Fortu­na ver­schafft sich et­was Luft

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON BERND JOLITZ

Die Düs­sel­dor­fer ge­win­nen das wich­ti­ge Zweit­li­ga­spiel ge­gen Ar­mi­nia Bielefeld 1:0. Im Um­feld kommt der Ver­ein nicht zur Ru­he: Ei­ni­ge Fan-Grup­pen spre­chen sich ge­gen die Be­för­de­rung von Fi­nanz­chef Jä­ger zum Vor­sit­zen­den aus.

DÜSSELDORF Der freie Fall ist zu­nächst ein­mal ge­stoppt. Dank ei­ner deut­li­chen Stei­ge­rung ge­gen­über den letz­ten Par­ti­en vor der Län­der­spiel­pau­se be­zwang Fuß­ball-Zweit­li­gist Fortu­na Düsseldorf die Mann­schaft ih­res frü­he­ren Trai­ners Nor­bert Mei­er, Ar­mi­nia Bielefeld, ver­dient mit 1:0. Es war erst die zwei­te Sai­son­nie­der­la­ge für den Auf­stei­ger, und für das Team von Chef­coach Frank Kra­mer ein wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.

„Neu­an­fang“stand auf ei­nem rie­si­gen Ban­ner, das in der Brei­te fast ei­nen kom­plet­ten Block der Are­na be­deck­te – mit zwei Aus­ru­fe­zei­chen da­hin­ter. Die­sen Wunsch kann den Fortu­na-An­hän­gern si­cher nie­mand ver­den­ken, wenn die mit gro­ßen Am­bi­tio­nen ge­star­te­te Mann­schaft tief im Ta­bel­len­kel­ler der 2. Bun­des­li­ga her­um­düm­pelt. Doch mit dem Trans­pa­rent war nur als Ne­ben­ge­räusch die sport­li­che Sei­te ge­meint. Eher geht es et­li­chen Fans mit den „Ul­tras“als Speer­spit­ze dar­um, ei­nen ech­ten Neu­an­fang auf ad­mi­nis­tra­ti­ver Ebe­ne zu star­ten.

Wich­tigs­ter Punkt ist da­bei die Su­che nach ei­nem neu­en Vor- stands­vor­sit­zen­den. Die­se ist nach dem Aus­schei­den des frü­he­ren Amts­in­ha­bers Dirk Kall nö­tig ge­wor­den, und zu­letzt rück­te da­bei Fi­nanz­vor­stand Paul Jä­ger im­mer stär­ker in den Fo­kus des Ge­sche­hens. „Grund­sätz­lich glau­be ich nicht, dass ich ein Mann für die ers­te Rei­he bin“, sag­te Jä­ger un­se­rer Re­dak­ti­on, aber: „Na­tür­lich, wenn ich spü­ren wür­de, dass al­le neun Auf­sichts­rä­te und die Mit­glie­der mehr­heit­lich da­für wä­ren, wür­de ich es ma­chen.“

Of­fen­bar war die­ses State­ment ein Aus­lö­ser für ei­ni­ge Fan-Grup­pie­run­gen, selbst in­itia­tiv zu wer­den – al­ler­dings ge­gen ei­ne Be­för­de­rung Jä­gers. In ei­ner Stel­lung­nah­me spra­chen sich 16 Fan- und Ul­traG­rup­pie­run­gen öf­fent­lich ge­gen Jä­ger als Vor­stands­vor­sit­zen­den aus. Vor­stand und Auf­sichts­rat be­fän­den sich „seit Mo­na­ten in ei­nem kaum noch trag­fä­hi­gen Zu­stand“, ist da zu le­sen.

Fest­zu­hal­ten ist al­ler­dings, dass die of­fi­zi­el­len Da­ch­or­ga­ni­sa­tio­nen Sup­por­ters Club und Ar­beits­kreis bei der Stel­lung­nah­me nicht mit­ma­chen. Die Trag­wei­te oder gar Mehr­heits­fä­hig­keit des An­lie­gens ist da­her frag­lich. Auf je­den Fall heißt es in der Stel­lung­nah­me wei­ter, dass das Pro­blem mit der Frei­stel­lung Kalls nicht ge­löst sei: „Der Fi­nanz­vor­stand Paul Jä­ger, der seit 26 Jah­ren in füh­ren­den Po­si­tio­nen im Ver­ein tä­tig ist, hat sich in den letz­ten Jah­ren im­mer wei­ter von dem ent­fernt, was Fortu­na ein­mal aus­ge­macht hat.“

Viel Zünd­stoff al­so vor der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ver­eins am kom­men­den Mitt­woch. Dort geht es zwar nicht um Wah­len oder Be­ru­fun­gen, wohl aber um ein Stim­mungs­bild, das den mit der Vor­stands-Be­set­zung be­trau­ten Auf­sichts­rat be­ein­flus­sen könn­te. Jä­ger selbst zeigt sich un­be­ein­druckt. „Ich ha­be es zur Kennt­nis ge­nom­men, aber das Spiel ist mir wich­ti­ger“, sag­te er in der Are­na.

Das sa­hen zu­min­dest die Zu­schau­er im Sta­di­on ge­nau­so und peitsch­ten ihr Team per­ma­nent nach vorn. Be­lohnt wur­de die­ser Ein­satz, zu dem sich ei­ne mu­ti­ge und de­fen­siv sta­bi­le Vor­stel­lung der Gast­ge­ber ge­sell­te, mit dem Füh­rungs­tref­fer in der 24. Mi­nu­te. Der sehr agi­le Ser­can Sara­rer ver­setz­te am lin­ken Flü­gel sei­nen Ge­gen­spie- ler Flo­ri­an Dick und schoss Ar­mi­nia-Tor­hü­ter Wolf­gang Hesl an, von dem der Ball ins Netz prall­te. In der Fol­ge ver­dien­te sich Fortu­na die­ses 1:0 mit viel En­ga­ge­ment, doch Tref­fer Num­mer zwei blieb ihr trotz gu­ter Chan­cen ver­wehrt.

Nach dem Wech­sel be­gann die Kra­mer-Trup­pe et­was ner­vös, ge­stat­te­te ih­ren Gäs­ten ein Über­ge­wicht in der An­fangs­pha­se. Doch nach­dem Tor­hü­ter Micha­el Ren­sing sei­ne Kol­le­gen mit ei­ni­gen sou­ve­rä­nen Pa­ra­den ge­ret­tet hat­te, fan­den die­se ins Spiel zu­rück. Fortu­na spann­te die 27.303 Be­su­cher al­ler­dings wei­ter auf die Fol­ter, ließ ei­ni­ge aus­sichts­rei­che Mög­lich­kei­ten un­ge­nutzt. Di­dier Ya Konan hät­te die Rot-Wei­ßen vom Zit­tern be­frei­en kön­nen, Ke­rem De­mir­bay mit ei­nem schö­nen So­lo eben­so. So blieb es je­doch bis zum En­de span­nend.

„Neu­an­fang“stand auf ei­nem rie­si­gen Ban­ner – mit zwei Aus­ru­fe­zei

chen da­hin­ter.

FOTO: DPA

Be­frei­ter Ju­bel: Di­dier Ya Konan (links) und Ma­this Bol­ly (rechts) gra­tu­lie­ren Ser­can Sara­rer nach des­sen Ener­gie­leis­tung vor dem 1:0.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.