Kreuz­feu­er

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Dann wür­de ich noch zwei, drei Ta­ge dran­hän­gen.“„Wie ge­sagt, so lan­ge Sie wol­len. Wenn Ih­nen die Couch ge­nügt.“Ich hat­te schon viel un­ge­müt­li­che­re Schlaf­plät­ze ge­habt, und nicht halb so war­me.

„Kann ich mor­gen noch mal Ih­ren Wa­gen neh­men?“, frag­te ich.

„Tut mir leid, mor­gen brauch ich ihn selbst. Ich bin zum Sonn­tags­bra­ten bei mei­ner Fa­mi­lie ein­ge­la­den.“„Wo denn?“„Bei Bun­bu­ry.“„Und wann kom­men Sie wie­der?“„Vor fünf“, sag­te er. „Sonn­tags ist um fünf Abend­stall­zeit.“

„Dann könn­te ich den Wa­gen ha­ben?“

„Klar. Dann muss aber vi­el­leicht ge­tankt wer­den.“

„Okay“, sag­te ich. „Ich tan­ke ihn voll.“– Auch wenn er sich nicht um­dreh­te, wuss­te ich, dass er lä­chel­te. War­um ver­lang­te er nicht ein­fach Mie­te für den Wa­gen? Es war wohl so ei­ne Art Spiel­chen.

Mei­nen Ja­gu­ar konn­te ich aus den be­kann­ten Grün­den nicht ho­len. Zu­dem war es ein sehr auf­fäl­li­ger Wa­gen, und Ians klei­ner Cor­sa kam mir sehr ge­le­gen. Ich hoff­te nur, dass mein Ja­gu­ar tat­säch­lich noch in dem Park­haus in Ox­ford stand und auf mich war­te­te.

Den Sonn­tag­mor­gen ver­brach­te ich mit Vor­be­rei­tun­gen. Am Sams­tag­nach­mit­tag, nach Ju­lie Yor­ke und vor mei­nem Aus­flug nach Gre­en­ham, war ich noch ein­mal in Kau­ri Hou­se ge­we­sen.

Es war nie­mand da au­ßer den Hun­den, die mir trä­ge und un­in­ter­es­siert hin­ter­her­sa­hen, als ich zur Kü­che her­ein­ge­kom­men und über ih­re vor dem Herd ste­hen­den Kör­be gestakst war. Ob­wohl mei­ne Mut­ter und mein Stief­va­ter in aus­rei­chen­der Ent­fer­nung in Hay­dock beim Pfer­de­ren­nen wa­ren, hat­te ich nur schnell ge­duscht, ein paar Sa­chen aus mei­nem Zim­mer ge­holt und mich höchs­tens zwan­zig Mi­nu­ten im Haus auf­ge­hal­ten.

Ich woll­te nicht, dass mei­ne Mut­ter un­ver­hofft zu­rück­kam und mich da fand. Nicht aus Sor­ge, dass sie dann ver­se­hent­lich aus­plau­dern könn­te, dass ich wie­der da war, son­dern um ihr nicht er­klä­ren zu müs­sen, was ich vor­hat­te.

Da sie wahr­schein­lich nicht da­mit ein­ver­stan­den ge­we­sen wä­re, war es bes­ser, sie wuss­te nichts da­von, zu­min­dest nicht vor­her.

Ian fuhr um elf zu sei­nem Sonn­tags­es­sen, nach­dem er mir ver­spro­chen hat­te, recht­zei­tig zum Ar­beits­an­tritt um fünf wie­der da zu sein.

Als ich si­cher war, dass Ian nicht mehr zu­rück­kam, leg­te ich die Sa­chen zu­recht, die ich für mei­nen Ein­satz brauch­te. Ei­ni­ges war be­reits in mei­nem Be­sitz ge­we­sen, an­de­res hat­te ich am ver­gan­ge­nen Nach­mit­tag auf dem Weg nach Gre­en­ham ex­tra in New­bury ge­kauft.

Ich leg­te mei­nen schwar­zen Roll­kra­gen­pull­over raus, ei­ne dun­kel­blaue al­te Je­ans, dunk­le So­cken, ei­ne schwar­ze Ski­müt­ze und zu­ge­hö­ri­ge Hand­schu­he, die ich zu­sam­men mit ei­nem Paar schwar­zer Turn­schu­he in ei­nem Sport­ge­schäft in der Mar­ket Street er­stan­den hat­te.

Au­ßer­dem ei­nen klei­nen dun­kel­blau­en Ruck­sack, schwar­ze, ex­trastar­ke Ka­bel­bin­der wie die, mit de­nen im Stall mei­ne Hän­de ge­fes­selt ge­we­sen wa­ren, ei­nen klei­nen ro­ten Ver­bands­kas­ten, drei 10x15cm-Ab­zü­ge von den Post­fach-Fo­tos, ei­nen ganz be­stimm­ten Ei­sen­ring, an dem mit Vor­hän­ge­schloss ei­ne ver­zink­te Stahl­ket­te be­fes­tigt war, mei­ne Ka­me­ra und schließ­lich ei­ne Rol­le grau­es Kle­be­band.

(Fort­set­zung folgt)

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