Das Pro­fil des At­ten­tä­ters

Rheinische Post Goch - - ATTENTAT IN KÖLN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

Der 44-Jäh­ri­ge war in den 90er Jah­ren in der rechts­ra­di­ka­len Sze­ne ak­tiv.

KÖLN Männ­lich, mitt­le­res Al­ter, ar­beits­los, le­dig und nicht sehr ge­bil­det: Auf At­ten­tä­ter mit frem­den­feind­li­chen Mo­ti­ven trifft das in der Re­gel fast im­mer zu. Auch der Mann, der Hen­ri­et­te Re­ker mit ei­nem Mes­ser tö­ten woll­te, passt in die­ses Sche­ma: Der Ma­ler und La­ckie­rer Frank S. (44) ist be­reits seit län­ge­rer Zeit ar­beits­los, lebt von Hartz-IV, hat kei­ne Frau und soll auch kei­ne Kin­der ha­ben.

Seit Jah­ren wohn­te er zu­rück­ge­zo­gen in ei­ner klei­nen Erd­ge­schoss­woh­nung im links­rhei­ni­schen KölnNip­pes ne­ben ei­ner Grund­schu­le, ei­nem Vier­tel mit vie­len jun­gen Fa­mi­li­en. Zu sei­nen Nach­barn pfleg­te er je­doch kaum Kon­takt. Die we­ni­gen An­woh­ner, die ihn über­haupt ken­nen, be­schrei­ben ihn als un­auf­fäl­lig. Man grüß­te sich, hielt die Tür auf – mehr nicht. Von sei­nem Hass auf Aus­län­der ha­be man nichts ge­wusst. Er ha­be sich nicht wie ein Neo­na­zi ge­klei­det.

Auch der Po­li­zei war der Mann bis zum At­ten­tat nicht be­kannt, galt als un­be­schol­te­ner Bür­ger. „In un­se­rer Da­ten­bank hat­ten wir nichts über ihn“, sag­te Kölns Kri­po­chef Nor­bert Wagner. Erst bei sei­ner Ver­neh­mung ka­men die Er­mitt­ler sei­ner rechts­ra­di­ka­len Ver­gan­gen­heit auf

Nor­bert Wagner die Spur – aber of­fen­bar nur, weil Frank S. sie selbst dar­über in­for­mier­te. Denn er nann­te als Mo­tiv für sei­ne Blut­tat Frem­den­feind­lich­keit. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on soll S. in sei­ner Ver­neh­mung Aus­län­der und Flücht­lin­ge da­für ver­ant­wort­lich ge­macht ha­ben, dass er kei­ne Ar­beit mehr fin­de. Des­halb wähl­te er wohl auch Re­ker als An­schlags­op­fer aus. Die 58- Jäh­ri­ge ist in ih­rer Funk­ti­on als So­zi­al­de­zer­nen­tin obers­te Flücht­lings­be­auf­trag­te der Stadt Köln.

Aber was trieb den Tä­ter? Wie­so ver­üb­te er den An­schlag jetzt, ob­wohl er schon seit Jah­ren kei­ne Ar­beit fin­det? Ei­ne An­schlags­dro­hung hat­te es vor­her nicht ge­ge­ben. Nach An­sicht ei­nes psy­cho­lo­gi­schen Gut­ach­ters ist Frank S. voll schuld­fä­hig. Es ge­be kei­ne An­halts­punk­te, an die­ser Be­wer­tung zu zwei­feln, be­to­nen Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft.

Der 44-Jäh­ri­ge war vie­le Jah­re in der rechts­ra­di­ka­len Sze­ne ak­tiv. Laut „Spie­gel On­li­ne“soll S. in den 90er Jah­ren in der spä­ter ver­bo­te­nen rechts­ex­tre­men Frei­heit­li­chen Deut­schen Ar­bei­ter­par­tei (FAP) ak­tiv mit­ge­wirkt ha­ben. Die links­ge­rich­te­te Bon­ner „An­ti­fa“-Be­we­gung“be­rich­tet auf ih­rer In­ter­net­sei­te, dass S. in den 90ern ein in Deutsch­land be­kann­ter Na­zi war, der da­mals in Bonn-Beu­el leb­te und an vie­len Na­zi-Auf­mär­schen teil­nahm – un­ter an­de­rem an­geb­lich am „Ru­dolf-Hess-Tag“in Ful­da.

„In un­se­rer Da­ten­bank

hat­ten wir nichts über Frank S.“

Chef Kri­po Köln

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