Dar­um fand die Köl­ner OB-Wahl statt

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

Ein Pa­ra­graf bot Raum für Spe­ku­la­tio­nen, ob die Wahl hät­te ver­scho­ben wer­den müs­sen. Doch das Ge­setz hat kla­re Re­geln.

KÖLN Trotz der Mes­ser­at­ta­cke auf Hen­ri­et­te Re­ker hat die Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter­wahl ges­tern wie ge­plant statt­ge­fun­den. Die Köl­ner Wahl­lei­te­rin Ga­b­rie­le Klug hat­te nach dem At­ten­tat er­klärt, dass die Wahl als sol­che durch die schreck­li­chen Er­eig­nis­se nicht be­rührt sei. Das sei Vor­ga­be des nord­rhein­west­fä­li­schen Kom­mu­nal­wahl­ge­set­zes, er­klär­te sie. Dem­nach kön­ne ei­ne Wahl nur durch den Tod ei­nes Kan­di­da­ten oder durch ei­ne Na­tur­ka­ta­stro­phe ver­scho­ben wer­den, we­gen der die Bür­ger nicht ge­fahr­los in die Wahl­lo­ka­le kom­men könn­ten, um ih­re Stim­men ab­zu­ge­ben. Und die­se bei­den Vor­aus­set­zun­gen sei­en im Fall des At­ten­ta­tes nicht ge­ge­ben, so Klug.

Der Fall, dass ein Kan­di­dat stirbt, war erst vor we­ni­gen Wo­chen bei der Bür­ger­meis­ter­wahl in Bad Müns­ter­ei­fel ein­ge­tre­ten. Der dor­ti­ge SPD-Kan­di­dat Wer­ner Es­ser war kurz vor Be­kannt­ga­be der Wah­l­er­geb­nis­se plötz­lich in sei­nem Bü­ro zu­sam­men­ge­bro­chen und völ­lig uner­war­tet ver­stor­ben. Es­ser hät­te – wie sich spä­ter dann her­aus­stell­te – in die Stich­wahl ge­musst. Die Wahl muss des­halb in Bad Müns­ter­ei­fel wie­der­holt wer­den.

Trotz der of­fen­bar ein­deu­ti­gen Ge­set­zes­vor­la­ge gab es nach dem At­ten­tat Spe­ku­la­tio­nen dar­über, ob die Wahl nicht doch hät­te ab­ge­sagt wer­den kön­nen. Denn in der Kom­mu­nal­wahl­ord­nung des Lan­des NRW (Pa­ra­graf 46 c, Ab­satz 3) heißt es wört­lich: „Schei­det ei­ner der bei­den Be­wer­ber vor der Stich­wahl durch Tod oder Ver­lust der Wähl­bar­keit aus, ist die Wahl ins­ge­samt zu wie­der­ho­len. Die Par­tei oder Wäh­ler­grup­pe, die den be­tref­fen­den Be­wer­ber vor­ge­schla­gen hat­te, kann ei­nen neu­en Wahl­vor­schlag ein­rei­chen.“Ex­per­ten mei­nen, dass es durch die For­mu­lie­rung „Ver­lust der Wähl­bar­keit“durch­aus Spiel­raum für ei­ne be­grün­de­te Wahl­ab­sa­ge ge­ge­ben hät­te. Sie ar­gu­men­tie­ren, dass der Fall der Nicht­wähl­bar­keit durch die noch nicht ab­seh­ba­ren Fol­gen der er­lit­te­nen Ver­let­zun­gen mög­li­cher­wei­se ge­ge­ben sei. Man könn­te schließ­lich nicht mit Ge­wiss­heit sa­gen, ob Hen­ri­et­te Re­ker das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters durch die Ver­let­zun­gen noch im vol­len Um­fang aus­fül­len kön­ne.

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