OB-Wahl im Schat­ten des At­ten­tats – Re­ker ge­winnt haus­hoch in Köln

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE -

ter Ri­va­le, der SPD-Be­wer­ber Jo­chen Ott kam auf 32 Pro­zent. Die an­de­ren Be­wer­ber spiel­ten kei­ne Rol­le. Mark Ben­ecke, der für die Sa­ti­re-Grup­pie­rung „Die Par­tei“an­trat, kam auf über sie­ben Pro­zent. Der Ver­tre­ter der rechts­po­pu­lis­ti­schen Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD), Hen­drik Rott­mann, er­reich­te le­dig­lich vier Pro­zent.

Die Wahl wur­de über­schat­tet durch ein schwe­res At­ten­tat auf Re­ker bei ei­nem Wahl­kampf­ter­min auf dem Wo­chen­markt in Köln-Brauns­feld. Ein 44-jäh­ri­ger ar­beits­lo­ser Ma­ler und La­ckie­rer, der in Köln wohnt, hat­te der OB-Kan­di­da­tin mit ei­nem Mes­ser in den Hals ge­sto­chen. Er ver­letz­te vier wei­te­re Per­so­nen, dar­un­ter ei­ne CDU-Rats­frau, ei­ne FDP-Po­li­ti­ke­rin und ei­ne Wahl­hel­fe­rin. Ein Bun­des­po­li­zist über­wäl­tig­te den Mann mit Hil­fe von Um­ste­hen­den. Ges­tern wur­de ge­gen den At­ten­tä­ter Haft­be­fehl er­las­sen. Laut ei­nem Gut­ach­ten gilt er als voll schuld­fä­hig. Die Tat hat­te ei­nen frem­den­feind­li­chen Hin­ter­grund. Mit den Wor­ten „Ich schüt­ze euch al­le“recht­fer­tig­te der Mann das bru­ta­le At­ten­tat. Ge­gen­über der Po­li­zei er­klär­te er nach Re­cher­chen un­se­rer Re­dak­ti­on, dass er Flücht­lin­ge für sei­nen Job­ver­lust ver­ant­wort­lich ma­che. Re­ker galt ihm als be­son­ders flücht­lings­freund­lich.

Laut „Spie­gel On­li­ne“hat­te der Tä­ter in den 90er Jah­ren Kon­tak­te in die rechts­ex­tre­me Sze­ne, un­ter an­de­rem zu der in­zwi­schen ver­bo­te- nen „Frei­en Ar­bei­ter-Par­tei“, die ein frü­he­rer HJ-Füh­rer ge­grün­det hat­te.

Der un­ter­le­ge­ne SPD-Kan­di­dat Jo­chen Ott gra­tu­lier­te der Sie­ge­rin und wünsch­te ihr bal­di­ge Ge­ne­sung. Er mahn­te, die Köl­ner De­mo­kra­ten müss­ten zu­sam­men­ste­hen. Der in Köln wohn­haf­te NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) wünsch­te sich, dass Re­ker ei­ne „wirk­lich unabhängige Bür­ger­meis­te­rin wird“. Sven Leh­mann, Lan­des­chef der NRW-Grü­nen, mein­te: „Das ers­te Ziel der neu­en Re­gie­rung in Köln muss jetzt sein, den par­tei­über­grei­fen­den Geist der So­li­da­ri­tät, den ges­tern nach dem At­ten­tat ganz Köln er­lebt hat, in das Rat­haus zu ret­ten.“Der Lan­des­vor­sit­zen­de und Bun­des­vi­ze der CDU, Ar­min La­schet, glaubt nicht an ei­nen At­ten­tats-Ef­fekt beim Köl­ner Wah­l­er­geb­nis. „Die­ses Er­geb­nis ent­spricht in et­wa dem, was sich in den letz­ten Umfragen vor der Wahl schon ab­ge­zeich­net hat­te: Die­se Stadt woll­te ein­fach ei­nen po­li­ti­schen Wech­sel“, sag­te La­schet.

FOTO: DPA

Ein Pla­kat der Köl­ner OB-Kan­di­da­tin Hen­ri­et­te Re­ker am Tat­ort im Stadt­teil Brauns­feld. Dort mach­te sie Wahl­kampf, be­vor sie von ei­nem of­fen­bar frem­den­feind­lich mo­ti­vier­ten Tä­ter nie­der­ge­sto­chen wur­de. Ges­tern war die sieg­rei­che Be­wer­be­rin noch in der Uni­ver­si­täts­kli­nik der Stadt.

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