Se­hens­wür­dig­keit Ste­fan Ef­fen­berg

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Pa­der­born hat ei­nen Dom, die Bar­tho­lo­mä­us­ka­pel­le und die Uni­ver­si­tät. Das wa­ren bis­lang die wich­tigs­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten der klei­nen Groß­stadt in West­fa­len. Seit die­ser Wo­che gibt es ei­ne Se­hens­wür­dig­keit mehr. Der bei­na­he noch welt­be­rühm­te Ste­fan Ef­fen­berg trai­niert den orts­an­säs­si­gen Zweit­li­gis­ten SC Pa­der­born, der es bis­her nicht in den un­um­strit­te­nen Rang ei­ner Se­hens­wür­dig­keit ge­bracht hat. Vor al­lem sei­ne fuß­bal­le­ri­schen Leis­tun­gen in die­ser Sai­son wa­ren nicht ge­ra­de se­hens­wert.

Ef­fen­berg wird das na­tür­lich um­ge­hend än­dern. Zu­nächst hat er sich mal ins rich­ti­ge Licht ge­rückt. So viel

Pa­der­born liegt nun mit­ten in der gro­ßen Fuß­ball­welt. Da­für wird Ste­fan Ef­fen­berg sor­gen. Er hat sich als Nach­rich­ten­quel­le der bun­ten Blät­ter of­fen­bar ge­lang­weilt.

Zeit muss sein. Sei­ne Be­ra­ter hat­ten of­fen­bar viel Fern­se­hen ge­schaut in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit. Und ih­nen im­po­nier­te, wie Jür­gen Klopp, ganz si­cher ei­ne Se­hens­wür­dig­keit, mit dem na­tür­lich spon­ta­nen Satz „I am the nor­mal one“zum Amts­an­tritt in Li­ver­pool so­gleich ei­ne rie­si­ge Fan­ar­ti­kel-In­dus­trie in Gang ge­bracht hat. Folg­lich leg­ten sie ih­rem Kli­en­ten den Satz „I am the new one“in den Mund. Und auch das fan­den al­le schreck­lich spon­tan. Ob T-Shirts und Tas­sen mit dem Auf­druck nun in den An­den­ken­ge­schäf­ten am Dom und in der Gru­be, der wich­tigs­ten Ein­kaufs­stra­ße, der gro­ße Ren­ner sind, ist bis­her nicht her­aus.

Der West­fa­le an sich wird wahr­schein­lich erst ein­mal mit lei­ser Ir­ri­ta­ti­on das be­stimmt schön lau­te Trei­ben des eins­ti­gen Welt­stars be­stau­nen. Er wird sich er­in­nern, dass der gro­ße Trai­ner nach sei­ner Kar­rie­re als Fuß­bal­ler ein ein­drucks­vol­les Werk in den bun­ten Ma­ga­zi­nen und den Zei­tun­gen mit den ganz gro­ßen Buch­sta­ben hin­ter­las­sen hat. Ei­ni­ge wer­den ihn als be­zahl­ten Bes­ser­wis­ser bei „Sky“er­lebt ha­ben. Ganz vie­le wer­den sich fra­gen, wo Ef­fen­berg sei­nem Hang zum welt­städ­ti­schen Frei­zeit­ver­treib künf­tig nach­ge­hen will. Wohl­mei­nen­de ha­ben ihm die Adres­sen hie­si­ger Gas­tro­no­men in vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam über­mit­telt.

Weil Ef­fen­berg zur­zeit kei­nen Füh­rer­schein hat – den zo­gen bö­se Be­hör­den ein, nach­dem er auf der Wiesn ei­ne oder zwei Maß zu viel ge­habt hat­te und na­tür­lich nicht aufs ei­ge­ne Au­to ver­zich­ten woll­te –, kann er sich zu Fuß sein ei­ge­nes Bild von der Wahl­hei­mat in der Pro­vinz ma­chen. Nicht, dass er da kei­ne Er­fah­rung hät­te. Als er für Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach spiel­te, zog er Niederkrüchten als Wohn­statt der Me­tro­po­le Glad­bach vor. Und er hat ja so­gar mal im fins­te­ren Wolfsburg un­ter Ver­trag ge­stan­den. Von da war es im­mer­hin nicht weit bis Berlin, wenn der ICE denn mal an­hielt.

Pa­der­born ist aber ganz bei sich, die Welt ist weit weg, und für den Gla­mour sorgt „Ef­fe“al­lein. Das schreckt ihn nicht, weil er sich im­mer schon wich­ti­ger fand als den Rest der Welt. Ob er das als Spie­ler zum Aus­druck bringt, als Se­mi-Pro­mi der Bou­le­vard-Ma­ga­zi­ne, Möch­te­gern-Funk­tio­när beim Um­sturz­ver­such in Mön­chen­glad­bach vor vier Jah­ren oder als Trai­ner, ist ei­gent­lich gleich­gül­tig. Jetzt al­so Pa­der­born. In ei­nem leicht ab­ge­wan­del­ten Er­guss des wirk­lich sehr spon­tan agie­ren­den Sprach­ar­tis­ten und Bun­te-Blät­ter-Lie­fe­ran­ten Lothar Mat­thä­us: „I wish you very much lu­cky.“

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