Die Schwei­gen­den müs­sen lau­ter wer­den

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON MICHA­EL BRÖCKER

Die neue Ober­bür­ger­meis­te­rin der Stadt Köln heißt Hen­ri­et­te Re­ker. Das ist die gu­te Nach­richt die­ses blu­ti­gen Wo­che­n­en­des. Denn sie zeigt, dass Staats­fein­de ei­ne funk­tio­nie­ren­de De­mo­kra­tie auch mit Mes­ser­at­ta­cken nicht auf­hal­ten kön­nen. Der Tä­ter woll­te nach ei­ge­nen An­ga­ben die hu­ma­ne Flücht­lings­po­li­tik der bis­he­ri­gen Köl­ner So­zi­al­de­zer­nen­tin ver­hin­dern. Kein Ver­wirr­ter, kein geis­tig Ge­stör­ter wie da­mals vor 25 Jah­ren, als Os­kar La­fon­tai­ne und Wolf­gang Schäu­b­le Op­fer wur­den. Nein, Frank S. ist voll schuld­fä­hig, sa­gen die Gut­ach­ter. Sein Ziel war ei­ne an­de­re, ei­ne frem­den­feind­li­che Po­li­tik.

Die­ses Ziel hat er ver­fehlt. Hen­ri­et­te Re­ker, die von CDU, Grü­nen und FDP un­ter­stütz­te 58-Jäh­ri­ge, wird als ers­te Ober­bür­ger­meis­te­rin von Köln ge­nau das wei­ter tun. Ei­ne an den Maß­stä­ben von So­li­da­ri­tät und Hilfs­be­reit­schaft ori­en­tier­te – man könn­te auch sa­gen: christ­li­che – Flücht­lings­po­li­tik. Man kann Frau Re­ker da­für nur ei­ne schnel­le Ge­ne­sung wün­schen.

Doch nicht nur Re­ker braucht schnell neue Kräf­te. Deutsch­land braucht sie. Kräf­te, um den wei­ter stei­gen­den Flücht­lings­strom zu or­ga­ni­sie­ren. Kräf­te, um den An­kömm­lin­gen, die blei­ben dür­fen, das An­kom­men zu er­leich­tern. Stich­wort Bil­dungs- und Job­chan­cen. Und Kräf­te, um je­ne in die Schran­ken zu wei­sen, die un­se­re frei­heit­li­che Haus­ord­nung für das Zu­sam­men­le­ben, das Grund­ge­setz, miss­ach­ten. Nur mit die­ser recht­li­chen Fair­ness und Klar­heit las­sen sich frem­den­feind­li­che Res­sen­ti­ments im An­satz be­kämp­fen. Nur so lässt sich das Ge­fühl des dro­hen­den Iden­ti­täts­ver­lusts ar­gu­men­ta­tiv er­wi­dern. Ei­ne bun­te Re­pu­blik muss kei­ne nai­ve Re­pu­blik sein. is­her drin­gen die­se Ar­gu­men­te zu we­nig durch. In der Schweiz ha­ben Rechts­po­pu­lis­ten Er­folg, in Dres­den lo­cken „Pegida“-Ver­tre­ter Tau­sen­de auf die Stra­ßen. Die Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, nach de­nen „Volks­ver­rä­ter“und „Sys­tem­pres­se“das Land in den Is­lam hin­ein­re­gie­ren, er­rei­chen nun auch die Rän­der des ver­meint­lich auf­ge­klär­ten Bür­ger­tums. Ei­ne ge­fähr­li­che Ent­wick­lung.

Die spon­ta­ne De­mons­tra­ti­on Hun­der­ter für De­mo­kra­tie und Men­sch­lich­keit ges­tern in Köln war ein star­kes Zei­chen der viel zu oft schwei­gen­den Mehr­heit. Auf die kommt es jetzt aber an. Ei­ne er­drü­cken­de Mehr­heit in die­sem Land lehnt Ge­walt und Hass ge­gen Frem­de ab. Das ist kei­ne nai­ve lin­ke Gut­men­schen-Ro­man­tik, wie die tum­ben rech­ten Pro­pa­gan­dis­ten in den In­ter­net-Fo­ren weis­ma­chen wol­len. Das ist das in­ne­re Selbst­ver­ständ­nis ei­nes de­mo­kra­tisch ver­fass­ten Rechts­staats. In­ne­re Ru­he und in­halt­li­che Stär­ke sind die wirk­sams­ten Waf­fen ge­gen dump­fe Aus­län­der­feind­lich­keit. BE­RICHT

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