Rug­by-WM: Neu­see­land auf Re­kord­jagd

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON PATRICK SCHE­RER

Mit 62:13 de­klas­sier­ten die All Blacks im Vier­tel­fi­na­le das fran­zö­si­sche Na­tio­nal­team. Es war der höchs­te Sieg in ei­nem WM-Vier­tel­fi­na­le über­haupt. In der Run­de der letz­ten vier Mann­schaf­ten war­tet am Sams­tag nun Süd­afri­ka.

DÜSSELDORF/CAR­DIFF Der Ver­gleich mit der Fuß­ball­welt hink­te: „Sie sind die Bra­si­lia­ner des Rug­bys“, sag­te Frank­reichs Rug­by-Na­tio­nal­trai­ner Phil­ip­pe Saint-And­re und mein­te da­mit die Aus­wahl Neu­see­lands, die kurz zu­vor im WM-Vier­tel­fi­na­le sei­ne fran­zö­si­sche Trup­pe in ei­ner film­rei­fen Vor­stel­lung zu Sta­tis­ten de­gra­diert hat­te. Das 62:13 im Mil­le­ni­um-Sta­di­um in Car­diff war wohl die größ­te Schmach für Frank­reich in sei­ner Rug­by-Ge­schich­te. Und

Thier­ry Du­s­au­to­ir so­mit war es dann eben Saint-And­res Team, das dem Ver­gleich mit den bra­si­lia­ni­schen Fuß­bal­lern, die 2014 ge­gen Deutsch­land im WMHalb­fi­na­le mit 1:7 ei­ne ähn­lich nie­der­schmet­tern­de Nie­der­la­ge ein­ste­cken muss­ten, tat­säch­lich stand­hielt.

„Das war ein Un­ter­schied von zwei oder drei Klas­sen. Wir ha­ben uns fast die gan­ze Zeit hilf­los ge­fühlt. Nach so ei­nem Match bleibt nicht mehr viel zu sa­gen“, sag­te Frank­reichs Ka­pi­tän Thier­ry Du­s­au­to­ir zur De­mü­ti­gung. Die Fran­zo­sen, die vor vier Jah­ren das End­spiel ge­gen die All Blacks nur knapp ver­lo­ren hat­ten, la­gen be­reits zur Halb­zeit mit 13:29 zu­rück. Nach star­ken zehn Mi­nu­ten zu Be­ginn der zwei­ten Halb­zeit brach die Grand Na­ti­on dann aber völ­lig aus­ein­an­der. Der ent­schei­den­de Mann der Par­tie war Ju­li­an Sa­vea. Der 25-Jäh­ri­ge leg­te drei Ver­su­che, das hat­ten vor Sa­vea in ei­nem K.o.-Spiel bei ei­ner WM nur Ches­ter Wil­li­ams und die Le­gen­de Jo­nah Lo­mu ge­schafft. Dem flüs­si­gen Lauf- und Pass­spiel hat­ten die Fran­zo­sen nichts ent­ge­gen­zu­set­zen. Die All Blacks leg­ten ins­ge­samt neun Ver­su­che und er­ziel­ten den höchs­ten Sieg in ei­nem WMVier­tel­fi­na­le über­haupt.

In Richard Hugh „Ri­chie“McCaw, der in Neu­see­land we­gen sei­ner her­aus­ra­gen­den Qua­li­tä­ten nur „Cap­tain Fan­tas­tic“ge­nannt wird, hat das Team ei­nen An­füh­rer, der zahl­rei­che Re­kor­de ge­sam­melt hat und nun ei­nen wei­te­ren auf­stel­len will: Noch nie hat ein Ka­pi­tän den „Web El­lis Cup“, die WM-Tro­phäe, zwei Mal nach Hau­se ge­bracht. Nach 2011 und 1987 soll es nun un­ter Trai­ner Ste­ve Han­sen der ins­ge­samt drit­te neu­see­län­di­sche Tri­umph wer­den.

Im Halb­fi­na­le am kom­men­den Sams­tag war­tet nun Süd­afri­ka, das mit ei­nem müh­sa­men 23:19-Er­folg das Rug­by-Mär­chen von Wa­les be­en­det hat.

Das zwei­te Halb­fi­na­le am kom­men­den Sonn­tag be­strei­ten Ar­gen­ti­ni­en und Aus­tra­li­en. Die Süd­ame­ri­ka­ner be­sieg­ten Ir­land ges­tern mit 43:20. Die Iren ver­kürz­ten da­bei kurz­zei­tig von 0:17 auf 20:23, doch die Pu­mas hat­ten den län­ge­ren Atem. Aus­tra­li­en ge­wann hauch­dünn mit 35:34 ge­gen Schott­land. So­mit sind al­le eu­ro­päi­schen Teams aus dem Tur­nier aus­ge­schie­den.

„Das war ein Un­ter­schied von zwei oder drei Klas­sen. Wir ha­ben uns fast die gan­ze Zeit

hilf­los ge­fühlt“

Frank­reichs Ka­pi­tän

FOTO: DPA

Der Neu­see­län­der Ma’a No­nu über­rennt ei­nen fran­zö­si­schen Ak­teur im Mill­en­ni­um Sta­di­um in Car­diff.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.