Der Schluss­mann mit der Mas­ke

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON STE­FAN KLÜTTERMANN

Bo­rus­si­as Tor­hü­ter Yann Som­mer wird heu­te in Frank­furt trotz ei­nes Na­sen­bein­bruchs spie­len. Car­bon-Mas­ken sor­gen da­für, dass gän­gi­ge Ge­sichts­ver­let­zun­gen im Pro­fi­fuß­ball heu­te kaum noch re­le­van­te Aus­fall­zei­ten nach sich zie­hen.

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Auf dem Fuß­ball­platz ist es so wie im Wil­den Wes­ten: Wer zu lang­sam re­agiert, ver­liert. An­ders als bei den Du­el­len von Re­vol­ver­hel­den geht es im Fuß­ball zwar nicht um Le­ben um Tod, aber auch hier ist Hand­lungs­schnel­lig­keit längst zum spiel­ent­schei­den­den Gut ge­wor­den. Wer auf dem Ra­sen schnell sein will, muss re­ak­ti­ons­schnell sein, an­ti­zi­pie­ren kön­nen und al­les um sich her­um stän-

Yann Som­mer dig im Blick ha­ben. Ei­ne Car­bonMas­ke im Ge­sicht ist da hin­der­lich, soll­te man mei­nen. So ei­ne, wie sie Bo­rus­si­as Tor­hü­ter Yann Som­mer der­zeit bei der Aus­übung sei­nes Be­rufs trägt, weil sein Mit­spie­ler Os­car Wendt ihm vor zwei­ein­halb Wo­chen un­glück­lich die Na­se ge­bro­chen hat­te. Doch Som­mer sieht die Mas­ke nicht als Stör­fak­tor und wird heu­te Abend (18.30 Uhr) bei Ein­tracht Frank­furt im Tor ste­hen.

„Klar ist es nicht das Bes­te, so ei­ne Mas­ke zu tra­gen, aber man ge­wöhnt sich dar­an, und ich kom­me da­mit über­ra­schen­der­wei­se sehr gut zu­recht“, sag­te Som­mer in die­ser Wo­che. Sei­ne Er­fah­run­gen mit dem ul­tra­leich­ten Schutz­pan­zer im Ge- sicht be­stär­ken ein­mal mehr die Wahr­neh­mung, dass „gän­gi­ge“Ge­sichts­ver­let­zun­gen wie Na­sen­bein­oder Joch­bein­bruch selbst in ei­ner Voll­kon­takt­sport­art wie dem Pro­fi­fuß­ball längst kei­ne län­ge­ren Aus­fall­zei­ten mehr zur Fol­ge ha­ben. So sieht es auch Ex-Na­tio­nal­spie­ler Si­mon Rol­fes, der selbst mal we­gen ei­ner tie­fen Platz­wun­de ei­ni­ge Spie­le mit ei­ner Mas­ke ab­sol­vier­te. „Es ist un­ge­wohnt, aber es be­ein­träch­tigt ei­nen über­haupt nicht. Du agierst mit der Mas­ke vi­el­leicht so­gar noch ei­nen Tick vor­aus­schau­en­der als sonst“, er­in­nert sich Rol­fes. „Bei Kopf­bäl­len muss man ein­mal die Be­den­ken über­win­den, aber das dürf­te für Yann Som­mer ja eher nicht so ent­schei­den sein“, sagt Rol­fes und schmun­zelt.

Mas­ken wie die von Som­mer und Rol­fes wer­den mitt­ler­wei­le von Spe­zia­lis­ten bin­nen 48 St­un­den an­ge­passt und her­ge­stellt. In­di­vi­du­ell, nur ein paar Gramm schwer und so re­du­ziert ge­schnit­ten, dass das Sicht­feld – Stich­wort: Hand­lungs­schnel­lig­keit – qua­si gar nicht ein­ge­engt wird. Oh­ne­hin hat Som­mer Er­fah­rung mit be­wuss­ter Sicht­ein­schrän­kung aus den Trai­nings­me­tho­den des Tor­wart­trai­ners der Schwei­zer Na­tio­nal­elf. Vor der WM 2014 ließ Patrick Fo­let­ti sei­ne Kee­per mit ei­ner Spe­zi­al­bril­le trai­nie­ren, die sonst im Ame­ri­can Foot­ball zum Ein­satz kommt und mit der ein Tor­hü­ter Bäl­le erst spät sieht. Das soll die Re­ak­ti­ons­schnel­lig­keit för­dern.

Som­mer kann und wird al­so nach nur ei­ner Par­tie Pau­se wie­der spie­len. Und auch sein Lands­mann Gra­nit Xha­ka will sich von ei­ner Ver­let­zung kei­nen Strich durch die Ein­satz­rech­nung fürs Frank­furt-Spiel ma­chen las­sen. Der Mit­tel­feld­spie­ler wird wohl trotz ei­nes Au­ßen­band­ris­ses im Sprung­ge­lenk da­bei sein kön­nen, wenn Bo­rus­sia den vier­ten Sieg im vier­ten Li­ga­spiel un­ter In­te­rims­coach An­dré Schu­bert ein­fah­ren will. Xha­kas Knö­chel wird per Ta­pe ru­hig­ge­stellt, ja qua­si ein­be­to­niert. Auch ei­ne heu­te längst gän­gi­ge Pra­xis. Es lie­ge nun nur noch dar­an, wie Xha­ka mit dem Schmerz­emp­fin­den und dem Ta­pe klar kom­me, sag­te Schu­bert. Dass er da­mit klar kom­men wird, dar­an hat in Glad­bach ei­gent­lich nie­mand ei­nen Zwei­fel.

„Ich kom­me über­ra­schen­der­wei­se

mit der Mas­ke sehr gut zu­recht“

FOTO: DIE­TER WIECHMANN

Car­bon-Mas­ke für taug­lich be­fun­den: So trai­nier­te Yann Som­mer in den ver­gan­ge­nen Ta­gen.

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