BERND PE­TEL­KAU „Es bleibt im­mer ein Res­t­ri­si­ko“

Rheinische Post Goch - - ATTENTAT IN KÖLN -

Der Köl­ner CDU-Chef ist ein en­ger Ver­trau­ter von Hen­ri­et­te Re­ker. Wir ha­ben mit ihm über das At­ten­tat ge­spro­chen.

Herr Pe­tel­kau, ha­ben Sie jetzt Angst? PE­TEL­KAU Ich war Au­gen­zeu­ge und stand kei­ne zwei Me­ter von dem schreck­li­chen At­ten­tat ent­fernt. Ich ha­be nicht di­rekt Angst. Aber das liegt dar­an, dass ich zu­fäl­lig Glück ge­habt ha­be, und weil den ers­ten ärzt­li­chen Be­rich­ten zu­fol­ge auch al­les gut aus­ge­gan­gen ist. Aber es kann auch sein, dass der Schock erst mit ein paar Ta­gen Ver­zö­ge­rung wirkt. Hat das At­ten­tat Köln ver­än­dert? PE­TEL­KAU Die Köl­ner Po­li­tik stand im­mer schon über die Par­tei­gren­zen hin­weg eng bei­ein­an­der. Wir konn- ten im­mer schon bei al­lem po­li­ti­schen Streit auch ein Kölsch mit­ein­an­der trin­ken. Auch die Be­völ­ke­rung lebt hier in der Stadt ei­ne aus­ge­präg­te Will­kom­mens­kul­tur. Der At­ten­tä­ter woll­te Hass und Ge­walt sä­en – das hat er nicht ge­schafft. Das hat auch die gro­ße So­li­da­ri­tät al­ler Par­tei­en und der Be­völ­ke­rung spon­tan nach dem At­ten­tat ge­zeigt. Po­li­ti­ker ge­nie­ßen in der Be­völ­ke­rung nicht das höchs­te An­se­hen. Hat das At­ten­tat dar­an et­was ge­än­dert? PE­TEL­KAU Das wird man se­hen. Ich glau­be schon, dass die­ses schlim­me Er­eig­nis den Men­schen vor Au­gen ge­führt hat, dass auch Po­li­ti­ker ver­wund­ba­re und ver­letz­ba­re Men­schen sind, die sich in ih­ren Wün­schen und Ängs­ten nicht von an­de­ren Men­schen un­ter­schei­den. Das wird jetzt vi­el­leicht wie­der stär­ker ge­se­hen. Brau­chen Po­li­ti­ker mehr Schutz? PE­TEL­KAU Das geht nicht. Das kann man nicht rea­li­sie­ren. Es bleibt im­mer ein Res­t­ri­si­ko. Das per­fi­de war ja: Der At­ten­tä­ter hat Frau Re­ker um ei­ne Ro­se ge­be­ten, und sie hat ihm die Ro­se ge­schenkt. Er hat dann im Ge­gen­zug das Mes­ser ge­zückt. Das kön­nen sie nicht ver­hin­dern. Auch nicht durch Per­so­nen­schüt­zer. Die Tat war of­fen­bar frem­den­feind­lich mo­ti­viert. Über­for­dert die Flücht­lings­po­li­tik der Kanz­le­rin die Men­schen? PE­TEL­KAU Nein. Was wir als Po­li­tik schaf­fen müs­sen: Wir müs­sen wie­der zur Ta­ges­ord­nung über­ge­hen. Das Flücht­lings­the­ma über­strahlt der­zeit al­le De­bat­ten. Das ver­zerrt die Wahr­neh­mung. Die we­nigs­ten Köl­ner sind von der Flücht­lings­the­ma­tik per­sön­lich be­trof­fen. Nicht ein­mal die, die di­rekt ne­ben Flücht­lings­quar­tie­ren le­ben. Ich weiß das, weil ich viel mit den Bür­gern die­ser Stadt spre­che. Frau Re­ker ist ja noch im Kran­ken­haus. Wer re­giert nun die Stadt? PE­TEL­KAU Der Kran­ken­be­richt aus der Kli­nik war ja sehr po­si­tiv. Wir hof­fen al­le, dass sie schnell ge­ne­sen wird. Es wird kei­ne lan­ge Va­kanz ge­ben, wenn über­haupt. Den Rest re­gelt die Ge­mein­de­ord­nung. Der Stadt­di­rek­tor ist Ver­tre­ter der Ober­bür­ger­meis­te­rin.

FOTO: CDU

Bernd Pe­tel­kau, Par­tei­vor­sit­zen­der des CDU Kreis­ver­bands Köln.

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