Sieg­tor mit dem Arm

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON MAR­TIN BEILS

Der 1. FC Köln un­ter­liegt Han­no­ver 96 nach ei­nem ir­re­gu­lä­ren Tref­fer von Le­on Andrea­sen mit 0:1.

KÖLN Chris­ti­an Schulz war ei­ni­ger­ma­ßen be­lus­tigt. „Das ging al­les so schnell“, sag­te der Ka­pi­tän des Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten Han­no­ver 96, als er auf die ent­schei­den­de Sze­ne der Par­tie beim 1. FC Köln an­ge­spro­chen wur­de. Er grins­te da­bei und ließ er­ken­nen, dass er den ein­zi­gen Tref­fer der Be­geg­nung nicht für recht­mä­ßig hielt. „Der Schieds­rich­ter hat das Tor ge­ge­ben“, er­gänz­te Schulz. Er hät­te es aber nicht ge­ben dür­fen. Der Dä­ne Le­on Andrea­sen hat­te den Ball mit dem rech­ten Arm zum 1:0 ins Tor ge­drückt (38.).

Die Nie­der­sach­sen ver­lie­ßen durch den zwei­ten Sieg der Sai­son (und dem zwei­ten hin­ter­ein­an­der) die Ab­stiegs­rän­ge. Die Köl­ner hin­ge­gen ver­pass­ten die Ge­le­gen­heit, vor dem Gast­spiel am kom­men­den Sams­tag beim Re­kord­meis­ter FC Bay­ern München auf den Platz für die Cham­pi­ons-Le­ague-Re­le­ga­ti­on zu klet­tern. „Der Schieds­rich­ter hat ent­schei­den­den An­teil am Aus­gang der Be­geg­nung“, stell­te Kölns Ma­na­ger Jörg Schmadt­ke fest. Die Fehl­ent­schei­dung von Re­fe­ree Bas­ti­an Dan­kert und sei­nes As­sis­ten­ten Re­né Ro­de war tat­säch­lich au­ßer­ge­wöhn­lich ekla­tant. Andrea­sen konn­te sich nicht da­zu durch­rin­gen, zu­zu­ge­ben, dass der Tref­fer ir­re­gu­lär war. „Das ging al­les so schnell“, sag­te der dä­ni­sche Mit­tel­feld­spie­ler, „Kölns Tor­wart war un­mit­tel­bar vor­her auch noch am Ball.“Ein biss­chen mehr An­stand und Ehr­ge­fühl, ein Akt des Fair­play hät­te Le­on Andrea­sen spä­tes­tens im Nach­gang zum Spiel gut zu Ge­sicht ge­stan­den. Im­mer­hin: Dan­kert zeig­te nach Stu­di­um der Fern­seh­bil­der Ver­ständ­nis für den Un­mut. „Uns ist ein Feh­ler un­ter­lau­fen, der auf die­sem Ni­veau nicht pas­sie­ren darf“, sag­te der Schieds­rich­ter.

Kölns Trai­ner Pe­ter Stö­ger kom­men­tier­te die ent­schei­den­de Sze­ne non­ver­bal. Gleich nach dem Tor nahm er sei­ne Bril­le von der Na­se und hielt sie dem Schieds­rich­ter und sei­nem Hel­fer an der Sei­ten­li­nie hin. Ihm dürf­te es nicht schwer fal­len, die Glä­ser ab­zu­ge­ben; sei­ne Samm­lung um­fasst zwölf Bril­len­mo­del­le. Stö­gers Kol­le­ge Micha­el Front­zeck sag­te la­pi­dar: „Es ge­hört zum Sport, dass un­glück­li­che Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wer­den.“

Auf Köl­ner Sei­te gab es aber auch selbst­kri­ti­sche Stim­men: „Der Schieds­rich­ter hat ei­nen Feh­ler ge­macht, aber wir ha­ben auch nicht al­les rich­tig ge­macht“, sag­te Mit­tel­feld­spie­ler Mar­cel Ris­se. Der FC tat sich ge­gen den von Trai­ner Micha­el Front­zeck sehr de­fen­siv ein­ge­stell- ten Geg­ner schwer. Doch bis zum Ge­gen­tref­fer hat­ten die Köl­ner die Nie­der­sach­sen im Griff und nä­her­ten sich zu­min­dest dem vom ge­bür­ti­gen Köl­ner Ron-Ro­bert Zie­ler ge­hü­te­ten Tor. Doch Andrea­sens Tref­fer brach­te den FC aus der Spur. Es dau­er­te, bis sich in der End­pha­se noch ein Pri­vat­du­ell zwi­schen Zie­ler und Kölns Tor­jä­ger Ant­ho­ny Mo­des­te ent­wi­ckel­te. Doch der Tor­hü­ter aus dem WM-Ka­der meis­ter­te al­le Auf­ga­ben. Sei­ne größ­te Be­wäh­rungs­pro­be be­stand er, als er bei ei­nem Schuss des frei ste­hen­den Phil­ipp Ho­si­ner pa­rier­te. Es war der ers­te Ball­kon­takt des ein­ge­wech­sel­ten Ös­ter­rei­chers. Der blieb aber an­sons­ten blass. Ge­nau wie Si­mon Zol­ler und Mi­los Jo­jic, die an­de­ren bei­den von Stö­ger nach­träg­lich aufs Feld ge­schick­ten Ak­teu­re. Bis­lang lag ei­ne be­son­de­re Qua­li­tät der Köl­ner dar­in, durch ih­re Er­gän­zungs­spie­ler zu­le­gen zu kön­nen. Ge­gen Han­no­ver war das nicht der Fall.

Stö­ger sieht sei­ne Mann­schaft trotz der „un­glück­li­chen Nie­der­la­ge“auf ei­nem gu­ten Weg. Schlud­rig­kei­ten im Auf­bau und man­geln­de Prä­zi­si­on im Ab­schluss muss sein Team al­ler­dings ab­stel­len.

FOTO: IMAGO

Die Ent­schei­dung: Le­on Andrea­sen springt der Ball an den rech­ten Arm und von dort ins Köl­ner Tor. Schluss­mann Ti­mo Horn fliegt ver­geb­lich.

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