raum für 25 Eu­ro).

Mit der Aus­wahl der acht Künst­ler prä­sen­tiert der Kunst­ver­ein die gan­ze Band­brei­te von Vi­deo-Kunst über Ma­le­rei bis hin zur In­stal­la­ti­on. Wie mit­ten im Haupt­raum das Werk von Onis mit un­ge­zähl­ten klei­nen Match­box-Au­tos, die aus ei­nem Kin­der­lauf­stall quil­len – al­le in Ke­ra­mik ge­formt und dann ge­brannt. Da­ne­ben mahnt die „Hu­re von Ba­by­lon“als gro­ßes Ge­mäl­de von der Wand. Clau­dia Schöl­ling hat da­zu ei­nen Text auf die Wand ge­pinnt und im vor­de­ren Raum ein mit Teer ge­mal­tes Buch pos­tiert. Ge­gen­über schwe­ben auf ei­nem hauch­dün­nen Fa­den­netz die Zeich­nun­gen und Ra­die­run­gen von Ca­ro­li­ne Krai­jen­brink vor der Wand, am Kopf des Raums Schnit­te von He­le­na Hoo­gen­raad. Gleich am Ein­gang war­ten Wer­ke von Anouk Lansink und An­ne­lies Ges­quier­re. (Ge­öff­net: Sa. und So. 13 bis 17 Uhr).

RP-FO­TOS (2): EVE

Gott Mer­kur – ei­ne klei­ne Bron­ze aus der Samm­lung Lang­feld.

RP-FOTO: GOTT­FRIED EVERS

Hil­de Onis mit Pull­over vor ih­rem Dü­nen-Vi­deo.

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