Mehr als ei­ne Kaf­fee­haus­ket­te

Rheinische Post Goch - - POLITIK - Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rer Au­to­rin: kolumne@rhei­ni­sche-post.de

Star­bucks hat in den USA zehn Mil­lio­nen Mit­glie­der in sei­nem Kun­den­bin­dungs­pro­gramm und ist Test­platt­form für neue di­gi­ta­le Di­ens­te.

Wenn ich in Deutsch­land bin, sit­ze ich häu­fig mit mei­nem Lap­top bei Star­bucks. Nicht, weil mir der Kaf­fee dort be­son­ders gut schme­cken wür­de, son­dern vor al­lem zum Ar­bei­ten. Denn bei Star­bucks gibt es ver­läss­li­ches und kos­ten­frei­es WLAN und das ist für mich ein we­sent­li­cher Plus­punkt. Auf sei­nem Hei­mat­markt USA bie­tet Star­bucks al­ler­dings nicht nur Kaf­fee und WLAN, son­dern punk­tet in den Köp­fen sei­ner Kun­den auch mit im­mer mehr di­gi­ta­len An­ge­bo­ten. Oft ist Star­bucks auch Test­platt­form für An­ge­bo­te von Drit­ten.

App­le legt hier schon seit Jah­ren Cou­pons für kos­ten­freie Down­loads von Apps und Songs aus sei­nem iTu­nes-Sto­re an Star­bucks-Kas­sen aus. Auch Zei­tungs­ver­la­ge nut­zen ger­ne das mit zehn Mil­lio­nen Mit­glie­dern sehr er­folg­rei­che Kun­den­bin­dungs­pro­gramm der Kaf­fee­haus­ket­te als Platt­form, um neue Abon­nen­ten zu ge­win­nen. In New York gab es ei­ne Zeit lang die di­gi­ta­le Aus­ga­be des Wall Street Jour­nal um­sonst, aber nur, wenn man in ei­ner Star­bucksFi­lia­le saß.

Doch mitt­ler­wei­le ver­la­gert sich die Welt von Star­bucks im­mer mehr auf das Smart­pho­ne. Mei­ne Star­bucks-App ist mitt­ler­wei­le weit mehr als mei­ne di­gi­ta­le Kun­den­kar­te. Da­mit kann ich nicht nur rei­bungs­los be­zah­len und mei­nen Kaf­fee vor­ab be­stel­len, der dann fer­tig zu­be­rei­tet schon auf mich war­tet. Ich be­kom­me auch Zu­gang zu wei­te­ren An­ge­bo­ten. Seit drei Mo­na­ten kann ich über die App kos­ten­frei ei­nen Teil der New York Ti­mes le­sen. Falls ich mich für ein kos­ten­pflich­ti­ges di­gi­ta­les Abo der Zei­tung ent­schei­de, gibt mir das wie­der­um mehr frei­en Kaf­fee bei Star­bucks.

Be­son­ders in­ter­es­sant fin­de ich die Ko­ope­ra­ti­on von Star­bucks mit dem Mu­sik­strea­m­ing­diens­tes Spo­ti­fy. In den 7000 US-Fi­lia­len von Star­bucks ha­ben die Ba­ris­tas, die den Kaf­fee zu­be­rei­ten, kos­ten­lo­sen Zu­gang zum wer­be­frei­en Pre­mi­um­an­ge­bot von Spo­ti­fy. Mu­sik, die bei Star­bucks zu hö­ren ist, kommt des­halb meis­tens di­rekt von Play­lis­ten aus dem In­ter­net. Und über mei­ne Star­bucks-App kann ich die Mu­sik, die bei Star­bucks ab­ge­spielt wird, in­zwi­schen wer­be­frei über­all hö­ren.

So wächst das Star­bucks-Im­pe­ri­um nicht nur mit im­mer neu­en Fi­lia­len und Kaf­fee mit­samt Zu­be­hör, den man auch im In­ter­net und in im­mer mehr ame­ri­ka­ni­schen Su­per­märk­ten kau­fen kann. Es wird auch zu ei­ner Platt­form, auf der sich über den Kaf­fee hin­aus im­mer mehr ab­spielt, nicht un­ähn­lich dem in sich ge­schlos­se­nen Öko­sys­tem von App­le. Das kann man gut fin­den oder schlecht, aber ich stel­le an mir selbst fest, dass die Kun­den­bin­dungs­stra­te­gie funk­tio­niert. Vi­el­leicht treibt es mich auch des­halb bei mei­ner WLAN-Su­che in deut­schen Groß­städ­ten au­to­ma­tisch im­mer wie­der zu Star­bucks.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.