Das Massaker von Pa­ris

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Der blu­ti­ge Krieg in Al­ge­ri­en griff lang­sam auf Frank­reich über. Seit Jah­ren kämpf­ten fran­zö­si­sche Sol­da­ten ge­gen die Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gung FLN. Auch in Frank­reich leb­ten zahl­rei­che Al­ge­ri­er, die Stim­mung zwi­schen ih­nen und den Fran­zo­sen war ex­plo­siv. In die­ser Si­tua­ti­on ver­häng­te die Stadt Pa­ris ei­ne nächt­li­che Aus­gangs­sper­re ge­gen al­le Al­ge­ri­er – an­geb­lich, um An­schlä­gen vor­zu­beu­gen. Ge­gen die­se als ras­sis­tisch emp­fun­de­ne Vor­ver­ur­tei­lung de­mons­trier­ten am Abend des 17. Ok­to­ber 1961 Zehn­tau­sen­de. Sie ka­men aus den Vo­r­or­ten von Pa­ris mit­ten ins Zen­trum der Stadt. Die De­mons­tra­ti­on war nicht ge­neh­migt, wä­re aber wohl fried­lich ver­lau­fen, wenn nicht Po­li­zis­ten die De­mons­tran­ten an­ge­grif­fen hät­ten. Es kam zum Massaker von Pa­ris – ei­nem ver­hee­ren­den Blut­bad, das in ei­nem de­mo­kra­ti­schen Land ei­gent­lich un­vor­stell­bar ge­we­sen war. De­mons­tran­ten wur­den nie­der­ge­knüp­pelt, er­schla­gen und er­schos­sen. Wie vie­le in die­ser Nacht star­ben, ist un­klar. Schät­zun­gen rei­chen von et­wa 50 bis zu meh­re­ren Hun­dert To­des­op­fern. Po­li­zei und Po­li­tik hin­ge­gen spra­chen noch Jahr­zehn­te spä­ter von drei To­ten. Das Ge­sche­hen wur­de ver­schwie­gen und klein­ge­re­det, bis En­de der 1990er Jah­re. Erst dann wur­de das Massaker von Pa­ris öf­fent­lich dis­ku­tiert. 2012 er­kann­te Staats­prä­si­dent François Hol­lan­de die Ge­walt­ta­ten der Po­li­zei erst­mals of­fi­zi­ell an und ver­ur­teil­te die Ta­ten die­ser Nacht.

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