Box-Hoff­nung Fei­gen­butz ge­winnt durch um­strit­te­nes Ur­teil

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON JES­SI­CA BALLEER

KARLS­RU­HE/DÜSSELDORF Weit nach Mit­ter­nacht steht die größ­te Hoff­nung des deut­schen Box­sports im Schwein­wer­fer­licht der Karls­ru­her Are­na. Zu­nächst herrscht Stil­le. Dann reißt der Ring­rich­ter den Arm des 20-jäh­ri­gen Lo­kal­ma­ta­dors in die Luft: Punkt­sieg und Ti­tel­ver­tei­di­gung im Su­per-Mit­tel­ge­wicht für Vin­cent Fei­gen­butz. Vor 4200 Zu­schau­ern und ei­nem Mil­lio­nen Pu­bli­kum am Fern­se­her wird der Traum wahr. Doch an­statt aus­ge­las­sen zu fei­ern, müs­sen Fei­gen­butz (20) und sein Ma­nage­ment Recht- fer­ti­gun­gen für die­sen Er­folg fin­den, der höchst um­strit­ten ist und den das Pu­bli­kum mit ei­nem gel­len­den Pfeif­kon­zert be­straft.

Zum ers­ten Mal hat­te der Pri­vat­sen­der Sat.1 den 20-Jäh­ri­gen zum Haupt­kämp­fer ei­ner Box-Über­tra­gung ge­macht. Der Kampf be­scher­te auch das ge­wünsch­te Spek­ta­kel. Die In­te­rims-Welt­meis­ter­schaft des Box­ver­ban­des WBA war um­kämpft, war eng und in­ten­siv. Auch des­we­gen, weil der Ita­lie­ner Gio­van­ni De Ca­ro­lis min­des­tens auf Au­gen­hö­he box­te. Die frag­wür­di­ge Ent­schei­dung der Ring­rich­ter und das un­glück­li­che Auf­tre­ten der deut­schen Nach­wuchs­hoff­nung aber zeig­ten, dass der Karls­ru­her noch nicht be­reit zu sein scheint, die­se Last der Ver­ant­wor­tung zu schul­tern.

Denn die Er­war­tun­gen der deut­schen Box-Welt an den 20-Jäh­ri­gen sind enorm. Als „Prin­ce Vin­ce“oder „Iron Ju­ni­or“, in An­leh­nung an den Box-Star „Iron“Mi­ke Ty­son, wird er be­zeich­net. Ein Grund da­für ist, dass die be­ein­dru­cken­de Sie­ges­se­rie, die er be­reits vor­wei­sen kann, gro­ßen Ein­druck hin­ter­las­sen hat: 21 Sie­ge in 22 Kämp­fen. Die Kar­rie­re­plä­ne wur­den längst für ihn ge­schmie­det: Der Karls­ru­her soll zum jüngs­ten deut­schen Welt­meis­ter al- ler Zei­ten auf­stei­gen. Bis­her hält Gra­cia­no Roc­chi­gia­ni die­sen Re­kord. Mit 24 Jah­ren stell­te er ihn auf. Dass die Stim­mung trotz der Ti­tel­ver­tei­di­gung am Wo­che­n­en­de so um­schla­gen wür­de, war nicht ab­zu­se­hen. Fei­gen­butz’ Wort­wahl nach dem Kampf zeigt, dass er noch weit ent­fernt ist von ei­nem Box-Cham­pi­on: „Ich war letz­te Wo­che noch krank, hat­te ei­ne Grip­pe. Aber ich hab’ ihm Tau­send Jabs in die Fres­se ge­bal­lert, da­her ha­be ich klar ge­won­nen.“

Die­se Ein­schät­zung quit­tier­ten Fans in den so­zia­len Netz­wer­ken mit ei­nem eben­falls ein­deu­ti­gen Ur- teil: „Schwach, ar­ro­gant, über­heb­lich“und „Wenn #fei­gen­butz die deut­sche Hoff­nung ist, dann ist der Box­sport in Deutsch­land am En­de“wa­ren die harm­lo­se­ren der Kom­men­ta­re. Die Sat.1-Ex­per­ten teil­ten die Kri­tik: Fei­gen­butz ha­be sich „durch­ge­schum­melt“, sag­te Axel Schulz. „Er ist noch nicht be­reit für gro­ße Kämp­fe“, sag­te Welt­meis­ter Ar­thur Abra­ham.

Bis der Fein­me­cha­ni­ker-Azu­bi so weit ist, dass sei­ne for­sche Her­aus­for­de­rung an Fe­lix Sturm ernst ge­nom­men wird, soll­te er noch ler­nen, dass auch Schwei­gen manch­mal Gold sein kann.

FOTO: DPA

Vin­cent Fei­gen­butz

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