Wenn die Kat­ze ag­gres­siv wird

Rheinische Post Goch - - DIE TIERWELT - VON ANAÏS DAHL

Auf­fäl­li­ges Ver­hal­ten von Samt­pfo­ten kann un­ter­schied­li­che Ur­sa­chen ha­ben.

Leicht ge­duckt steht er zum An­griff be­reit – sei­ne weit auf­ge­ris­se­nen gel­ben Au­gen fun­keln fu­ri­os, sein Schwanz schlägt be­droh­lich: So be­geg­net der schwar­ze Ka­ter Ru­di nach ei­nem Be­sit­zer­wech­sel im Al­ter von zehn Jah­ren je­dem Frem­den, der ei­nen Fuß in das Haus des neu­en Be­sit­zers setzt. Ei­ne Kat­ze, die un­vor­her­ge­se­hen ag­gres­siv wird, ken­nen vie­le Kat­zen­be­sit­zer. Was kön­nen Ur­sa­chen sein und was lässt sich tun, wenn die ei­ge­ne Kat­ze ver­hal­tens­auf­fäl­lig wird?

Oft sei der Grund für ein auf­fäl­li­ges Ver­hal­ten der Kat­ze ein ge­sund­heit­li­ches Pro­blem, sagt die Düs­sel­dor­fer Tier­ärz­tin Dr. As­trid Dahl. So kön­nen Schmer­zen Aus­lö­ser ag­gres­si­ven Ver­hal­tens sein. Des­halb ist es wich­tig, in sol­chen Fäl­len ei­nen Tier­arzt auf­zu­su­chen. An­hand ei­nes gro­ßen Blut­bil­des so­wie Urin- und Kot­pro­ben kön­nen dann zu­nächst ein­mal be­stimm­te Krank­hei­ten aus­ge­schlos­sen wer­den. Be­kann­te or­ga­ni­sche Ur­sa­chen für ag­gres­si­ve Ver­hal­tens­mus­ter sei­en zum Bei­spiel Schmer­zen im Be­reich des Be­we­gungs­ap­pa­ra­tes, hor­mo­nel­le Er­kran­kun­gen wie ei­ne Schild­drü­sen­über­funk­ti­on oder auch Tu­mo­re und die so­ge­nann­te „Leck­der­ma­ti­tis“.

Lei­det die Kat­ze un­ter ei­ner sol­chen Leck­der­ma­ti­tis, leckt sie sich meist im Be­reich des Un­ter­bau­ches gro­ße Area­le kahl. Ei­ne mi­kro­sko­pi­sche Un­ter­su­chung aus­ge­zupf­ter Haa­re lie­fert dem Tier­arzt ei­nen Be­weis für die­se Krank­heit, da da­bei aus­ge­frans­te Haar­spit­zen er­kannt wer­den kön­nen. Sind al­le or­ga­ni­schen Ur­sa­chen wie ei­ne Bla­sen­ent­zün­dung oder ei­ne Darmer­kran­kung aus­ge­schlos­sen, lau­tet die Dia­gno­se oft „psy­cho­ge- ne“, al­so ver­hal­tens­be­ding­te Leck­der­ma­ti­tis.

Dahl nennt in dem Zu­sam­men­hang ein wei­te­res Bei­spiel. Die­se Kat­ze be­gann, in der ge­sam­ten Woh­nung zu uri­nie­ren, nach­dem der Be­sit­zer ein neu­es So­fa ge­kauft hat­te. Erst als er die­ses in ein Zim­mer stell­te, in dem sich die Kat­ze nicht auf­hielt, un­ter­ließ die Kat­ze das Mar­kie­ren wie­der. Denn: Kat­zen müs­sen sich in ih­rem Um­feld wohl­füh­len. Un­güns­ti­ge Um­welt­fak­to­ren wir­ken sich un­ter Um­stän­den ne­ga­tiv auf das Ver­hal­ten der Tie­re aus. Da­her soll­te man sich gründ­lich über die art­ge­rech­te Hal­tung von Kat­zen in­for­mie­ren.

Hat die Kat­ze psy­chi­sche Pro­ble­me, kann man ei­nen aus­ge­bil­de­ten Tier­psy­cho­lo­gen zu­ra­te zie­hen. Die­ser be­schäf­tigt sich in­di­vi­du­ell und in­ten­siv mit der Be­zie­hung zwi­schen Be­sit­zer und Haus­kat­ze. Zum Fall von Ka­ter Ru­di äu­ßert sich Kat­zen­psy­cho­lo­gin und Ver­hal­tens­the­ra­peu­tin Kat­ja Wal­lisch aus Loh­fel­den fol­gen­der­ma­ßen: Wenn der Ka­ter grund­sätz­lich mit dem neu­en Be­sit­zer gut zu­recht­ge­kom­men sei und das Pro­blem nur an ein­tref­fen­den Be­su­chern ge­le­gen ha­be, sei an­zu­neh­men, dass er in der neu­en Um­ge­bung ei­ne schlech­te Er­fah­rung mit Frem­den ge­macht hat. Da­bei kön­ne das Tier ver-

FOTO: ELEC­TRA-K-VASILEIADOU/THINKSTOCK

Legt die Kat­ze die Oh­ren an, ist Vor­sicht ge­bo­ten.

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